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28. März 2007, 13:57 Uhr

Ex-Ausbilder gesteht Stromschläge

Im Prozess um die Misshandlung von Bundeswehr-Rekruten hat einer der angeklagten früheren Ausbilder zugegeben, einem Soldaten einen Stromschlag versetzt zu haben. Doch damit nicht genug: Er zog dem Rekrut die Hose runter.

Drei Angeklagte in Uniform betreten das Landgericht Münster© Friso Gentsch/DPA

"Es war die größte Dummheit meines Lebens", sagte der vom Dienst suspendierte ehemalige Oberfeldwebel vor dem Landgericht Münster. Er habe einem Rekruten zwei Kabel eines Stromerzeugers für ein Feldtelefon an die Wade gehalten, ein anderer Soldat habe dann den Strom langsam aufgedreht. Geschehen sei dies während eines Verhörs nach einer simulierten Geiselnahme im Keller der Kaserne in Coesfeld.

Er habe sich seine Karriere bei der Bundeswehr zerstört, sagte der Angeklagte. Vor der Tat hatte er beantragt, Berufssoldat zu werden. Nach Bekanntwerden der Vorfälle wurde dies abgelehnt.

Mit herunter gelassener Hose

Er selbst habe seine Finger an die Kabel gehalten, um den Schlag spüren zu können. Der Rekrut habe "Ui" gemacht und sei leicht zusammengezuckt. Nach einem Stromschlag sei das Verhör beendet worden. Während der Befragung seien die Hosen des Rekruten herunter gelassen gewesen, damit dieser nicht nach den Ausbildern treten konnte. Mehrere Rekruten seien mit einer Kübelspritze nass gespritzt worden, der Schlauch sei aber niemandem in den Mund gehalten worden. Die Zugführer seien bei den Verhören nicht dabei gewesen.

Wie der Stromerzeuger in den Keller kam, konnte sich der Angeklagte nicht erklären. Der Richter spielte die Szene im Gerichtssaal mit dem Originalgerät nach und verglich den Stromschlag anschließend mit einem "Griff an einen Weidezaun".

18 Ausbilder stehen vor Gericht

Bei dem Prozess in Münster müssen sich 18 frühere Ausbilder des Instandsetzungsbataillons 7 aus der Coesfelder Freiherr-vom-Stein- Kaserne wegen Misshandlung Untergebener verantworten.

In der vergangenen Woche hatte ein Angeklagter zugegeben, während einer Befragung in einer Sandgrube sei Rekruten der Mund geöffnet und Wasser mit einer Kübelspritze hineingespritzt worden. Manchen sei die Nase zugehalten worden. Wasser sei auch in Hosen und Nacken gepumpt worden. Beide Zugführer seien in der Nähe gewesen. Einer habe ihm "wohlwollend zugeredet". Die Zugführer hatten zum Prozessauftakt ausgesagt, sie hätten nie Misshandlungen gesehen. Der Kompaniechef hatte gesagt, er habe die Übung zwar geplant, aber nie etwas gesehen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Malt (28.03.2007, 16:54 Uhr)
Sprichwort
Ein Sprichwort, das sich in meiner BW Zeit mehr als einmal bewahrheitet hat, war: Uffze, StUffze, Oberfeld: Zivil versagt, beim Bund ein Held.
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Warum, und das konnte mir bisher noch niemand beantworten, müssen Wehrpflichtige auf eine Geiselnahme vorbereitet werden? Soweit ich weis, und es auch noch aus eigener Erfahrung kenne, können Wehrpflichtige nur aus freien Stücken für einen Auslandseinsatz herangezogen werden. Und falls dies der Fall ist, wird sowieso noch die Kontingentausbildung durchlaufen (Ich war selbst Ausbilder für Reservisten, die freiwillig in den Auslandseinsatz gegangen sind).
Und selbst da war eine Geiselhaft nie Teil der Ausbildung. Abgesehen davon, in wie fern ein Geiseltraining unter den Voraussetzungen, wie Sie da vorzufinden waren, überhaupt sinnvoll ist (die Einzigen, die das meines Wissens nach überhaupt in der BW trainieren, sind die KSK Leute.... und da kann ich das auch verstehen, und da isses sicher nicht mit nem Feldtelefon getan.)
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