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4. September 2005, 09:56 Uhr

New Orleans wird evakuiert

Eine der größten Rettungsaktionen in der Geschichte der USA hat begonnen: Die überflutete Südstaatenmetropole New Orleans wird geräumt. Nach tagelangem Warten konnten letzten Flutopfer die großen Notunterkünfte, das Footballstadion und das Kongresszentrum, endlich verlassen. Keiner kennt die genaue Zahl der Toten.

Angestellte des Memorial Medical Centers in New Orleans winken ihren Kollegen nach, die mit Helikoptern aus der Stadt gebracht werden© AP

Inzwischen wurde auch mit der Bergung der Leichen begonnen. Die Gouverneurin von Louisiana rechnet damit, dass Hurrikan "Katrina" und seine Folgen tausende von Menschen das Leben gekostet haben.

Einwohner werden mit Konvois evakuiert© EPA

In den vergangenen 24 Stunden wurden rund 25 000 Einwohner aus der überfluteten Stadt in Sicherheit gebracht. Schwerbewaffnete Sicherkräfte patrouillierten durch New Orleans um Plünderungen, Vergewaltigungen und Morde zu verhindern, die das Leben neben den verheerenden Folgen des Hurrikans "Katrina" in den vorausgegangenen Tagen und Nächten unerträglich gemacht hatten. Im Gewerbegebiet loderten weiterhin Brände, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Erstmals nach Tagen wieder ruhige Nacht

Nach der massiven Präsenz von US-Sicherheitskräften in New Orleans hatte sich in der Stadt erstmals wieder eine ruhige Nacht abgezeichnet. In den vergangenen Nächten war es nach dem Hurrikan "Katrina" nach Angaben von Augenzeugen zu völliger Gesetzlosigkeit mit Plünderungen, Vergewaltigungen und willkürlichen Erschießungen gekommen .

Nationalgardisten und US-Marschalls waren am Samstagabend in der Stadt auf Streife. Die Straßen waren aber überwiegend wie leergefegt. Es ist unklar, wie viele Bürger noch in New Orleans sind und sich etwa in ihren Häusern und Wohnungen eingeschlossen haben. Militär-Vertreter hatten am Samstag erklärt, es könnten noch bis zu 80.000 Gestrandete in der Stadt sein.

Ein Paar auf seinem Hausdach in der Nähe von New Orleans ist glücklich über die Rettung© EPA

Präsident Bush räumte Fehler ein

Fünf Tage nach dem verheerenden Hurrikan "Katrina" verließen die erschöpften Menschen nach Tagen voller Chaos, Gewalt und Entbehrungen das Krisengebiet mit Flugzeugen, Helikoptern, Bussen und Eisenbahnen. Nach Angaben des Heimatschutzministeriums erhalten bislang bereits 100 000 Betroffene humanitäre Hilfe.

US-Präsident George W. Bush räumte in seiner wöchentlichen Radioansprache an die Nation ein, dass trotz großer Anstrengungen die Ergebnisse der Hilfsaktionen inakzeptabel gewesen seien. Viele Menschen seien verärgert und auf verzweifelter Suche nach Hilfe, sagte Bush. Der Präsident versprach rasche und unbürokratische Unterstützung. Er will am Montag zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage in das Katastrophengebiet reisen. Ein für kommender Woche geplanter Besuch von Chinas Präsident Hu Jintao wurde auf einen geeigneteren Zeitpunkt verschoben.

Späte Rettung: Tagelang hatten tausende verzweifelt auf Hilfe gewartet. Währenddessen versank die Stadt in Chaos und Anarchie© EPA

Massive Kritik an Krisenmanagement der Regierung

Im weitgehend überfluteten New Orleans begann die US-Armee am Samstagmorgen, Tausende von gestrandeten und Not leidenden Menschen mit Helikoptern auszufliegen. In einer Luftbrücke brachten US- Fluggesellschaften bis zum Samstagabend rund 10 000 Personen in Nachbarstaaten in Sicherheit. Am Nachmittag trafen dann auch die von Bürgermeister Ray Nagin seit Tagen geforderten Busse ein.

Vor Beginn der breit angelegten Rettungsaktion haben US- Kongressmitglieder beider Parteien die Reaktion der Bundesbehörden auf die Katastrophe kritisiert und eine Untersuchung angekündigt.

Angesichts massiver Kritik an seinem Krisenmanagement versprach Bush, dass in Amerika kein Mitbürger in der Stunde größter Not im Stich gelassen werde. Die USA hätten den Charakter, die Ressourcen und die Entschlossenheit, um das Desaster zu überwinden. Bürokraten dürften bei der Rettung von Menschen nicht im Wege stehen. Zuvor hatte Bürgermeister Nagin die Regierung aufgefordert, "den Hintern zu bewegen".

Viele Leute werden vermisst. Die Gouverneurin von Louisiana rechnet mit Tausenden von Toten© Getty

Welle der Solidarität in Texas

In Houston (Texas) erlebten die Neuankömmlinge eine nie da gewesene Welle der Solidarität. Tausende von freiwilligen Helfern halfen in den Notquartieren, teilten Nahrung, Wasser, Kleidung und Spielsachen aus. Nach Angaben des Roten Kreuzes sind bislang 94 000 Betroffene des Hurrikans in neun Bundesstaaten untergebracht worden.

Derweil zeichnet sich langsam das Ausmaß der Naturkatastrophe ab. Mindestens 350 000 Häuser sind nach Angaben der Behörden zerstört worden. Heimatschutzminister Michael Chertoff nannte die Schäden in New Orleans entsetzlich.

Rund eine Million Menschen in drei Bundesstaaten haben ihr Zuhause verloren. Nach Angaben der Armee wird es fast drei Monate dauern, das Wasser aus New Orleans zu pumpen. Die Gesamtschäden werden auf bis zu 100 Milliarden Dollar (80 Milliarden Euro) geschätzt.

DPA

Reuters/DPA
 
 
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