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Return to Gender

Zweite Teile sind immer scheiße - "Der Pate" natürlich ausgenommen. Dieselben Hauptdarsteller, dieselbe Story, dieselben Gags. Insofern war die gestrige Runde "Hart aber fair" so etwas wie das "Hangover 2" unter den Talkshows.

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Sophia Thomalla

Ob Mann oder Frau - wer weiß es genau?

Montagabend, 21 Uhr im Ersten Deutschen Fernsehen. Während auf RTL Fußball gespielt wird (Männer, nicht Frauen!), trifft man sich bei der ARD noch einmal, um über das Gender-Mainstreaming zu diskutieren. Das hat man im März zwar schon erschöpfend, also, sehr erschöpfend getan. Die Sendung wurde allerdings vorübergehend aus der WDR-Mediathek entfernt.

Nicht etwa, weil der anwesende Wolfgang Kubicki gedopt war, nein: Frauenverbände und Gleichstellungsbeauftragte beschwerten sich über die mangelnde Seriosität der Show. Was tatsächlich erst zu einer Löschung führte (wo waren die eigentlich immer bei Jauch?) und später zu einer Renaissance in eben dieser Mediathek.

Mangelnde Seriosität? Eigentlich unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass immerhin auch jemand wie Sophia Thomalla anwesend war. Das schöne Gesicht der lustbegabten, modernen Vollblutfrau. Oder zumindest das von Lidl. Ist ja auch was. Vielleicht hatte beim ersten Mal auch nur die Netzfeministin Anne Wizorek so schlecht performt, dass ein Wiederholungsspiel nötig war. Wer vermag das schon zu sagen.

Nun sind sie also wieder da: Sophia Thomalla (immerhin ohne Frauenquote bei RTL "Dancing Star" geworden!), Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter (macht privat gerne selbst Pralinen - is' das nix?), Autorin und Feministinnen-Nemesis Birgit Kelle, eben diese Anne Wizorek und Deutschlands beliebtester Talkshow-Nomade Wolfgang Kubicki.

Der ist vermutlich eh nur deshalb gekommen, weil die Thomalla ihn beim letzten Mal schon so scharf fand, dass sie drauf und dran war, sich sein Gesicht auf den Unterarm zu tätowieren. Hotelbar, ick hör dir gluckern.

Feminismus-Cyborg mit Löschtaste

Bei "Hangover 2" ergänzte ein lustiges Äffchen das Ensemble. Soviel Glück ist dem Zuschauer der Show nicht beschieden. Stattdessen sitzt als Neuzugang eine Kritikerin der Sendung, ach was, die Fleisch gewordene Löschtaste mit im Panel: Sybille Mattfeld-Kloth, eine Art Feminismus-Cyborg, der als Entwurf noch bei Loriot in der Schublade gelegen haben muss.

Die diskutiert umgehend mit dem ebenfalls eingeladenen WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn über die Gründe, den Sinn und den Unsinn der Löschaktion. Sie pocht aufs Grundgesetz und feminisiert so hinreißend klischeehaft vor sich hin, dass ich jeden Moment auf den Latino-Klempner warte, der plötzlich durch eine Tür ins Studio kommt und sie auf dem Arm aus dem Studio trägt. Boulevardtheater at its best. So kann man die erste halbe Stunde auch füllen.

Davon ab: Warum lässt man eigentlich eine Show löschen, die - Zitat - ohnehin "ungewöhnlich wenige Menschen angeklickt haben"? Erster Teilerfolg in Sachen Gleichstellung: Frau Mattfeld-Kloth hat mehr Testosteron als Hofreiter und Plasberg zusammen. Sophia Thomalla (laut Internet "gefügig und dienstbar") sieht wirklich sehr gut aus. Selbstbestimmung bedeutet offensichtlich auch, dass man sich nicht zwingen lassen muss, in jeder Show etwas vom Werbepartner zu tragen.

