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29. Dezember 2009, 06:52 Uhr

China richtet Briten hin

Erstmals seit fünf Jahrzehnten ist ein europäischer Staatsbürger in China hingerichtet worden. Weil er angeblich Drogen geschmuggelt hat, wurde der Brite Akmal Shaikh in einem Gefängnis in Ürümqi per Giftspritze exekutiert. Die britische Regierung ist empört.

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Ekekution: Der britische Staatsbürger Akmal Shaikh wurde in China hingerichtet© AFP

Ein britischer Drogenschmuggler ist am Dienstag in China hingerichtet worden. Trotz der Gnadenappelle der britischen Regierung, seiner Familie und von Menschenrechtsgruppen wurde die Todesstrafe gegen Akmal Shaikh in der nordwestchinesischen Stadt Ürümqi vollstreckt, wie die britische Botschaft in Peking bestätigte. Der 53-Jährige ist der erste Europäer seit fünf Jahrzehnten, der in China hingerichtet wurde. Seine Familie hatte argumentiert, er leide unter psychischen Problemen und sei nur vermindert schuldfähig. Die britische Regierung verurteilte die Hinrichtung "aufs Schärfste".

Er sei "entsetzt und enttäuscht", dass die wiederholten Gnadengesuche seiner Regierung nicht berücksichtigt worden seien, teilte Premierminister Gordon Brown am frühen Dienstagmorgen in London mit. Besonders betroffen mache es ihn, dass man keine psychologischen Untersuchungen an dem zum Tode verurteilten 53-Jährigen vorgenommen habe. Brown sprach der Familie und den Freunden des Hingerichteten die tiefe Anteilnahme der Regierung aus. Auch Außenminister David Milliband verurteilte die Hinrichtung "in schärfster Form".

Von einer Drogenbande reingelegt?

Nach Angaben seiner Familie war der Vater von fünf Kindern von einer Schmugglerbande reingelegt worden, als er unwissentlich einen Rauschgiftkoffer mitgenommen habe. Der gebürtige Pakistani war am 12. September 2007 mit 4030 Gramm Heroin am Flughafen von Ürümqi, der Hauptstadt der Region Xinjiang, festgenommen worden. Die britische Regierung hatte in letzter Minute erneut vergeblich um Gnade gebeten. Es sei "in der heutigen Welt nicht angemessen, einen Mann mit einer Geisteskrankheit hinzurichten", hatte Außenstaatssekretär Ivan Lewis argumentiert.

Kurz vor der Hinrichtung hatte das Oberste Gericht in Peking das Urteil vom Oktober 2008 bestätigt. Die Exekution erfolgte durch eine Giftspritze, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte. Nach Schätzungen werden jedes Jahr zwischen 5000 und 7000 Verurteilte in China hingerichtet - mehr als im Rest der Welt zusammen. Schon früher waren ausländische Drogenschmuggler asiatischer Herkunft wie etwa aus dem benachbarten Birma oder Taiwan in China hingerichtet worden.

Das Oberste Gericht in Peking sprach von einem "äußerst schweren Verbrechen" und "einer großen Menge Rauschgift". "Die Beweise sind zuverlässig und die Fakten klar", zitierte die Nachrichtenagentur Xinhua das Gericht. Schon früher hatte das chinesische Außenministerium darauf hingewiesen, dass Shaikh selbst bestritten habe, dass er oder seine Familie eine Geschichte psychischer Probleme hätten. Auch habe die britische Botschaft keinen Beweis dafür vorgelegt.

Shaikh wollte Gesangskarriere in China machen

Nach Angaben seiner Familie litt Shaikh unter einer bipolaren Störung, einer manisch-depressiven Erkrankung. Sie hatte eine umfassende psychologische Untersuchung gefordert. Es müsse anerkannt werden, "dass er nicht so schuldfähig ist wie andere, für die nach chinesischem Gesetz die Todesstrafe infrage kommt". Nach Angaben der Londoner Gefangenenhilfsorganisation Reprieve hatte Shaikh sein Leben lang "sprunghaftes und absonderliches Verhalten" gezeigt.

Für das Schmuggelvorhaben hätten ihn Freunde in Polen mit dem Versprechen angelockt, ihm zu einer Karriere als Sänger in China zu verhelfen, berichtete die Organisation. Shaikh habe ein Lied über den Weltfrieden geschrieben. In einem Nachtclub in China habe er damit auftreten sollen. Aus Kirgistan sei er über Tadschikistan nach Nordwestchina geflogen. Kurz vor dem Abflug habe ein Mitglied der Schmuggelbande ihm mitgeteilt, es gebe nur noch einen Sitz auf der Maschine. Er komme mit dem nächsten Flug nach. Doch solle Shaikh schon mal den Koffer mitnehmen.

Nach britischen Medienberichten wurde Shaikh aus "humanitären Gründen", so die chinesische Begründung, erst 24 Stunden vorher von seiner Hinrichtung informiert. Seine Tochter Leilla Horsnell sagte der britischen BBC: "Ich denke, das ist gut, weil ich nicht einmal glaube, dass er es versteht, da wir nicht wissen, wie sich sein geistiger Zustand verschlechtert hat." Shaikh habe in seinen Einlassungen vor Gericht nicht mehr richtig sprechen können. Es habe nicht viel Sinn gemacht, was er gesagt habe. Zwei Vettern waren nach China gereist, um ihn vor der Hinrichtung zu sehen.

DPA
 
 
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