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28. Dezember 2011, 11:28 Uhr

"Ein Stück Getöse"

Der Iran rudert zurück: Erst droht Teheran wegen möglicher neuer Sanktionen mit einer Öl-Blockade. Dann heißt es: Derzeit wolle das niemand. Washington hatten die Worte von Beginn an kalt gelassen. Auch die EU plant weiterhin mit "einschneidenden qualitativen Sanktionen".

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NASA-Satellitenbild des persischen Golfs© DPA

Der Iran hat seine Drohung relativiert, im Falle weiterer Sanktionen des Westens die Öltransporte im Persischen Golf zu behindern. "Die Straße von Hormus zu blockieren wäre für uns ebenso leicht, wie ein Glas Wasser zu trinken", sagte der Befehlshaber der iranischen Marine, Habibulah Sajari, am Mittwoch dem örtlichen Sender Press TV. "Zur Zeit gibt es aber keine Notwendigkeit, dies zu tun.". Durch die Meerenge am Ausgang des Persischen Golfs wird ein erheblicher Teil des weltweit benötigten Rohöls transportiert.

Sajaris Äußerungen folgten auf die Warnung von Vizepräsident Mohammed Reza Rahimi, der erst am Dienstag mit einer Blockade der Öltransporte gedroht hatte: "Wenn sie (der Westen) Sanktionen gegen iranisches Öl verhängen, wird kein Tropfen Öl mehr durch die Straße von Hormus gelassen."

Rahimi ist zwar der erste Stellvertreter von Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Seine Äußerungen geben aber nicht unbedingt die offizielle Haltung Teherans wieder, denn er ist vor allem für innere Angelegenheiten verantwortlich.

Die USA hatten sich von den Worten Rahimis unbeeindruckt gezeigt. Die Aussagen aus Teheran seien "nur ein weiterer Versuch, die Aufmerksamkeit von den wirklichen Themen abzulenken", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington. "Das sind Äußerungen über eine hypothetische Situation, in denen auch ein Stück Getöse zum Ausdruck kommt", sagte Sprecher Mark Toner.

Komme der Iran seinen internationalen Verpflichtungen mit Blick auf sein Atomprogramm weiter nicht nach, drohten neue Sanktionen, sagte der Außenamtssprecher. Füge sich Teheran jedoch, könne eine engere Zusammenarbeit mit dem Westen folgen. Diese Doppelstrategie verfolge Washington weiterhin.

Der Iran hat in der Vergangenheit wiederholt damit gedroht, die Straße von Hormus zu sperren, dies aber nie in die Tat umgesetzt. Eine solche Blockade würde auch die Beziehungen des Irans zu den Öl exportierenden Scheichtümern am Persischen Golf belasten.

Durch das etwa 50 Kilometer breite und über 200 Kilometer lange Nadelöhr Hormus transportieren Tanker einen beträchtlichen Teil des weltweit benötigten Rohöls. Am Wochenende hatten iranische Streitkräfte ein groß angelegtes Manöver in dem Seegebiet begonnen.

Sollte es wirklich zu einer kompletten Schließung kommen, falle zwar ein wichtiger Transportweg weg, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) "Handelsblatt Online". "Dies würde (aber) nicht sofort zu Engpässen führen, da teilweise auf alternative Transportrouten ausgewichen werden kann, und es ein Überangebot an Öl auf dem internationalen Markt gibt." Auch einen kurzfristigen Ölpreisanstieg hält die DIW-Expertin für verkraftbar.

Streitpunkt Atomprogramm

Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Israel und die USA haben deshalb auch Militärschläge gegen iranische Atomanlagen nicht ausgeschlossen.

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hatte in ihrem jüngsten Bericht Hinweise auf ein solches militärisches Atomprogramm dokumentiert. Daraufhin hatten die USA und die Europäische Union ihre Sanktionen gegen den Iran bereits verschärft. Die EU plant darüber hinaus weitere Strafmaßnahmen. Seit längerem ist auch ein Öleinfuhrverbot im Gespräch.

Reuters/DPA
 
 
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