Die Kurzzeitdiskussion, ob sie für die Information einen Mehrwert darstellt, ist mir mindestens genauso egal wie Kubicki. Die Frau hat dafür gesorgt, dass der Typ von Rammstein plötzlich Gedichte schreibt! Was wollt ihr denn noch?!

Schönenborn ist da schon längst wieder weg. Ihm ist eingefallen, dass er noch ein Tortendiagramm im Backofen hat und er schnell los muss. Der Frauenanteil im Studio steigt. Ein kleiner Sieg für den Feminismus.

Mattfeld-Kloth leistet sich derweil die Ungeheuerlichkeit, Plasbergs schöne Show als "Unterhaltungssendung" zu bezeichnen. Diverse Redakteure dürften spätestens jetzt akuten Stresschweiß gekriegt haben, beim Gedanken daran, dass der Alte morgen in die Firma kommt. "Hart aber fair" ist schließlich die gottverdammtnochmal seriöseste Talkshow Deutschlands, verfickte Scheiße!

Worum ging's noch gleich? Ach, ja! Gender Mainstreaming. Ein kleines Filmchen preist dessen Errungenschaften. Zum Beispiel Nachttaxen für Damen oder künstliche Knieprothesen für Frauen. Ob speziell letztere nicht doch eher der Forschung zuzuschreiben sind - niemand am Tisch vermag das so recht zu klären.

Die Frauenquote wird diskutiert. Sophia Thomalla riecht bestimmt sehr gut. Wo waren die jetzt? Ach, ja. Spült die Frauenquote jetzt Versagerinnen mit xx- Chromosom in die Posten, ja oder nein? Im Saal wird leidenschaftlich diskutiert. Selbstredend ergebnislos.

Ja, und was ist mit Merkel? Steht die nicht längst für den Siegeszug der modernen Frau im Berufsleben? "Eine Kanzlerin macht noch keinen Sommer für Frauen", befindet Feminatrix Heckler-Koch, während Netzfeministin Wizorek beklagt, dass Erzieherinnen sehr schlecht verdienen, aber alle nur über die Lokführer sprechen. Was das mit diesem Gender-Dings zu tun hat, ist mir nicht ganz klar. Stattdessen fordert Birgit Kelle Betreuungsgeld. 

Wo bleibt der "wunderbare Neger"?

Ein "wunderbarer Neger" würde dem Spiel gut tun. Die Sendung verliert mich jetzt vollends. Ich bin in einem Matriarchat groß geworden. Mit Mutter und Omma. Zeit meiner Festanstellung hatte ich nur Chefinnen. Abteilungsleiterinnen. Geschäftsführerinnen. In einem Bundesland mit einer Ministerpräsidentin. Regiert von einer Bundeskanzlerin. Meine Instruktionen waren immer Imperativinnen.

Es fällt mir schwer, so zu tun, als sei mir die Dringlichkeit einer Frauenquote permanent aufgedrängt worden. Dass alle Männer und Frauen gleich bezahlt werden sollten, versteht sich ohnehin von selbst. Oder? Oder nicht?

Die Abteilungsleiterin hat sich übrigens damals immer darüber amüsiert, dass man die Geschäftsführerin nur für ihre schicken Schuhe loben müsse, wenn man eine Sache durchdrücken wolle. Natürlich ein geradezu unerträglicher Macho-Spruch. Von der Abteilungsleiterin.

Die Show ist zu Ende, und mir ist klarer denn je: Man hätte das Ding einfach nie löschen dürfen und viel weniger noch: Diesen Nonsens wiederholen. Aus drei ganz simplen Gründen:

Der Erkenntnisgewinn ist gleich null. Außer vielleicht, dass es uns allen echt verdammt gut gehen muss.

Kubicki hat völlig recht, wenn er sagt: "Wenn eine Kritik an der Sendung war, dass unseriöse Menschen eingeladen wurden, dann frage ich mich, warum wir wieder hier sitzen."

Und am wichtigsten: Ich hätte zeitgleich das Länderspiel bei RTL gucken können, anstatt mir diesen Scheiß anzusehen.

Danke, stern!

Danke, liebe Rundfunkanstaltinnen Deutschlands. 

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