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21. April 2010, 11:59 Uhr

So viel lässt Deutschland bei Google löschen

Auf einer Weltkarte veröffentlicht Google ab sofort alle Anfragen von staatlichen Stellen zur Löschung von Internetseiten und zur Herausgabe von Nutzerdaten. Ganz weit vorne: Deutschland.

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Eine Weltkarte zeigt die Lösch- und Auskunftsanfragen aus aller Welt© Google

Google hat ein neues Informationsangebot vorgestellt, das zeigt, wie häufig in welchen Ländern von staatlicher Seite - durch Gerichte, Ermittlungsbehörden und Staatsanwaltschaften - die Löschung bestimmter Inhalte und die Herausgabe von Daten beantragt wurden. Die Informationen werden auf einer Weltkarte dargestellt. Per Mausklick lassen sich die Zahlen über die Anfragen aus insgesamt 47 Ländern anzeigen. Das sogenannte "Government Request Tool" erfasst derzeit Daten aus dem Zeitraum zwischen Juli und Dezember 2009 und soll künftig halbjährlich aktualisiert werden. Die Aussagen beziehen sich auf alle Produkte von Google, also nicht nur die Suche, sondern auch andere Angebote des Unternehmens wie Youtube, Picasa und Google Mail.

Bei den Löschanfragen ("removal requests") rangiert Deutschland mit insgesamt 188 auf dem zweiten Platz hinter Brasilien (291). Auf Platz drei landete Indien mit 142 Anfragen, auf Platz vier die USA mit 123 Gesuchen. In Deutschland ist Google bei 94,1 Prozent der Fälle den Aufforderungen ganz oder teilweise nachgekommen. Bei den Inhalten, deren Löschung in Deutschland beantragt wird, geht es laut Google-Sprecher Kay Oberbeck häufig um rechtsradikales Gedankengut: Rechte Propaganda, Leugnung des Holocausts und Nazidevotionalien waren der Gegenstand von rund 11 Prozent aller Gesuche auf Entfernung von Inhalten. Weitere häufige Gründe seien Gewaltverherrlichung und Persönlichkeitsverletzungen. Kinderpornografie und Urheberrechtsverletzungen spielten laut Oberbeck in diesem Zusammenhang fast keine Rolle. Copyright-geschütztes Material werde in der Regel von den Rechteinhabern und nicht von staatlicher Seite gemeldet. Und für Kinderpornografie gebe es besondere Filter, außerdem werde diese auf ganz anderen digitalen Wegen vertrieben.

Aufschlüsselung der 188 Löschanfragen aus Deutschland

  • 7 Blogger (per Gerichtsbeschluss*)
  • 3 Blogger
  • 4 Google Suggest** (per Gerichtsbeschluss)
  • 2 Google Video
  • 1 Bildersuche (per Gerichtsbeschluss)
  • 94 Websuche (per Gerichtsbeschluss)
  • 4 Websuche
  • 3 YouTube (per Gerichtsbeschluss)
  • 70 YouTube

(* Die Angaben ohne "per Gerichtsbeschluss" bedeuten, dass Google den Bitten der Behörden direkt gefolgt ist. **Google Suggest heißt das System, das schon beim Eintippen ganze Suchbegriffe vorschlägt.)

Das Government Request Tool gibt auch Auskunft darüber, wie oft Regierungen Informationen über Google-Nutzer eingeholt hätten ("data requests"). Auch hier führte Brasilien mit 3663 Anfragen zu Informationen aus Google-Nutzerkonten die Rangliste an, gefolgt von den USA mit 3580 Anfragen und Großbritannien mit 1166 Gesuchen. Deutschland belegte den siebten Platz mit 458 Anfragen. Der Großteil der Gesuche bezog sich auf Information, die für polizeiliche Ermittlungen angefragt wurde. Die hohe Zahl der Anfragen in Brasilien erklärt Google-Sprecher mit dem dort sehr erfolgreichen sozialen Netzwerk Orkut, das zum Konzern gehört. Die Ermittlungsanfragen drehten sich in Bezug auf Orkut vor allem um Beleidigungen und Verletzungen des Persönlichkeitsrechts.

System noch in den Anfängen

Genauere Informationen, welche staatliche Stelle welche Infomationen über Nutzer abgefragt hat, liegen zurzeit für Deutschland und die anderen Länder nicht vor. Laut Oberbeck werde Google vor allem die Analyse der Anfragen zur Datenherausgabe für die kommenden Aktualisierungen des Tools verbessern. In einer FAQ erklärt das Unternehmen, dass auch die Statistik nicht ganz akurat sei, weil einige Daten noch fehlten. Man sei erst am Anfang. Gar keine Zahlen gibt es zu China, weil das Regime solche Daten als Staatsgeheimnis betrachte, so Google.

