12. August 2011, 15:38 Uhr

Die Blutspur des "Kumpelchen"

Hunderte Morde sollen auf sein Konto gehen. Oscar García Montoya, genannt "das Kumpelchen", war der Boss einer gefürchteten Drogenbande in Mexiko. Jetzt ist er der Polizei ins Netz gegangen. Er wollte seine eigenen Leute enthaupten. Von Volker Königkrämer

Wenn Du zur Polizei gehst, legen wir Deinen Sohn in kleinen Stücken vor die Tür." So oder so ähnlich hörte sich das Tagwerk von Oscar Osvaldo Garcia Montoya alias "El Compayito" (das Kumpelchen) an. Wobei man von Glück sagen konnte, wenn der Anführer einer mexikanischen Killerbande aus dem Drogenhändler-Milieu seine blutige Tätigkeit überhaupt ankündigte. Meist schlug seine Gruppe "Mano con Ojos" (Hand mit Augen), ohne Vorwarnung zu.

Montoyas Job war es, Menschen umzubringen. Erst als Auftragskiller der Beltrán Leyva-Brüder, einem der der größten Drogenkartelle Mexikos. Seit Ende 2010 zunehmend auch auf eigene Rechnung. Das makabere Markenzeichen seiner Gruppe waren die abgetrennten Köpfe der Opfer, die auf den Straßen deponiert wurden.

Jetzt hat die mexikanische Polizei seinem blutigen Treiben ein Ende gesetzt. Montoya wurde in der Nacht zum Donnerstag in Tlalpan, einem Stadtteil im Süden von Mexiko-Stadt festgenommen. Laut Staatsanwalt Alfredo Castillo prahlte er in den ersten Vernehmungen damit, er sei "persönlich an 300 Morden beteiligt" gewesen und habe "weitere 300 angeordnet".

Ausbildung bei Armee-Elitetruppe

Die Staatsanwaltschaft will solche Dimensionen nicht bestätigen. Sie schreibt ihm seit Dezember 2010 konkret 29 Exekutionen im Bundesstaat Mexiko zu, zehn weitere Menschen soll er in Mexiko-Stadt geköpft haben. Auf seine Ergreifung war eine Belohnung von umgerechnet 300.000 Euro ausgesetzt.

Montoya, der auch unter den Namen "Carlos" oder "Ricardo" gefürchtet war, begann seine Laufbahn bei der Armee Eine Zeit lang war er Soldat bei der Marine-Infantrie. Von dort desertierte er und arbeite später als Polizist in den Staaten Baja California und Sinaloa. Bei den "Kaibiles", einer Sondereinheit der gualtemaltekischen Armee, die berüchtigt waren für ihre Massaker im Bürgerkrieg, soll Montoya ein Spezialtraining absolviert haben.

"Er hat darauf hingewiesen, dass seine Ausbildung speziell auf das Töten ausgerichtet gewesen sei", sagte Staatsanwalt Castillo. Wie andere aus der "Killer-Brigade" wurde auch Montoya von den mexikanischen Drogenkartellen rekrutiert. 2002 tauchte er im Dunstkreis der Beltrán-Leyva-Organisation auf. Dort arbeitete er sich langsam hoch, wurde zum Bodyguard von Edgar Valdez genannt "La Barbie", einem Top-Killer der Organisation. Nach dessen Festnahme machte sich Montoya selbstständig und gründete die "Mano con Ojos".

Opfer enthauptet und zerstückelt

Seitdem verbreitete die Bande in der von Drogenkriminalität sonst weitgehend verschonten Umgebung von Mexiko-Stadt Angst und Schrecken. Ihre Opfer ließen sie enthauptet und zerstückelt zurück. García Montoya habe inzwischen gestanden, den Drogenhandel in Teilen von Mexiko-Stadt und fünf umliegenden Bezirken kontrolliert zu haben, so der Staatsanwalt

Der Gang-Name "Hand mit Augen" geht zurück auf die populäre Figur eines mexikanischen Entertainers, der seinen Arm mit zwei aufgeklebten Augen als Handpuppe verkleidet und so als "El Compayito" Erfolge feiert.

Doch offenbar hatte Montoya seine Killer-Brigade nicht mehr im Griff. Sechs Mitglieder wollten die Bande angeblich verlassen, so Staatsanwalt Camillo. Sie hatten Glück: Der festgenommene Anführer hatte für dieses Wochenende geplant, die Abtrünnigen zu enthaupten.

 
 
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