15. Juni 2012, 18:35 Uhr

Das dunkle Geschäft mit virtuellem Gold

Blizzard startet im Videospiel Diablo 3 ein Auktionshaus, in dem virtuelle Äxte gegen echte Euros verkauft werden. Das Geschäft ist lukrativ, wie ein professioneller Gamer verrät. Von Christoph Fröhlich

Diablo 3, Echtgeldauktionshaus, Blizzard, Gold, Farming

Eine Zauberin kämpft gegen Dämonen in "Diablo 3": Das Geschäft mit virtuellen Gütern ist äußerst lukrativ.©

Tag und Nacht streift die Zauberin durch dunkle Verliese, tötet Dämonen mit magischen Geschossen und plündert ihre Überreste. Hunderte von Kreaturen erlegt sie pro Stunde, Tausende am Tag. Was klingt wie ein blutrünstiger Fantasy-Actionfilm, ist in Wirklichkeit eine ganz normale Spielszene aus dem Online-Rollenspiel "Diablo 3". Gesteuert wird die Zauberin von einem Mann, der vermutlich aus Dänemark kommt, anonym bleiben möchte und sich "Mister Farmer" nennt. Denn er spielt das Onlinespiel nicht zum Spaß, sondern um möglichst viele virtuelle Goldmünzen zu sammeln, um sie dann zu echtem Geld zu machen.

Wie in jedem echten Land gibt es auch in der Onlinewelt von Diablo eine Währung, mit der Güter wie Heiltränke und Schwerter gekauft werden können. Das Sammeln ist mühselig und zeitraubend, und genau hier kommen "Mister Farmer" und seine Kollegen ins Spiel: Sie erledigen den Job, den niemand machen möchte - stundenlang ohne Abwechslung Monster verprügeln. Die virtuelle Drecksarbeit lassen sie sich gut bezahlen, verdammt gut sogar: Auf Ebay oder anderen Verkaufsplattformen werden die virtuellen Goldmünzen für echtes Geld versteigert. Und das Geschäft brummt.

Zocken wie in Hollywood

Diablo 3 ist das am schnellsten verkaufte Computerspiel aller Zeiten. Allein am ersten Tag verkaufte sich das Spiel 3,5 Millionen Mal, in der ersten Woche gingen 6,3 Millionen Exemplare über die Ladentheke. Beworben wurde das Spiel mit riesigen Plakaten in Großstädten und teuren Fernsehspots im Vorabendprogramm.

Games sind schon lange keine Nische mehr für einsame Kellerkinder. Zocken ist zum Milliardengeschäft geworden: Der Ego-Shooter "Call of Duty: Modern Warfare 3" spülte dem Entwicklerstudio Activison seit dem Erscheinen im vergangenen November mehr als eine Milliarde US-Dollar in die Kassen. Damit steht das Spiel auf einer Stufe mit Hollywood-Blockbustern wie "Fluch der Karibik" oder "The Dark Knight".

Doch nicht nur die Spiele selbst, auch zusätzliche Inhalte lassen die Kassen klingeln: Häppchenweise servieren die Unternehmen kostenpflichtige Level, Kostüme oder Rennstrecken, und halten die Spiele so am Leben. Doch auch abseits der offiziellen Gamingplattformen werden Millionenumsätze mit virtuellen Gütern gemacht. Einer, der weiß wie's geht, ist "Mister Farmer".

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