Ein bisschen Raab muss sein

23. November 2012, 06:00 Uhr

Castingshow ade: Der NDR hat Details zum deutschen Vorentscheid 2013 bekannt gegeben. Vor 11.000 Zuschauern werden in Hannover "renommierte" Sänger antreten. Auch Stefan Raab mischt wieder mit. Von Jens Maier

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Eurovision Song Contest, Grand Prix, Vorentscheid, Hannover, TUI-Arena, Stefan Raab

Inzwischen neben Ralph Siegel zum Mister Grand Prix aufgestiegen: Stefan Raab©

Ralph Siegel und No Angels raus, junge und unverbrauchte Gesichter rein: 2010 revolutioniert Stefan Raab den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. Er wird zum Erlöser aller leidgeprüften Grand-Prix-Fans und bewahrt den zuvor glücklos agierenden NDR nicht nur vor einem weiteren Debakel, sondern liefert mit Lena Meyer-Landrut auch noch gleich die Siegerin. Eine Sensation. Nur zwei Jahre später, im Frühjahr 2012, zeigt das Konzept jedoch Abnutzungserscheinungen. Die Quoten von "Unser Star für Baku" sind mau, die Show langweilig. Als Konsequenz legt der NDR die Zusammenarbeit mit ProSieben auf Eis. Doch wer spekulierte, damit sei auch für Raab Schluss, hat sich geirrt. Der Erlöser mischt weiter mit.

Der NDR und Raabs Firma Brainpool arbeiten auch beim deutschen Vorentscheid 2013 zusammen. Details dazu hat der Sender am Freitagmorgen bekannt gegeben. Für die neue Show wird das Konzept komplett überarbeitet. Statt acht Sendungen wird es nur noch eine geben, statt Castingshow-Kandidaten wird eine Mischung aus Nachwuchs- und etablierten Künstlern auf der Bühne stehen. "Eurovision Song Contest 2013 - Unser Song für Malmö“ heißt die zweistündige Show, die am 14. Februar 2013 in der TUI-Arena in Hannover stattfinden und die live in der ARD zu sehen sein wird. Jeder der acht bis zwölf Teilnehmer wird einen für den Wettbewerb komponierten Song präsentieren. "Wir wollen ein Schaufenster für zeitgenössische Popmusik und für junge Talente sein", sagte NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber zu stern.de über das neue Konzept. Er verspricht sowohl "Senkrechtstarter" als auch "renommierte Namen". Welche das genau sein werden, soll erst in einigen Wochen bekannt gegeben werden. "Dafür brauchen wir noch Zeit."

Raab wird im Hintergrund agieren

Die Idee, etablierte und neue Künstler für den Vorentscheid zu gewinnen, ist nicht neu. Mit Schaudern erinnern sich Grand-Prix-Fans an die Zeiten zurück, in denen Thomas Anders, Marquess oder Gracia auf der Bühne des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg um ein ESC-Ticket wetteiferten. Doch ein Weg zurück soll der neue Vorentscheid auf keinen Fall sein. Im Gegenteil. Um junge Zuschauer für den Wettbewerb zu begeistern, sollen Namen her. Solche, die auch auf dem Schulhof cool sind. Für die richtige Auswahl verlässt sich der NDR auch im kommenden Jahr auf die Expertise von Stefan Raab. Seine Firma Brainpool wird die Show zusammen mit dem NDR produzieren.

Raabs Rolle? Moderieren wird er nicht. Vorstellbar wäre, dass der ehemalige "Jurypräsident" wieder auf der Jurybank Platz nimmt. Das wird bei Brainpool jedoch dementiert. Es heißt, der Lena-Entdecker halte sich komplett aus den Vorbereitungen zum Vorentscheid heraus. Allerdings hatte sich Raab schon einmal vom ESC verabschiedet, um dann doch wieder in der Jury in Erscheinung zu treten. Dank ihm werden durch den ESC Karrieren wieder gefördert, nicht vernichtet. Dass die Früchte dieser Arbeit nun andere ernten, wird für einen ehrgeizigen Typen wie Raab vermutlich nur schwer zu ertragen sein.

