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In der Pillen-Falle

Wer zu oft Tabletten gegen Kopfschmerzen schluckt, kann genau deswegen noch mehr Schmerzen bekommen. Das klingt paradox - ist aber traurigerweise wahr. Immer mehr Menschen geraten so in einen Teufelskreis: Sie werden abhängig von den Medikamenten.

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Tabletten: Wo liegt die Grenze zwischen gut und gefährlich?© Philipp Gülland

Wenn der Schädel brummt, greifen viele Betroffene erst einmal zur Selbsthilfe. Es gibt ja genug Mittel aus der Apotheke. Das ist in Ordnung. Doch etwa ein Prozent der Deutschen nimmt täglich Tabletten gegen den Schmerz, teilweise bis zu zehn Stück. Dann wird es gefährlich. "Geschieht das regelmäßig über einen längeren Zeitraum", sagt Hartmut Göbel, Schmerzexperte aus Kiel, "besteht die Gefahr, dass die Kopfschmerzen durch den Arzneimittel-Missbrauch verstärkt werden. Im schlimmsten Fall entstehen chronische Dauerkopfschmerzen."

Wie viele Pillen sind noch in Ordnung?

Die meisten Fachleute meinen: Wer in einem Monat an zehn Tagen oder mehr durchgängig Schmerzmittel einnimmt, ist in Gefahr. Und zwar unabhängig von der verwendeten Anzahl der Tabletten oder deren Dosierung. Dann können sich Kopfschmerzen entwickeln, deren Ursache die Medikamente selbst sind: so genannte Schmerzmittel-bedingte Kopfschmerzen oder Medikamenten-induzierte Kopfschmerzen.

In Prinzip kann jedes Schmerzmittel Kopfschmerzen verursachen, wenn Sie es zu häufig einnehmen. Noch bedenklicher wird es, wenn Sie gleichzeitig noch andere Medikamente verwenden, die auf die Nervenzellen des Gehirns einwirken, wie zum Beispiel Beruhigungsmittel oder Schlaftabletten.

Wie bei einer Sucht gewöhnt sich das Gehirn an die Substanz

Durch Arzneimittel verursachte Kopfschmerzen entstehen, weil zwei Faktoren fatal zusammen wirken:

  • die permanente Angst der Betroffenen vor der nächsten Schmerzattacke und
  • die biologischen Veränderungen in jenem Teil des Nervensystems, der Schmerzreize verarbeitet.

Setzen die Gequälten die Schmerzmittel ab, stellt sich Kopfschmerz ein. Schnell nehmen sie erneut Medikamente, aus Angst vor der Pein. Gleichzeitig wirken die Präparate immer schlechter, weil sich die körpereigenen Schmerzregler schon auf die chemischen Substanzen eingestellt haben. Die Folge: Die Betroffenen erhöhen die Dosis - aber auch daran gewöhnt sich der Körper. Dieses Phänomen ist von Medikamenten-Abhängigen und Drogensüchtigen hinlänglich bekannt.

Entzug ist der einzig verbleibende Ausweg

Es gibt nur einen Ausweg, der Aussicht auf Erfolg hat: der Entzug. Sie sollten die Schmerzmittel radikal absetzen und eine Pause von zwei bis acht Wochen durchstehen. Das können Sie sowohl ambulant als auch in einer Klinik machen. Weil Sie unter massiven Entzugserscheinungen leiden könnten, empfehlen Experten, unter ärztlicher Aufsicht zu pausieren. Wenn Sie den Entzug zu Hause machen, dann sollten sie sich von spezialisierten Schmerz-Therapeuten beraten lassen. Oder Sie suchen eine spezialisierte Kopfschmerz-Klinik auf.

Zu den Entzugserscheinungen zählen unter anderen starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Schwindelgefühle, Herzrasen und Halluzinationen.

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