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Energiekrise Erstes Zwischenziel erreicht: Gasspeicher zu mehr als 80 Prozent gefüllt

Nord Stream 1 Pipeline - Gasspeicher
Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1: Derzeit fließt kein Gas durch die Leitung, die Gasspeicher in Deutschland sind inzwischen dennoch zu 90 Prozent gefüllt. 
© Jens Büttner / Picture Alliance
Der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Spannungen mit dem Gasgroßverkäufer Russland haben eine Energiekrise in Deutschland heraufbeschworen. Sehen Sie, wie es derzeit um die Zuflüsse, Gasspeicher und Preise bestellt ist. 

Inhaltsverzeichnis

Deutschland ist hochgradig abhängig: Rund 94 Prozent des hierzulande benötigten Gas stammt aus Importen, wie das Forschungszentrum Jülich in einem Faktenblatt aufführt. Nur ein kleiner Teil stammt aus der Inlandsförderung und ein fast verschwindend kleiner wiederum ist Biogas. Und mit mehr als 53 Prozent stammte der Großteil der Erdgasimporte zuletzt aus Russland, die nächstgrößeren Lieferanten waren die Norwegen mit rund 38 Prozent und die Niederlande mit knapp neun Prozent. 

Hauptgasverbraucher war die Industrie, die knapp die Hälfte des Gases benötigte, gefolgt von den Haushalten mit etwas mehr als 30 Prozent. Der Rest entfällt unter anderm auf Fernwärme und Stromversorgung. Die schnöden Zahlen zeigen: Stetiger Gasnachschub wird dringend gebraucht um das Land am Laufen und warm zu halten. Der ist allerdings momentan durch die Spannungen mit Hauptlieferant Russland gefährdet. 

Pipelines: Gasflüsse aus Russland nach Deutschland

Die unten angeführte Grafik zeigt, wie viel Gas zuletzt durch die Pipelines Jamal (Mallnow), Megal (Waidhaus) und Lubmin bei Greifswald (Nord Stream 1) nach Deutschland strömte. Der mit Abstand größte Anteil kommt erkennbar bei Greifswald durch Nord Stream 1 an. Einen ersten großen Knick gab es, als Betreiber Gazprom die Durchleitung im Juni erstmals stark drosselte. Mitte Juli kam der Gasfluss wegen Wartungsarbeiten zum Erliegen. Nachdem am 21. Juli die Gasversorgung wieder aufgenommen wurde, erklärte Gazprom kurz darauf, ab Ende Juli die Liefermenge auf 20 Prozent reduzieren zu wollen. Für Ende August kündigte Gazprom erneut eine Unterbrechung wegen Wartungsarbeiten an. Die Bundesnetzagentur erklärte, den technischen Hintergrund nicht nachvollziehen zu können und hält die Maßnahme offenbar eher für politisch motiviert. Die Sorge das zukünftig irgendwann gar kein Gas mehr laufen könnte, ist groß. 

Auch im bayerischen Waidhaus kam zwischendurch nach starken Drosselungen kaum noch Gas an, wie zu erkennen ist. Am Übergabepunkt Waidhaus erreicht Gas Deutschland unter anderem durch die Ukraine. Es gibt aber auch eine Nord-Süd-Verbindung, die Gas aus Nord Stream 1 nach Bayern bringt. Nun wird spekuliert, dass in der jüngeren Vergangenheit nur noch Gas aus Nord Stream 1 in Waidhaus ankam. Im Lagebericht der Bundesnetzagentur hieß es dazu am Donnerstag: "Alternative Transportrouten wie zum Beispiel die Yamal-Pipeline (in Mallnow, Anm. d. Red.) oder auch die Ukraine-Route (Waidhaus) stehen zwar zur Verfügung, werden allerdings nicht genutzt, um die auf der Nord Stream 1 wegfallenden Mengen zu kompensieren".

Gasspeicher: Füllstände in Deutschland

Wie es um die Gasspeicherfüllstände in Deutschland und Europa bestellt ist, zeigen die beiden unten stehenden Infografiken. Laut Gesetz sollen die Speicher hierzulande am 1. Oktober zu 80 Prozent und am 1. November zu 90 Prozent gefüllt sein. 

Gasspeicherfüllstände in Europa

Gas, Sprit, Strom: Preisentwicklung von Energieprodukten in Deutschland 

Der obenstehende Preismonitor stellt laut Bundesamt für Statistik beispielhaft die Entwicklung der Verbraucherpreise für die aufgeführten Energieprodukte dar. Er zeigt, um wie viel Prozent die Preise im jeweiligen Monat höher oder niedriger lagen als im Jahresdurchschnitt 2015. Zuletzt gingen die Preise stark nach oben. Der Chef der Bundesnetzagentur warnte zuletzt gar vor einer möglichen Verdreifachung der Gaspreise ab dem kommenden Jahr. 

Quellen:DESTATIS, Bundesnetzagentur, Forschungszentrum Jülich

In der Galerie: Seit mehr als 20 Jahren herrscht Wladimir Putin über Russland. Eine ganze Generation kennt niemanden anderen an der Spitze ihres Landes als ihn. Sein Weg zum scheinbar ewigen Präsidenten in Bildern. 


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