So isst Deutschland

22. Februar 2013, 16:01 Uhr

Männer mögen Fleisch, Jugendliche greifen oft zu Fertigkost. Eine Krankenkassen-Umfrage zeigt: Viele Deutsche schaden ihrer Gesundheit durch falsche Ernährung. Oft liegt das an Zeitmangel.

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Eine gesunde Ernährung kann lecker und gesund sein. Viel Fett und Fleisch sollten dann aber nicht auf dem Teller landen.©

Es ist eine unheilige Allianz: Die Lebensmittelindustrie bietet viele Fertigprodukte an - und die Verbraucher greifen immer häufiger darauf zurück. Das zeigt die aktuelle Studie "Iss was, Deutschland?", in der die Techniker Krankenkasse (TK) das Essverhalten der Deutschen untersucht. Demnach kommt bei vier von zehn Bundesbürgern mindestens ein- bis zweimal in der Woche Fertigkost auf den Tisch - von der Tütensuppe, über die Tiefkühlpizza bis zur Fertigsoße. Dabei ist nicht erst seit dem Pferdefleisch-Skandal bekannt, dass in diesen Produkten so allerhand stecken kann, was der Konsument eigentlich besser nicht zu oft auf dem Teller haben sollte - und das muss gar nicht illegal hineingelangen.

So ist in Fertigprodukten oft reichlich Salz enthalten. Auch mit Zusatzstoffen, Geschmacksverstärkern oder Zucker geizen die Hersteller bei den verarbeiteten Lebensmitteln häufig nicht. Vor allem bei jungen Menschen ist die Fertigkost dennoch beliebt: Immerhin 17 Prozent der 18- bis 25-Jährigen greifen drei- bis fünfmal die Woche dazu, schreiben die Autoren der TK-Studie. Neben Bequemlichkeit und Zeitmangel fehle manchmal auch schlichtweg die Kenntnis darüber, wie gesunde Gerichte zubereitet werden.

Für die Studie "Iss was, Deutschland?" hat das Forsa-Institut im Auftrag der TK im Januar dieses Jahres 1000 Erwachsene zu ihrem Essverhalten befragt. Was essen sie wo und wann? Greifen sie selbst zum Kochlöffel? Ist es möglich, sich im Berufsalltag gesund zu ernähren? Und welchen Stellenwert nimmt eine ausgewogene Ernährung ein? Zehn Ergebnisse der Studie im Überblick:

1. Für die Hälfte der Deutschen ist gutes Essen wichtig

Immerhin für die Hälfte der Frauen und Männer, die für die Studie befragt wurde, hat das Essen einen hohen Stellenwert. Sie sind bereit, Zeit und Geld zu investieren. 45 Prozent der Befragten ist es demnach am wichtigsten, dass ein Essen lecker ist. Deutlich weniger, nämlich 35 Prozent, legen Wert auf gesunde Kost. Vor allem Frauen achten darauf, dass Mahlzeiten gesund und kalorienarm sind. Unter den jüngeren beschäftigen sich deutlich weniger mit dem Thema: Nur 23 Prozent der 18- bis 25-Jährigen ist es wichtig, dass sie sich gesund ernähren. Nur jeder Zehnte von ihnen setzt es im Alltag um.

2. Verzicht auf Wurst und Fleisch fällt vielen schwer

Im Schnitt verzehrt die Hälfte der Bevölkerung täglich Wurst oder Fleisch. Je geringer der Bildungsstand und das Einkommen, desto fleischlastiger ist die Ernährung. Vor allem Männern und jüngeren Bundesbürgern falle der Verzicht schwer, heißt es in der Studie.

3. Frauen essen häufiger aus Frust

Frauen sind der Studie zufolge die größeren Frustesser. 40 Prozent werfen bei schlechter Laune ihre Vorsätze über Bord und greifen nach Herzenslust zu. Bei den Männern ist dies nur die Hälfte. Bei Süßigkeiten und Chips liegen Männer und Frauen fast gleichauf: 17 Prozent der Frauen gaben an, täglich ein Stück Schokolade zu essen oder in die Flips-Tüte zu greifen. Bei den Männern waren es 16 Prozent.

