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3. April 2011, 21:35 Uhr

2285 Brennelemente-Kugeln verschwunden?

Es klingt wie ein verspäteter Aprilscherz: Das Forschungszentrum Jülich vermisst 2285 Brennelementekugeln. Vielleicht könnte der Atommüll im Forschungsbergwerk Asse gelandet sein. Genaueres weiß man nicht.

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Last Exit Asse? Hier werden die verschwundenen Brennelementekugeln vermutet© Peter Steffen/DPA

Von 1967 bis 1988 wurde im Forschungszentrum Jülich mit radioaktiven Brennelementekugeln gearbeitet. Von 2285 von ihnen fehlt nun jede Spur. Dies berichtete das Nachrichtenmagazin "Spiegel" am Samstag in einer Vorabmeldung. Die Information wurde bekannt, nachdem die Grünen eine kleine Anfrage im Parlament gestellt hatten.

"Allem Anschein nach" seien die tennisballgroßen Kugeln im niedersächsischen Forschungsbergwerk Asse gelandet, erklärte die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD). Dem widersprach jedoch ein Sprecher des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), das die Asse seit 2009 betreibt. Aus den Unterlagen des alten Asse-Betreibers, dem Helmholtz-Zentrum München, gehe nicht hervor, dass die vermissten radioaktiven Kugeln in dem Bergwerk lagerten. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Betreiber der Jülicher Anlage und die Landesaufsicht nicht Auskunft geben können, wo die abgebrannten Kernbrennstoffe verblieben sind", echauffierte sich der Sprecher.

Schulze forderte das Forschungszentrum und die Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor auf, "den Verbleib der Kugeln lückenlos zu dokumentieren". Für ihre Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen habe nicht der gesamte Zeitraum seit der Inbetriebnahme 1967 hinreichend recherchiert und dokumentiert werden können. "Hier muss so schnell wie möglich nachgearbeitet werden." Insgesamt waren in Jülich zwischen 1967 und 1988 rund 290.000 Brennelementekugeln eingesetzt worden.

Hans Christian Markert, Atom-Experte der Grünen in Nordrhein-Westfalen, zeigte sich entsetzt darüber, "wie lax hier mit radioaktiven Stoffen umgegangen wurde". Nach seinen Kalkulationen stecken in den verschwundenen Kugeln zusammengerechnet etwa 2,2 Kilogramm Uran 235 und 23 Kilogramm Thorium 232. Falls die Brennelemente benutzt worden seien, käme noch hochgefährliches Plutonium dazu, sagte er dem "Spiegel". Selbst wenn die Kugeln in Asse auftauchen sollten - in dem Salzbergwerk dürfen nur schwach und mittelradioaktive Abfälle gelagert werden, keine Brennelemente.

Das Forschungszentrum Jülich hat am Samstag in einer Pressemitteilung auf die Vorwürfe reagiert, sie aber nicht ausdrücklich dementiert. Am Sonntag fügte das Forschungszentrum hinzu: Die fraglichen Kugeln befänden sich noch in dem Reaktorbehälter oder seien "lagerfähig einzementiert". Bei den einzementierten Brennelementen handele es sich im Wesentlichen um Kugeln, die während der Betriebszeit des Versuchsreaktors zerbrochen seien. Das sei der Landesregierung bekannt und werde von der europäischen Atomgemeinschaft Euratom regelmäßig kontrolliert.

jwi/DPA
 
 
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