Staatliche und gerichtliche Eingriffe im Internet nähmen derzeit rapide zu, schreibt Googles Chef-Justiziar David Drummond in einem Blog-Eintrag. So sei es keine Überraschung, dass Google wie andere Technologiefirmen regelmäßig Anfragen von Regierungen zum Löschen von Inhalten erhalten. Die meisten Anfragen zur Sperrung oder Herausgabe von Daten seien durchaus legitim. Google gehe es mit dem neuen Werkzeug vor allem darum, die Nutzer besser zu informieren. "Wir glauben, dass größere Transparenz zu weniger Zensur führen wird."

Google sagt, unter Berufung auf Daten der Internetinitiative OpenNet Initiative, dass die Zahl der Regierungen weltweit, die Zensur im Internet ausüben, von insgesamt vier im Jahr 2002 auf mittlerweile 40 gestiegen ist.

Weltweiter Protest von Datenschützern

Unterdessen forderte eine weltweite Initiative von Datenschützern Google auf, die Privatsphäre seiner Nutzer besser zu schützen. Vertreter von Datenschutzbehörden aus zehn Ländern - neben Deutschland gehörten dazu unter anderem Kanada, Frankreich, Großbritannien und Spanien - richteten sich mit einem Brief an Google-Chef Eric Schmidt. "Während wir Lippenbekenntnisse von Unternehmen wie Google zum Datenschutz hören, sehen wir diesen nicht immer berücksichtigt, wenn die Unternehmen neue Produkte vorstellen", sagte Kanadas oberste Datenschützerin Jennifer Stoddart.

san/bla/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
schnelltipper (22.04.2010, 12:52 Uhr)
Richtiger Link
Mir ist leider ein Fehler unterlaufen, hier der richtige Link zu Kabul in OpenStreetMap:

http://www.openstreetmap.org/index.html?mlat=31.896944&mlon=35.201667&zoom=12
schnelltipper (22.04.2010, 12:50 Uhr)
Selbstzensur in GoogleMaps
Hier noch einmal zum besseren Vergleich die Links von GoogleMaps und OpenStreetMap zu Afghanistan und Palästinensische Autonomiegebiete:

Kabul in Google Maps:
http://maps.google.com/maps?q=afghanistan%2C+kabul&sourceid=Mozilla-search

Kabul in OpenStreetMap:
http://maps.google.com/maps?q=afghanistan%2C+kabul&sourceid=Mozilla-search

Ramallah in GoogleMaps:
http://maps.google.com/maps?q=ramallah%2C+israel&sourceid=Mozilla-search

Ramallah in OpenStreetMap:
http://www.openstreetmap.org/index.html?mlat=31.896944&mlon=35.201667&zoom=12

Es ist offensichtlich, dass es nicht an Informationen mangelt, sondern dass Google sich entweder selbst zensiert oder dies auf Druck der amerikanischen Regierung geschieht.

schnelltipper (22.04.2010, 12:38 Uhr)
Google zensiert sich selber bei GoogleMaps
Wer sich GoogleMaps anschaut, wird schnell feststellen, dass Informationen über bestimmte Länder oder Regionen ganz oder teilweise zurückgehalten werden. Ein Vergleich der Karten von GoogleMaps (http://maps.google.com/maps?q=afghanistan%2C+kabul&sourceid=Mozilla-search) und Openstreetmap (http://www.openstreetmap.org/index.html?mlat=34.533333&mlon=69.166667&zoom=12) von Afghanistan zeigt dies sehr deutlich. In GoogleMaps ist Afghanistan praktisch ein weißer Fleck. Ähnlich verhält es sich mit den Karten der israelisch besetzten Gebiete. Während die Siedlungen detailliert mit Straßenamen angegeben sind, fehlen Informationen zu arabischen Ortschaften fast ganz. Auch hier sind die Informationen von Openstreetmap wesentlich umfangreicher.
Hier an Zufall zu glauben, fällt sicher schwer.
JRx1 (22.04.2010, 08:29 Uhr)
@jetrabit
Du weisst nicht was du schreibst - mexico hat kein einziges strassen bild- warum? Weil google erschossen wird. Warum soll Google mit meinen Bild von meinem Haus Geld machen. WTF?
JRx1 (22.04.2010, 08:25 Uhr)
Und?
Darf Google machen was es will? Google crome sieht wie ein AUGE aus das beobachtet!! Google macht Geld mit Daten anderer Leute. Zeit diesem treiben Einhalt zu bieten! Jeder einspruch ist ok!
RDUKE7777777 (22.04.2010, 06:56 Uhr)
Das ist keine Zensur
Denn: Grundgesetz:
Artikel 5,
Absatz 1:
Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.


