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1. Januar 2009, 17:18 Uhr

Gazprom kappt Gasversorgung

Eiskalte Grüße aus Moskau: Der russische Staatskonzern Gazprom hat die Ukraine am Neujahrsmorgen komplett von der Gasversorgung abgeklemmt. Grund: Das Land weigert sich, einen höheren Preis zu zahlen. Gazprom will aber weiterhin Gas an seine westeuropäischen Kunden durch die Ukraine leiten. Die deutsche Gasbranche sieht keine Versorgungsgefahr.

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Streit mit Großkunde Ukraine: Gazprom hat kurzer Hand den Gashahn abgedreht© Sergey Dolzhenko/EPA

Russland hat im Gasstreit mit der Ukraine seine Drohungen wahr gemacht und die Lieferungen an das Nachbarland zu Jahresbeginn gestoppt. Die Versorgung sei mit Auslaufen des alten Gas-Vertrags am Donnerstagmorgen eingestellt worden, teilte die staatliche Gazprom mit. Westeuropa und damit Deutschland, das einen großen Teil seines Gasbedarfs über ukrainische Leitungen aus Russland bezieht, werde dies nicht betreffen. "Wir werden Europa weiterhin voll beliefern", versicherte der Konzern. Auch die Ukraine sagte die Durchleitung des Gases weiter zu. Zugleich bat sie aber die EU um Vermittlung im Streit.

Dennoch drang Bundeswirtschaftsminister Michael Glos auf eine schnelle Lösung der Auseinandersetzung um Preise und Lieferbedingungen. "Ich fordere die Konfliktparteien auf, unverzüglich eine Lösung zu finden, die den Interessen aller Betroffenen Rechnung trägt", sagte er. Er gehe davon aus, dass gegebene Zusagen eingehalten würden und Gas zuverlässig nach Europa weiter geleitet werde. In Westeuropa besteht die Befürchtung, dass Transit-Gas von der Ukraine als Faustpfand in der Auseinandersetzung mit Russland eingesetzt und abgezapft werden könnte.

Deutsche Gasbranche: Versorgung gesichert

Die Gasbranche mit ihrem größten Versorger Eon-Ruhrgas gab sich allerdings auch für den Fall einer Liefer-Unterbrechung entspannt: "Wir sind gut vorbereitet. Selbst bei einer fortdauernden Auseinandersetzung wird es nicht zu Liefereinschränkungen für Haushalte und Endverbraucher kommen", versicherte Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg. Zudem verfüge man über gefüllte Speicher. Deutschland bezieht sein Gas zu fast zwei Dritteln aus Westeuropa. 37 Prozent stammt aus Russland, es wird zu einem kleineren Teil auch über Weißrussland geleitet.

Das russische Staatsfernsehen berichtete am Donnerstag in einer Live-Schaltung von einer Pumpstation an der Grenze zur Ukraine. Dort sei man von der Gazprom-Zentrale in Moskau angewiesen worden, kein Gas mehr durchzuleiten. Gazprom-Chef Alexej Miller hatte zuvor in Moskau gesagt, beide Seiten hätten sich nicht über die Rückzahlung ukrainischer Schulden und Details eines neuen Liefervertrages einigen können. Die Ukraine erklärte, man werde nun auf Reserven zurückgreifen, die für mehrere Wochen ausreichten. Zugleich zeigte sich das Land verhandlungsbereit und erhöhte sein Angebot für die Lieferungen. Präsident Viktor Juschtschenko sagte, er hoffe auf eine Lösung bis zum 7. Januar.

USA rufen Russland und Ukraine zur Beilegung des Disputs auf

Die US-Regierung rief unterdessen Russland und die Ukraine auf, ihren Disput um Preise und Lieferverträge für Gas "auf eine transparente, kommerzielle Weise" beizulegen. In einer vom Washingtoner Außenministerium veröffentlichten Erklärung hieß es zugleich, die USA seien "besorgt" darüber, dass der russische Gasmonopolist Gazprom die Gaslieferungen an die Ukraine am Neujahrstag eingestellt habe.

Die USA ermutigten beide Seiten, Verhandlungen über eine Vereinbarung wieder aufzunehmen, die eine zuverlässige Gaslieferung an die Ukraine und Europa sicherstelle, hieß es in der Erklärung weiter.

