Wenn die Muskeln arbeiten, verbrauchen sie Energie, also Zucker. Weil Menschen mit Diabetes Insulin spritzen, ihr Blutzuckergehalt also schon relativ niedrig ist, kann es sein, dass der lebensnotwendige Treibstoff ihrem Körper irgendwann fehlt. Die Folge ist Unterzuckerung. Dasselbe kann passieren, wenn Sie Diabetestabletten einnehmen, die dafür sorgen, dass Ihre Bauchspeicheldrüse mehr Insulin ausschüttet. Wenn Sie gegen Ihren Diabetes aber ausschließlich Metformin-Tabletten einnehmen, können Sie keine Unterzuckerung bekommen.
Um eine Unterzuckerung zu verhindern, müssen Sie Ihren Zuckerhaushalt anpassen. Entweder Sie nehmen vor dem Sport weniger Medikamente und sie spritzen weniger Insulin oder schlucken weniger Tabletten. Oder Sie essen vor dem Sport zusätzlich Kohlenhydrate, die der Körper in Zucker umwandeln kann, etwa Brot, einen Apfel, Schokolade.
Ob und wie man die Medikamentendosis und die Ernährung beim Sport verändern muss, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Es hängt unter anderem davon ab, wie trainiert der Körper ist, wie lange die Anstrengung andauert und in welcher Intensität die Übungen ausgeführt werden.
Änderungen bei der Medikamentendosis sollten immer mit dem Arzt abgesprochen werden. Auch im Diabetesschulungsprogramm wird der Berater darüber sprechen, wie sich bei Bewegung Unterzuckerung vermeiden lässt.
Als Faustregel gilt: Jede halbe Stunde Bewegung entspricht einer Berechnungseinheit oder Kohlenhydrateinheit (KE). Wer also 30 Minuten Rad fahren möchte, sollte eine KE mehr zu sich nehmen. Das entspricht einem kleinen Apfel, einem Glas Milch oder zwei Stück Schokolade.
Nehmen Sie immer eine kleine Ration Obst oder Süßes mit, um sie notfalls in einer Pause zu essen. Außerdem sollten Sie immer Traubenzucker oder zuckerhaltige Getränke wie Cola mit dabei haben. Das hilft am schnellsten, wenn Sie unterzuckern. Falls Sie mehrere Stunden lang Sport treiben, etwa bei einer Radtour oder Wanderung, sollten Sie morgens die Insulindosis verringern oder eine Tablette weglassen.
Wie viel Insulin oder Tabletten Sie einsparen können, besprechen Sie mit Ihrem Arzt. Ein Fitnesstagebuch kann helfen, den persönlichen Bedarf zu ermitteln. Darin notieren Sie Ihren Blutzuckerwert vor dem Sport, währenddessen und danach. Außerdem tragen Sie Ihre Insulin- oder Tablettendosis ein und die zusätzlich verzehrten Kohlehydrate.
Messen Sie Ihren Blutzucker vor dem Sport. Wenn Sie Diabetes Typ 1 haben und eine Überzuckerung feststellen, prüfen Sie auch Ihren Urin. Falls Sie Azeton ausscheiden, dürfen Sie keinen Sport treiben. Anderenfalls riskieren Sie eine so genannte Keto-Azidose, eine lebensgefährliche Übersäuerung des Blutes.
Bei einer Unterzuckerung, unabhängig davon, ob es sich um Typ-1- oder Typ-2-Diabetes handelt, sollten Sie Insulin spritzen und warten, bis sich Ihr Blutzuckerspiegel normalisiert hat.
Noch ein Hinweis: Wenn Sie eine mehrstündige Wanderung geplant haben oder Ihnen eine ähnliche körperliche Belastung bevorsteht, brauchen Sie nur noch etwa halb so viel Insulin wie normalerweise zu spritzen.