Und da nicht sein kann, was nicht sein darf, ist es keine Zensur :)

Wie damals als Condoleeza Rice behauptet hat es gäbe keine Folter, weil der Präsident sie angeordnet hat, und der Präsident keine illegalen Sachen anordnen kann.

So ist es hier auch. Es ist keine Zensur, weil es keine Zensur gibt :)
eric111 (21.04.2010, 19:20 Uhr)
Internet B
Seit Jahren ist das festzustellen, nicht nur von Staatsseite aus, sondern auch was das Thema Copyright, Abmahnvereine, Impressum, Haftung, etc. angeht.

Es geht nicht darum, Verbrechern das Leben schwer zu machen, nein Deutschland ist so kleinkarriert und quadratkopfdenkend, dass man meint immer der Nabel der Welt zu sein. Und somit führt kein Weg daran vorbei, dass das Internet in Deutschland mittlerweile kastriert ist und es immer mehr zu einer reinen Firmenplattform verkommt, nach deutschem Regelwerk.

Richtig: Beispiel Streetview. Aber es gibt viele andere. Wie kann es sein, dass man eine Website auf Deutsch egal in welchem Land mit einem nach deutschem Recht entsprechendem Impressum versehen muss, egal, ob die Seite evtl. an Österreich oder an Deutsche, die im Ausland leben gerichtet ist?

Klar, dass sehen wahrscheinlich 96% von Euch als normal an. Doch hab ihr euch mal gefragt, welche Länder gg. Webmaster und deutsche Firmen klagen könnten, weil der englischsprachige Blog oder die Webpräsenz eben die Rechtsprechung z.B. in Australien, Kanada oder einem anderen Englisch sprechenden Land verletzen könnte.

Den Hammer schießt die Regierung von Mittelfranken ab, die Real Madrid (nach deutschem Recht) abmahnen will, weil die als Sponsor "b-Win" haben und ihre Webiste - die übrigens nur auf Spanisch, Englisch und Chinesisch ist - auch in Mittelfranken abrufbar ist.

Ein Wahnsinn und nebenbei eindeutig gegen EU-Recht. Was Deutschland hier zusammenbraut ist ein Internet "B", ein Meinungsfreiheitsfilter oder einfach ZENSUR.

Doch die wenigsten regen sich drüber auf. Klar, wer nur DPA-Agenturmeldungen verpasst bekommt und alle Websites aus dem Ausland mit Betrug und Kinderporno gleichsetzt fragt auch nicht weiter nach. Nur manche wundern sich, warum viele Errungenschaften wie z.B. Street-View nicht auch in Deutschland erhältlich sind.
jetrabbit (21.04.2010, 18:51 Uhr)
die BRD
ist das einzige land das kein google streetview hat. als ich heute nachschauen wollte, gab es ein ein loch in europa, das war die BRD. ziemlich peinlich.
NewWorld (21.04.2010, 17:26 Uhr)
@Watschdog
Also der Vergleich mißhandelnder Manager und VW-fahrender Daimler-Manager hinkt aber ganz gewaltig, oder???

Watschdog39 (21.04.2010, 17:04 Uhr)
Deutschland
und der Stern sprechen China bei jeder Gelegenheit die Einhaltung der Menschenrechte ab. Im Stern wird zensiert auf Teufel komm raus, der Staat zensiert auf Teufel komm rein.
Jeder meint er muss erwachsene Menschen am Halsband und Leine durch das Leben führen und nennt das "Demokratie".
ICH will selber bestimmen was ich lesen und welche Meinung ich haben will.
Und wenn ich der Meinung bin die Welt ist eine Scheibe so will ich die Freiheit haben das zu glauben und öffentlich zu behaupten.
Zeitschriften wie der Stern haben früher mal Enthüllungsjournalismus betrieben,
heute schießen sie gegen die Kirche und den Papst, weil es Ihnen so befohlen wurde.
Menschen werden im Voraus verurteilt und an den Pranger gestellt; Politiker "verlangen" den Rücktritt eines Bischofs. Das ist ungefähr so als wenn der Rücktritt eines Manager´s von Daimler verlangt würde weil er 1980 einen Volkswagen gefahren hat. Staat und Kirche sind getrennt, hier hat der Staat sich nicht einzumischen; oder handeln unsere Politiker da auch auf Befehl??
Schließlich hat der Papst einigen Leuten empfindlich auf die Füsse getreten!!
Was ist los in unserem Land? Das Schul-niveau sinkt immer mehr, die Überwchung steigt (an 10er Stelle auf Weltrangliste) und nun meldet Google wieder mal eine peinliche Sache.
Wo ist da der Unterschied; Diktatur ist Diktatur, ob recht oder links!!
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