4. Wenig Zeit erschwert gesunde Ernährung

An Wissen über eine gesunde Ernährung mangelt es nicht und häufig ist auch der Wille da: Als größte Hürde für eine gesündere Ernährung nennt die Hälfte der Befragten fehlende Zeit und Ruhe. In vielen Fällen ist es aber schlichtweg der "innere Schweinehund", der die guten Vorsätze zunichte macht, wie vier von zehn Befragten zugeben.

5. Essen ist immer häufiger Nebensache

Bei jedem zweiten Bundesbürger verkommt Essen zur Nebensache, so ein Fazit der Umfrage. Die Alltagshektik, die Mobilität und die permanente Medienflut beeinflussen die Esskultur. Bei etwa einem Drittel der Befragten läuft beim Essen der Fernseher oder Computer. Gegessen werde "im Gehen und im Stehen", parallel würden noch die E-Mails gecheckt, klagt TK-Chef Jens Baas. Vor allem jüngere Menschen essen oft mit der Gabel in der einen und dem Smartphone in der anderen Hand. Bei vier von zehn unter 25-Jährigen wird das Essen dadurch völlig nebensächlich, kritisieren die Autoren der Studie.

6. Nur die Hälfte aller Haushalte kocht regelmäßig selbst

In vielen Familien wird nur noch selten selbst gekocht. Nur noch in der Hälfte der Haushalte gibt es täglich eine selbst zubereitete Mahlzeit. In jeder dritten Familie wird immerhin drei- bis fünf Mal pro Woche ein Essen selbst zubereitet. Beim Rest bleibe die Küche meistens kalt.

7. Sich gesund zu ernähren, ist im Arbeitsalltag oft schwer

Wer auch im Arbeitsalltag auf gesunde Ernährung achten will, hat ein Problem: Die guten Vorsätze scheitern oft nicht nur an der begrenzten Auswahl, sondern vor allem am Zeitdruck. Nur jeder Zweite kann in den Arbeitspausen in Ruhe essen. "Ein Drittel aller Berufstätigen beklagt, dass eine gesunde Ernährung bei der Arbeit schlichtweg nicht möglich ist", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Viele Arbeitnehmer essen deshalb im Job nicht viel, dafür aber abends zuhause reichlich.

8. Kosten spielen eine Rolle

Für viele Geringverdiener ist eine gesunde Ernährung auch eine Geldfrage. Für TK-Chef Jens Baas ein auf den ersten paradoxes Ergebnis der Studie: Denn zugleich geben Menschen mit geringem Einkommen an, häufig in Fast-Food-Läden zu gehen. Die schlagen jedoch deutlich mehr zu Buche als eine gesunde Ernährung. "Auch hier wird deutlich: Gesunde Ernährung hat sehr viel mit Bewusstsein zu tun", so Baas.

9. Unverträglichkeiten und Allergien nehmen zu

Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien nehmen zu: Zumindest geben 17 Prozent der Befragten an, dass sie davon betroffen sind. Der Anstieg sei auf veränderte Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen, heißt es in der Studie. Ein weiterer Grund dürfte aber auch sein, dass das Bewusstsein für die Problematik gestiegen ist.

10. Jeder zweite Deutsche ist mit seinem Gewicht unzufrieden

Wie die Umfrage ergeben hat, ist jeder Zweite mit seiner Figur unzufrieden. Jede zweite Frau und jeder vierte Mann hätten daher schon einmal versucht, mit einer kurzfristigen Diät abzunehmen, viele von ihnen auch mehrfach. Über die Hälfte hat jedoch den sogenannten Jo-Jo-Effekt erlebt. Deutlich erfolgreicher sei eine dauerhafte Ernährungsumstellung, schreiben die Autoren der TK-Studie. Sechs von zehn Befragten konnten ihr Gewicht so dauerhaft reduzieren.

lea/AFP
 
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