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8. Mai 2007, 12:23 Uhr

"Einen Sieg kann man nicht voraussagen"

Am Samstag wird er Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten. Im Interview mit stern.de verrät Roger Cicero seine Strategie für Helsinki - und lüftet das Geheimnis, was sich unter seinem Hut befindet.

Roger Cicero

Mit seiner Mischung aus eingängigem Swing und deutschen Texten hat sich Roger Cicero (36) sein Ticket nach Helsinki erspielt© Reuters

Das Finale im Eurovision Song Contest steht bevor, spüren Sie schon die Spannung?

Noch nicht. Ich werde meistens erst kurz davor so richtig aufgeregt. Wenn es noch ein paar Tage hin ist, merk ich noch nichts von Aufregung.

Haben Sie sich denn schon ein wenig mit der Grand-Prix-Geschichte befasst und geschaut, wie die deutschen Teilnehmer in den letzten Jahren abgeschnitten haben?

Das weiß ich ja schon. Ich weiß von den Erfolgen, aber auch von den Debakeln (lacht).

Spüren Sie die Verantwortung, ein ganzes Land zu vertreten?

Na klar. Das ist ja nun mal so. Aber auf der anderen Seite ist das ja keine Bundestagswahl, wo wirklich das ganze Land dahintersteht. Es ist ein relativ kleiner Kreis gewesen, der mich ausgewählt hat. Aber im Nachhinein hält sich keiner mit Meinungen über den deutschen Kandidaten zurück.

Stimmt. Da gibt es zum Beispiel diesen britischen Schriftsteller, Tim Moore, der sagt über Sie: "Ein Kandidat für ein Null-Punkte-Debakel". Verunsichert Sie so etwas?

Ich hab den Namen ehrlich gesagt noch nie gehört. Ich weiß gar nicht, wer das ist.

Tim Moore hat ein Buch über die Teilnehmer geschrieben, die in der Geschichte des Grand Prix null Punkte erhalten haben.

So eine präzise Voraussage ist völliger Quatsch. Einen letzten Platz kann man genauso wenig voraussagen wie einen Sieg. Ich halte das für totalen Unfug. Aber aufgrund der extremen Aussage wird das jetzt natürlich überall aufgegriffen.

Aber die Frage ist ja schon berechtigt: Ist Europa reif für deutschsprachigen Swing?

Das wird sich rausstellen. Ich werde - das ist jetzt schon klar - etwas mischen: Die Strophen und den ersten Refrain werde ich auf Deutsch singen und den letzten Refrain auf Englisch.

Sie starten im Finale auf Platz 16. Der NDR durfte sich diesen Startplatz aussuchen.

Ich hätte das auch so gemacht. Der 16. Platz ist ja die goldene Mitte bei 24 Teilnehmern: das letzte Ende vom zweiten Drittel. In Musikstücken und Theaterstücken soll genau da der Höhepunkt sein. Da sind die Leute am aufmerksamsten. Es gibt sehr viele Komponisten, die sich danach richten.

Die meisten Beobachter hatten fest damit gerechnet, dass Monrose den Vorentscheid gewinnen - einfach weil sie über eine so große Anhängerschaft verfügen. Doch in Ihren Interviews waren Sie im Vorfeld immer siegesgewiss. Woher kam diese Zuversicht?

Ich bin nie davon ausgegangen, dass ich hundertprozentig gewinne. Aber ich dachte, dass es eine knappe Entscheidung wird. Es gab ein paar Faktoren, die für mich sprachen. Ich war ja den ganzen Januar und Februar noch auf Tour und habe mein Publikum entsprechend mobilisiert. Um Monrose war kurz nach ihrem Sieg bei "Popstars" letztes Jahr im November ein unfassbarer Hype entstanden - der aber zum Zeitpunkt des Vorentscheids schon langsam wieder abgeflaut war.

Ein Garant für den Sieg war sicher auch der Erfolg Ihres letzten Albums. Darauf haben Sie etwas ganz Neues gemacht, nämlich Swing in deutscher Sprache. Die Songs stammen aus der Feder von Frank Ramond und Matthias Haß. Wie viel Roger Cicero steckt in den Texten?

Ich kann natürlich nicht irgendetwas singen, mit dem ich mich überhaupt nicht identifiziere. Insofern steckt in jedem Text auch was von mir, in unterschiedlichen Intensitäten. Aber wir haben ja nicht den Anspruch, Tagebücher zu vertonen, sondern zu unterhalten. Und das sind sehr lustige Texte mit einem großen Augenzwinkern.

Zur Person: Roger Cicero, 36, ist der Sohn des 1997 verstorbenen Jazzpianisten Eugen Cicero. Schon früh entdeckte er sein Herz für die Musik, mit 16 hatte er mit dem RIAS-Tanzorchester unter Leitung von Horst Jankowski seinen ersten Fernsehauftritt. Nach dem Musikstudium in Hilversum spielte er in wechselnden Formationen. Der Durchbruch gelang ihm 2006 mit dem Album "Männersachen". Die Songs stammen aus der Feder von Matthias Haß und Frank Ramond, die auch schon Annett Louisan zum Star gemacht haben. Den deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2007 gewann Cicero mit deutlichem Abstand vor seinen Konkurrenten Monrose und Heinz Rudolf Kunze.

Mehr über den Künstler auf seiner Homepage www.rogercicero.de

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