Am Samstag wird er Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten. Im Interview mit stern.de verrät Roger Cicero seine Strategie für Helsinki - und lüftet das Geheimnis, was sich unter seinem Hut befindet.

Mit seiner Mischung aus eingängigem Swing und deutschen Texten hat sich Roger Cicero (36) sein Ticket nach Helsinki erspielt© Reuters
Noch nicht. Ich werde meistens erst kurz davor so richtig aufgeregt. Wenn es noch ein paar Tage hin ist, merk ich noch nichts von Aufregung.
Das weiß ich ja schon. Ich weiß von den Erfolgen, aber auch von den Debakeln (lacht).
Na klar. Das ist ja nun mal so. Aber auf der anderen Seite ist das ja keine Bundestagswahl, wo wirklich das ganze Land dahintersteht. Es ist ein relativ kleiner Kreis gewesen, der mich ausgewählt hat. Aber im Nachhinein hält sich keiner mit Meinungen über den deutschen Kandidaten zurück.
Ich hab den Namen ehrlich gesagt noch nie gehört. Ich weiß gar nicht, wer das ist.
So eine präzise Voraussage ist völliger Quatsch. Einen letzten Platz kann man genauso wenig voraussagen wie einen Sieg. Ich halte das für totalen Unfug. Aber aufgrund der extremen Aussage wird das jetzt natürlich überall aufgegriffen.
Das wird sich rausstellen. Ich werde - das ist jetzt schon klar - etwas mischen: Die Strophen und den ersten Refrain werde ich auf Deutsch singen und den letzten Refrain auf Englisch.
Ich hätte das auch so gemacht. Der 16. Platz ist ja die goldene Mitte bei 24 Teilnehmern: das letzte Ende vom zweiten Drittel. In Musikstücken und Theaterstücken soll genau da der Höhepunkt sein. Da sind die Leute am aufmerksamsten. Es gibt sehr viele Komponisten, die sich danach richten.
Ich bin nie davon ausgegangen, dass ich hundertprozentig gewinne. Aber ich dachte, dass es eine knappe Entscheidung wird. Es gab ein paar Faktoren, die für mich sprachen. Ich war ja den ganzen Januar und Februar noch auf Tour und habe mein Publikum entsprechend mobilisiert. Um Monrose war kurz nach ihrem Sieg bei "Popstars" letztes Jahr im November ein unfassbarer Hype entstanden - der aber zum Zeitpunkt des Vorentscheids schon langsam wieder abgeflaut war.
Ich kann natürlich nicht irgendetwas singen, mit dem ich mich überhaupt nicht identifiziere. Insofern steckt in jedem Text auch was von mir, in unterschiedlichen Intensitäten. Aber wir haben ja nicht den Anspruch, Tagebücher zu vertonen, sondern zu unterhalten. Und das sind sehr lustige Texte mit einem großen Augenzwinkern.
Zur Person: Roger Cicero, 36, ist der Sohn des 1997 verstorbenen Jazzpianisten Eugen Cicero. Schon früh entdeckte er sein Herz für die Musik, mit 16 hatte er mit dem RIAS-Tanzorchester unter Leitung von Horst Jankowski seinen ersten Fernsehauftritt. Nach dem Musikstudium in Hilversum spielte er in wechselnden Formationen. Der Durchbruch gelang ihm 2006 mit dem Album "Männersachen". Die Songs stammen aus der Feder von Matthias Haß und Frank Ramond, die auch schon Annett Louisan zum Star gemacht haben. Den deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2007 gewann Cicero mit deutlichem Abstand vor seinen Konkurrenten Monrose und Heinz Rudolf Kunze.
Mehr über den Künstler auf seiner Homepage www.rogercicero.de