Das Ziel des neu gestalteten Wettbewerbs ist klar: Die nächste Generation von Künstlern wie Frida Gold, Tim Bendzko oder Kraftklub sollen sich für Deutschland beim Eurovision Song Contest engagieren. Noch vor drei Jahren wäre dies für viele Künstler undenkbar gewesen. Zu groß schien die Gefahr, bereits beim Vorentscheid zu scheitern oder vom Eurovision Song Contest mit einer schlechten Platzierung heimzukehren und damit fortan den Makel des Versagers zu tragen. Statt Halde für alternde Stars - wie in der Vor-Raab-Ära - soll der Vorentscheid eine Bühne für die neue Avantgarde der deutschen Musikszene sein. Ob das gelingt, muss letztlich die Teilnehmerliste zeigen.

Neues Konzept macht Bands und Duos wieder möglich

Das größte Manko des bisherigen Vorentscheids ist behoben. Statt auf die Entdeckung starker Solokünstler angewiesen zu sein, ist der Wettbewerb wieder offen für Bands und Gesangsduos. Eine wichtige Neuerung, um dem Publikum ein möglichst breites Spektrum an Showacts zeigen zu können und die Sendung damit unterhaltsamer zu machen. Für zusätzliche Spannung könnte auch der neue Abstimmungsmodus sorgen. Wer für Deutschland nach Malmö fährt, entscheiden nicht mehr nur die Fernsehzuschauer per Telefon oder SMS. Zu je einem Drittel werden auch die Radiohörer der jungen Wellen der ARD, die eine Woche zuvor im Internet ihre Stimme abgeben können, und eine Jury aus "bekannten Unterhaltungs- und Musikexperten" eingebunden. Ähnliche mehrteilige Verfahren haben sich bereits in Ländern wie Schweden erfolgreich bewährt.

Ob der Vorentscheid ein Erfolg wird oder nicht, hängt am Ende aber nicht nur von der Auswahl der Teilnehmer und Songs ab. Entscheidend ist auch die Moderation. Langweilen mit Pilawa oder uncool sein mit Silbereisen - die Optionen der Kandidaten aus dem ARD-Personal klingen wenig verheißungsvoll. Der NDR will sich zur Frage der Moderation erst später äußern, was als gutes Zeichen dafür gewertet werden kann, dass auf eine interne Besetzung verzichtet wird. Wie es aus Senderkreisen heißt, steht der NDR in Verhandlungen mit Anke Engelke. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür zwar nicht, doch die 46-Jährige gilt als Wunschkandidatin. Engelke hat bereits den Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf moderiert und damals viel Lob, auch aus dem Ausland, erhalten. Sie steht auch bei den Grand-Prix-Fans hoch im Kurs, die auf Facebook die Initiative "Wir wollen Anke" gegründet haben.

Eine Party für die Fans

Für die Fans soll der Abend des 14. Februar eine große Party werden. 11.000 Zuschauer passen in die Arena in Hannover. Damit nimmt der deutsche Vorentscheid ESC-Dimensionen an. Zum Vergleich: Im Finale im Mai in Malmö werden zirka 12.0000 Menschen in die Halle passen. "Wir wollen mit der Musik direkt zu den Fans - deshalb gehen wir raus aus dem Fernsehstudio in eine große Konzerthalle", sagt Schreiber. Angst, dass die Reihen bei Ticketpreisen zwischen 19,90 Euro und 36,90 Euro leer bleiben könnten, hat er nicht. Das Publikum in Hannover gelte als eines der besten in Deutschland. "Und nicht zu vergessen: Die Stadt hat uns beim ESC als Lenas Heimat schon einmal großes Glück gebracht."

Bei den Fans weckt der Austragungsort allerdings noch andere Erinnerungen. 2001 fand in der damals noch Preussag Arena genannten Halle schon einmal ein Vorentscheid statt, der als einer der denkwürdigsten Momente in die deutsche Grand-Prix-Geschichte einging. An diesem Abend wetteiferten Michelle, Ralph Siegel, Rudolph Moshammer und Zlatko Trpkovski um den Sieg. Der kurzzeitig als Big-Brother-Bewohner zu Ruhm gelangte KFZ-Mechaniker wird für seinen miserablen Auftritt vom Publikum gnadenlos ausgebuht und raunzt beim Abgang ins Mikrofon: "Vielen herzlichen Dank, ihr Fotzköpfe." Im Vergleich dazu kann es 2013 in Hannover nur bergauf gehen. Egal mit welchen Künstlern, welchen Songs und welcher Moderatorin.

 
 
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