Europa bezieht etwa ein Fünftel seines Gases über die Pipeline in der Ukraine. Für Russland ist die Röhre ungleich wichtiger: Durch die Verbindung werden etwa 80 Prozent des russischen Gases für Westeuropa geleitet. Deshalb baut Russland derzeit auch eine weitere Pipeline durch die Ostsee unter Umgehung der Ukraine und anderer osteuropäischer Länder. Vor drei Jahren war bei einem ähnlichen Streit zwischen Russland und der Ukraine zeitweise weniger Gas nach Deutschland gelangt.

Im jüngsten Streit will Gazprom den Preis für die Ukraine von zuletzt etwa 180 Dollar (pro 1000 Kubikmeter) auf 250 Dollar erhöhen. Damit müsste die ehemalige Sowjetrepublik für das russische Gas immer noch nur etwa halb soviel zahlen wie andere europäische Kunden. Trotzdem lehnt die Ukraine eine solche Erhöhung ab. Neben dem Gaspreis streiten beide Seiten auch über die Gebühren, die Russland an die Ukraine für die Durchleitung des Brennstoffs nach Westeuropa zahlt.

Debatte in Deutschland über Abhängigkeit von Russland

Die Probleme über das Gas in Osteuropa lösten in Deutschland erneut eine Debatte über den Energiemix aus. Unions-Vize-Fraktionschefin Katherina Reiche kritisierte, der deutsche Atomausstieg erhöhe noch die Abhängigkeit von russischem Gas und sei daher falsch. Der Ausstieg sei "ein Geschenk der Sozialdemokraten an die staatlich gelenkte Energieindustrie Russlands". Die Grünen warnten vor steigenden Gaspreisen und wollen die Abhängigkeit dagegen durch den Ausbau von Biogas ändern. "Europa braucht endlich eine konsequente Biogasstrategie, um auch in Zukunft bezahlbare Gaspreise und eine sichere Gasversorgung zu gewährleisten", sagte ihr Energie-Experte Hans-Josef Fell.

Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
Georges13437 (02.01.2009, 23:41 Uhr)
Ist doch korrekt so.
Wenn die Ukraine nicht vernünftig zahlt, gibt es kein Gas. Bitte nicht vergessen wieviel Gas in der Vergangenheit auf dem Transitweg ( Pipeline ) mal so auf die Schnelle von den Transitländern im wahrsten Sinne meine Worte gestohlen wurden und nun kann sich jeder fragen zu welchen Lasten ?
Wenn hier die meisten wüßten wieviel russische LKWs hier in Deutschland tagelang warten müssen, bis sie beladen werden, würden einige die Ohren anlegen. Ware gibt es fast immer gegen sofortige Bezahlung, sonst muß der Fahrer halt warten bis das Geld auf dem Konto der Versendefirma eingegangen ist.
Ich schreibe das nur mal, weil einige wegen des Verhaltens Russlands so empört sind und Russland sogar als Schurkenstaat bezeichnen. Bei soviel Dummheit kann einem nur der Samen flockig werden.
Wenn die Pipeline durch die Ostsee läuft, hat das ganze Theater endlich ein Ende.
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern überweist Russland an Deutschland seine Schuldbeträge regelmäßig.
Georges
Oetker333 (02.01.2009, 17:53 Uhr)
@ vegefranz richtig lesen
in naher Zukunft wird dieses Verhältnis zugunsten Russlands kippen, da Kanada nur noch die USA versorgen wird und Australien zu allererst die asiatischen Länder beliefern wird. Und 17% des Uranimports kommt aus dem Niger. Und was im Niger los ist hab ich schon geklärt.
vegefranz (02.01.2009, 14:03 Uhr)
@ein Drittel/zwei Drittel
wenn ein Drittel aus den von Dir genannten Staaten kommen (dabei sollte man wohl kaum die Ukraine und Russland ein einen Topf werfen) , bleiben noch ZWEI DRITTEL (Australien, Kanada, USA etc) Das klingt doch gleich etwas netter. Erfreulich ist, dass immer mehr Leute das Festhalten an CO2-neutralen Kraftwerken fordern (sog. Ausstieg aus dem Ausstieg)
Oetker333 (02.01.2009, 13:22 Uhr)
@vegefranz
Schonmal nachgedacht wo unser Uran herkommt? Ein Drittel kommt aus Achtung! Russland, Kasachstan, Usbekistan und aus der Ukraine. Denken wir mal nach: Von Russland können wir auch Gas beziehen was auch sicherer ist, in Kasachstan und Usbekistan regieren zwei unberechenbare Diktatoren, und die Ukraine ist generell ein unstabiles Land. Schauen wir mal auf die anderen Uranimportstaaten: der Niger mit den Aufständen der Tuareg ist natürlich sehr zuverlässig. Kanada wird in naher Zukunft nur den Uranhunger der USA befriedigen können und Australien hat ein Großhandelsvertrag mit China abgeschlossen. Also woher soll das Uran kommen? Aus Russland!
vegefranz (02.01.2009, 11:34 Uhr)
Die Energie-Unabhängigkeit von Russland und anderen Schurkenstatten muss höchste Priorität haben:. daher Ausstieg aus dem Ausstieg
Die Energie-Unabhängigkeit von Russland und anderen Schurkenstatten muss höchste Priorität haben:. daher Ausstieg aus dem Ausstieg. Wir brauchen weiterhin unsere CO2-neutralen Kraftwerke und weitere Anstrengungen, erneuerbae Energien auszubauen.
Benkku (02.01.2009, 10:02 Uhr)
@ Bonzer
"Deswegen sollte die Ukraine schnell in die EU und die EU militärisch aufrüsten, denn die Russen tun dies auch."
.
Seh'n Sie, wie mancher abhängige Beute-Germane immerhin schon verbal mal wieder mit dem Säbel rasselt?
SoWieEsIst (02.01.2009, 09:28 Uhr)
Schwachsinn vieler hier ...
Die Tatsache, dass die ukrainische Bevölkerung keine Schuld trägt liegt auf der Hand, denn die bezahlen ja ihre eigene Gaslieferaten, dass DIE allerdings eigene Taschen füllen UND die bezogene Gasmenge von den Russen nicht bezahlen, ist nichts anderes als wieder mal versuchen Weltweites Aufsehen zu erregen, nichts anderes wie jedes Jahr! Viele hier schimpfen auf die Russen, wie "böse" und schlecht die doch sind, dabei verkaufen genau diese schlechte Russen das Gas an die Ukraine ja für die Hälfte des üblichen Preises! Und mal ehrlich, für die empfangene Leistung muss man nun bezahlen, nur so funktioniert nun mal die Wirtschaft, dass wissen hoffe ich die meisten Forumianer hier. Und übrigens, die Ukrainer werden diesen Winter definitiv nicht frieren, denn es ist noch genung Gas im Land vorhanden. Und noch was, viele hier sollten entweder erwachsen werden, oder doch zumindest die Feindvorstellungen überdenken.
SoWieEsIst
bonzer (02.01.2009, 09:14 Uhr)
benkku
"Wie mancher Beute-Germane schon wieder mit den Säbeln rasselt.."
sonst ist wohl noch alles klar? weiß ja nicht wie dein körperlicher und geistiger zustand mit dieser aussage in verbindung zu bringen ist, jedoch ist eins klar: wir bezahlen für dieses gas richtig viel kohle, so dass russland sich in den letzten jahren einen ziemlich hohen lebensstandard (wenn auch nur für einige wenige)leisten konnte. und mit bush-doktrin hat das auch nicht viel zu tun. die ukrainskis wollten nicht zahlen, ergo die berechtigte reaktion der russen.
Helmut.K (02.01.2009, 08:50 Uhr)
mal sehen
wie du reden würdest wenn man dich zuerst abhängig machen würde und dann als anspielungen auf diffenrenzen ganz anderer ebene erpressen.
Benkku (01.01.2009, 20:00 Uhr)
Hat auch was mit Charakter zu tun.
Angenommen, ich wäre einer, dann wüßte ich nicht, weshalb der in diesem Zusammenhang beleidigt sein sollte, wenn es genug Leute auf der Welt gibt, denen es bis heute nicht gelungen ist, darüber zu triumphieren, sein Land in eine Kolonie verwandelt zu haben. Stattdessen darf er diejenigen, die nach seinen Schätzen die Hand ausstreckten, heute sogar zur Kasse bitten.
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