Michael Moore rettet Oscar-Kandidaten vor Polizeischikane

21. Februar 2013, 08:49 Uhr

Emad Burnat ist der erste palästinensische Regisseur, der für einen Oscar nominiert wurde. Doch die Einreise in die USA wurde für Burnat und seine Familie zur Tortur. Von Frank Siering, Los Angeles

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Emad Burnat zeigte beim Verhör seine Einladung zur Oscar-Verleihung, doch die Grenzbeamten glaubten ihm nicht.©

Eigentlich wollte Emad Burnat nur in die USA einreisen, um die 85. Oscar-Verleihung an diesem Sonntag zu besuchen. Der aus Palästina stammende Regisseur ist mit seinem Dokumentarfilm "5 Broken Cameras" für den begehrtesten Filmpreis der Welt nominiert.

Gemeinsam mit seiner Frau Soraya und seinem achtjährigen Sohn Gibreel landete er mit einem Flieger aus der Türkei am Flughafen von Los Angeles. Dass er beim Zeigen des Passes direkt in ein Verhörzimmer verfrachtet wurde, damit hatte der Filmemacher nicht gerechnet. Stundenlang saß die Familie isoliert in einem Wartezimmer, durfte nach Aussagen des Regisseurs kein Handy benutzen und musste sich den Fragen der Polizei stellen.

Burnat sagte, dass die Grenzbeamten ihm nicht glauben wollten, dass er für einen Oscar nominiert sei und deshalb in die USA einreisen wolle. "Als mein Sohn mich fragte, was los sei, sagte ich ihm die Wahrheit: Wir müssen vielleicht wieder zurück", so Burnat in einer Stellungnahme.

"Behandelt wie ein Terrorist"

Als Burnat als Beweis eine E-Mail der Oscar-Academy und seine Hotelreservierung präsentieren wollte, schüttelten die Beamten die Köpfe. Auch seinen Wunsch, dem befreundeten Regisseur Michael Moore eine SMS zu schicken, lehnten die Beamten ab. Stattdessen wurde Burnat aufgefordert, sein Handy abzugeben.

Die Vorfälle am Flughafen LAX machten schnell die Runde. "Unglaublich", titelte die "Huffington Post". "Behandelt wie ein Terrorist und eine Bedrohung gegen die Staatsmacht", echauffierte sich die "Los Angeles Times". "So behandelt man keine Gäste", schrieb "USA Today".

Als Verschwörungsfanatiker Michael Moore von dem Zwischenfall hörte, löste er sogleich einen wahren Twitter-Sturm aus, nachdem er die Oscar-Academy und seine Rechtsanwälte eingeschaltet hatte. Moore dokumentierte detailliert, was sich am Flughafen von Los Angeles abgespielt haben soll. "Obwohl er (Burnat) eine Oscar-Einladung vorzeigte, wurde ihm angedroht, zurück nach Palästina reisen zu müssen", schrieb der 58-Jährige. Moore weiter: "Die Grenzbeamten konnten offensichtlich nicht begreifen, dass ein Palästinenser für einen Oscar nominiert sein kann."

Nach anderthalb Stunden und auf Drängen von Moores Anwälten sei Burnat mit seiner Frau und seinem Sohn schließlich "freigelassen" worden. Moore twitterte: "Ihm wurde gesagt, er könne eine Woche in Los Angeles bleiben und die Oscars besuchen. Willkommen in Amerika." Die Einwanderungsbehörde gab später zu Protokoll, dass der nominierte Filmemacher in seinen Ausführungen "arg übertrieben" habe und "nur 25 Minuten nach der Einreise" befragt worden sei.

Erste Oscarnominierung für Palästinenser

Burnat, ein gelernter Landwirt, der sich dem Filmemachen angenommen hat, ist der erste palästinensische Regisseur, der jemals für einen Oscar nominiert worden ist. Nach der Tortur in den Katakomben am Flughafen von Los Angeles gab er eine Erklärung ab. "Gestern Abend war eine sehr unschöne Erfahrung für mich und meine Familie. Aber jeden Tag blockieren mehr als 500 Israelis die Bewegungen in unserem Land. Was wir gestern durchgemacht haben ist minimal im Vergleich zu dem, was mein Volk jeden Tag erleiden muss."

Michael Moore, in der Filmwelt als einer bekannt, der gern seine eigenen Erfolge in den Vordergrund rückt, beendete seinen Twitter-Shitstorm mit einem Eigenlob: "Er (Burnat) war sich sicher, dass sie ihn deportieren wollten. Aber nicht, wenn ich etwas damit zu tun habe!" so Moore.

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