Finnlands Handy-Riese zeigt auf seiner Hausmesse Nokia World 09, dass er die Zeichen der Zeit doch erkannt hat. Der in der Vergangenheit unbeweglich erscheindende Konzern verknüpft nun seine Geräte mit sozialen Netzwerken, Navigation - und will die Dritte Welt erobern. Von Dirk Liedtke, Stuttgart

OPK, wie sich Nokia-Boss Kallasvuo selbst nennt, scherzt über sein trockenes Image© Michael Latz/DDP
Nokia-Boss Olli-Pekka Kallasvuo hat Humor. "Zu einer erfolgreichen Firma gehört ein charismatischer Mann an der Spitze und ein guter Plan", erklärt er ironisch. "Na ja, wenigstens haben wir einen guten Plan", setzt er die Pointe. Und die sitzt. OPK, wie er sich amerikanisch entspannt nennen lässt, mag ein dröger Bursche sein. Aber die von ihm geführte Firma Nokia wird immer cooler.
Fast 2000 Menschen in einer Messehalle in Stuttgart lachen und applaudieren dem bulligen, kantig englisch sprechenden Manager. Obwohl er auch ohne Jackett nicht annähernd so mitreißend rüberkommt wie Apple-Boss Steve Jobs oder die Google-Guys Sergey Brin und Larry Page, legt "OPK" bei der 14. Hausmesse Nokia World in Stuttgart einen starken Auftritt hin. Die Botschaft ist klar: wir haben 1,1 Milliarden Kunden und denen werden wir in Zukunft viel mehr als nur alle paar Jahre ein neues Handy verkaufen.
Nokia hat in der Krise zwar auch weniger Handys verkauft, liegt aber bei Smartphones eindeutig an der Spitze - vor Blackberry oder iPhone.
Die neuen Nokia-Modelle sind ein großer Wurf (siehe Bildergalerie). Sie nähern sich in punkto Sex-Appeal bei jungen Käufern immer mehr dem Coolness-Vorbild Apple an. Selbst in Sachen Bedienung kommen sie langsam dem Vorbild iPhone näher.
Mit allen Vor- und Nachteilen: Im Oktober gibt es erstmals einen Software-Update für zwei Millionen verkaufte N97-Modelle, der wie bei Apple oder Microsoft groß angekündigt wird. Smartphones sind auch nur kleine Computer und wollen ständig auf den neuesten Stand gebracht werden, damit sie rund laufen. Da muss man sich als Handynutzer erst mal dran gewöhnen.
Flexibel und schlau setzt Nokia durch eine Kooperation mit Facebook auf den Megatrend der sozialen Netzwerke: Mit ausgewählten Modellen können Nutzer auf dem Startbildschirm sehen, was ihre Freunde gerade über Facebook mitteilen. Und beim sogenannten "Lifecasting with Ovi" können Besitzer eines Nokia-Smartphones direkt auf Facebook posten, was sie umtreibt und wo sie sich gerade befinden. Ein Link zum hauseigenen Kartendienst Ovi-Maps wird automatisch mitgeschickt. Das mag nicht jedem behagen, aber der Trend ist da: "Teilen ist das neue Verschicken". sagt Nokia-Top-Manager Anssi Vanjoki. Und er hat recht, zumindest, was den Alltag vieler junge Leute angeht.
Dreh- und Angelpunkt neuer Nokia-Angebote ist der Kartendienst Ovi Maps, der vor allem in Berlin entwickelt wird. In vielen Punkten ist er dem viel bekannteren Angebot Google Maps überlegen: Die kostenlose Fußgängernavigation hangelt sich etwa nicht an Straßen entlang, sondern kennt auch Abkürzungen durch Parks. Zusatzdienste wie von der Deutschen Bahn oder dem Reiseführer Lonely Planet werden zum großen Teil kostenlos ab Werk in das Telefon integriert. Man muss sich nicht einmal mehr die Mühe machen, die entsprechende Anwendung oder "App" zu installieren. Das schicke neue Modell N97 Mini ist schon ab Werk ein weltweit einsetzbares Fußgänger-Navi mit Reise- und Restaurantführer.