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7. Februar 2008, 14:51 Uhr

Kampusch will Österreich verklagen

Acht lange Jahre ist Natascha Kampusch in den Händen ihres Entführers gewesen. Nun gibt es Hinweise darauf, das sie schon wenige Wochen nach ihrer Entführung hätte befreit werden können. Sollte sich das bestätigen, muss der Staat Österreich mit einer Klage rechnen. Das bestätigte jetzt Kampuschs Anwalt.

Wenige Wochen nach ihrer Flucht berichtete Natascha Kampusch in Fernsehen von ihrem jahrlangen Martyrium© AFP

Das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch hätte möglicherweise bereits Jahre vor ihrer Flucht gerettet werden können. Der ehemalige Leiter des österreichischen Bundeskriminalamtes, Herwig Haidinger, soll im Innenausschuss behauptet haben, dass Hinweisen direkt nach der Entführung der damals Zehnjährigen nicht nachgegangen wurde und dies später vom Ministerium vertuscht wurde. Dies berichteten österreichische Medien.

Die heute 19-jährige Kampusch reagierte nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA "entsetzt und wütend" auf die möglichen Ermittlungsfehler. "Scheinbar durfte ich trotz stichhaltiger Hinweise auf meinen Entführer achteinhalb Jahre warten, bis ich aus eigener Kraft den Weg in die Freiheit finden konnte", sagte die junge Frau. Der österreichische Innenminister Günther Platter kündigte einen Evaluierungsausschuss zur Aufklärung des Falles an.

Kampusch erwägt Klage

Sie erwägt nun eine Schadensersatzklage gegen den Staat Österreich, falls sich die Hinweise auf ein Versagen bestätigen sollten: "Wenn sich herausstellen sollte, dass man Frau Kampusch aufgrund des Hundeführer-Hinweises auf Wolfgang Priklopil acht Jahre früher hätte befreien können, und dass Verschulden der Behörden vorliegt, weil man ihnen nicht nachgegangen ist, so werden wir klagen, sagte Kampusch-Anwalt Gerold Ganzger der Tageszeitung "Der Standard".

Nach inzwischen vorliegenden Polizeidokumenten hatte eine nach der Kampusch-Entführung 1998 aufgestellte Sonderkommission bereits wenige Wochen nach dem Kidnapping eine präzise Beschreibung des Entführers Wolfgang Priklopil. Doch obwohl der Täter vernommen wurde und dabei kein Alibi für den Zeitpunkt der Entführung vorweisen konnte, wurde die Spur nicht weiter verfolgt.

Hundeführer lieferte Hinweise

Die Hinweise auf den Täter, die von Experten inzwischen als "Täterprofil" beschrieben werden, kamen von einem Hundeführer der Polizei. In einem anonymen Anruf hatte er auf Wolfgang Priklopil hingewiesen und konkrete Anhaltspunkte wie den gesuchten weißen Kastenwagen geliefert. Der Aussage wurde jedoch nach Angaben Haidingers nie nachgegangen. Als er 2006 diesen Ermittlungsfehler habe aufdecken wollen, sei dies vom Innenministerium verhindert worden. "Wir können vor der Wahl keinen Polizeiskandal brauchen", habe es geheißen.

Natascha Kampusch ist am 2. März 1998 auf dem Schulweg in Wien von Wolfgang Priklopil entführt worden und ihre gesamte Kindheit in einem Kellerverlies gefangen gehalten worden. Acht Jahre später schaffte die junge Frau in einem unbeobachteten Moment - am 23. August 2006 - die Flucht vor ihrem Peiniger. Priklopil beging daraufhin Selbstmord.

DPA
 
 
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