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Kommentar

Warum die Deutschen keine Ahnung vom Grillen haben

Wenn die Grillsaison wieder startet, hängt der Qualm der Billig-Grills über den Parks in den Großstädten. Was dort aber veranstaltet wird, grenzt an kulinarischen Dilettantismus. Eine kleine Polemik.

Grillen auf der Wiese im Park

Grillen? Davon haben die Deutschen noch nie etwas gehört

Die Grillsaison in den Parks der Großstädte geht wieder los. Ganz schön gruselig, denn ich habe es satt und kann es eigentlich nicht mehr sehen, diesen kulinarischen Dilettantismus. Es geht sogar schon so weit, dass ich "Einladungen" zum Grillen im Park ausschlage, vorher zu Hause koche und mein liebevoll gekochtes Abendessen auf dem Balkon verzehre, um danach in den Park auf ein Verdauungs-Weinchen dazuzustoßen. Nicht ohne die Augen zu verdrehen über das, was auf dem "Grill", den meine Freunde mitgebracht haben und den man überhaupt nicht Grill nennen dürfte, gerade verkohlt.

Es geht mir nicht um die Idee an sich, die finde ich toll: sich gemeinsam mit den Freunden, Bekannten und Kollegen auf einer Grünfläche im Freien zusammen zu finden und zu grillen. Jeder bringt etwas mit, auf dem Grill landen Speisen für Vegetarier, Veganer und auch für Omnivoren. Klasse Sache. Zumindest in der Theorie. Nicht aber in der Realität.

Denn es wird mir immer wieder klar, den Deutschen ist es herzlich egal, was auf ihrem Grill landet: abgepacktes mariniertes Schweinefleisch vom Discounter, kleine, große, gefüllte, verschrumpelte Würstchen von der SB-Theke aus dem Supermarkt, Knoblauch- oder Kräuterbaguette zum Aufbacken von Lidl, Aldi oder Penny, manchmal verirrt sich sogar ein Halloumi aus dem Supermarkt darauf. Dazu gibt es Salate - Kartoffelsalat und Krautsalat Edeka-Eigenmarke GUT & GÜNSTIG. Und nicht zu vergessen - die Saucen: Ketchup ist der Klassiker, aber Grillsaucen in allen Fertigvarianten kullern auf der Picknickdecke herum. Wow, welch kulinarische Offenbarung. Was ist bitte so schwer daran, einen Salat und eine Sauce für einen Grillabend vorzubereiten? Eigentlich gar nichts. Wäre da nicht die eigene Faulheit.

Besseres Fleisch und mehr Gemüse auf den Grill

Hinzu kommt der Grill: Einweggrills sind schwer in Mode. Denn sie nehmen keinen Platz im Keller ein, sind überall für wenig Geld zu kaufen und schließlich kinderleicht zu entsorgen. Einfach in den Müll damit. Dabei gibt es durchaus auch kleinere Grills, die man immer wieder benutzen kann und somit auch weniger bis gar keinen Müll verursachen. 

Aber zurück zum Wesentlichen: dem Essen. Und darum geht es beim Grillen im Park doch. Natürlich könnte man sich auch einfach auf ein Glas Wein oder eine Pulle Bier treffen, wenn es ums Zusammensein geht. Aber wer den Grill anwirft, sollte einfach ein Auge darauf haben, was auf dem Rost brutzelt. Und wenn man schon nicht viel Geld für Fleisch aus artgerechter Haltung ausgeben möchte, könnte man sich zumindest an gegrillten Gemüsespießen satt essen. Mit einem selbstgemachten Salat. Und einer selbstgemachten Sauce. Schließlich geht das in anderen Ländern auch - in Argentinien beispielsweise. Dort gibt es Asado - meist Rind, das horizontal über Holzkohle gegrillt wird.


Und beim Grillen kommt es den Argentiniern vor allem auf die Fleischqualität an, denn das Fleisch steht schließlich im Vordergrund. Oder auch in Osteuropa: Dort wird mit wenigen Mitteln, fantastisch gegrillt: Fleisch am Spieß über Holzkohle. Das Fleisch stammt vom Nachbarsbauern. 

Nur der Deutsche achtet wieder darauf, dass es möglichst billig und schnell geht. Obwohl es doch so leicht wäre, etwas mehr Acht zu geben - auf die Grill- und Futterauswahl. Aber es ist halt bequem, das abgepackte marinierte Schweinenackensteak auf den Einweggrill zu packen. Ein Skandal - wie ich finde.


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