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stern-Reportage

Retten! Oder nicht?

Freiwillige bewahren Zehntausende Bootsflüchtlinge vor dem Tod im Mittelmeer. Kritiker sagen, sie helfen den Schmugglern. Vom verzweifelten Kampf um Europas Menschlichkeit. Und um das Leben des Ghanaers Zibo.

Von Jonas Breng

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer: Retten! Oder nicht?

Als kurz nach dieser Aufnahme Retter beginnen, die Flüchtlinge von Bord zu holen, kollabiert das Gummiboot. Vier Menschen sterben

Nicht weit von der libyschen Küste, auf dem Schiff, das die Lebenden und die Toten bringt, sitzt ein Mann, der Wache hält. Seit Stunden sitzt  er dort. Obwohl die Sonne heiß  vom Himmel brennt. Obwohl das Wasser der großen Wellen bis vor seine Füße schwappt. Doch der Mann, er bewegt sich kaum. Sitzt einfach da. Nur einmal, da zuckt es in seinem Gesicht, und er hebt den Kopf. Ein Kopf, um den er ein rotes Tuch gebunden hat wie ein Pirat.  Er deutet auf den silberfarbigen Container vor sich. Er sagt: "Da drin ist Zibo." Und dann, etwas leiser: "Es ist alles meine Schuld."

Ahmed heißt der Mann. Und Ahmed und Zibo, die waren wie Brüder. Ahmed war der Ältere und Zibo war der Jüngere. Ahmed war der, der redete, und Zibo der, der schwieg.

"Ich habe ihn doch gewarnt", sagt Ahmed und blickt wütend auf das Meer hinaus. Auf dieses verdammte Meer, das alles kaputt gemacht hat. Vor ein paar Stunden erst. Auf 35° Nord, 13° Ost.

Hauptsaison für das Retten. Und für das Sterben

Das Schiff, auf dem Ahmed sitzt, ist die "VOS Hesti", ein ehemaliger Frachter, mit dem die Hilfsorganisation "Save the Children" seit einem Jahr aus dem Mittelmeer rettet. Die "Hestia" ist auf dem Weg nach Italien. Auf der Ladefläche, nicht weit von Ahmed entfernt, kauern die anderen Überlebenden. Sie kommen aus verschiedenen Winkeln Westafrikas, aus  Nigeria, Ghana oder dem Senegal. Sie sind das, was manche "die neue Welle" nennen.

Mit Wasser wäscht die Ärztin Giovanna Scaccabarozzi die Säure von Haut und Wunden zweier Geretteter

Mit Wasser wäscht die Ärztin Giovanna Scaccabarozzi die Säure von Haut und Wunden zweier Geretteter

Neu, weil hier die Menschen inzwischen mehrheitlich aus Ländern kommen, in denen zwar Gewalt, aber kein Krieg herrscht. Welle, weil es so viele sind wie nie zuvor. Laut Bundesregierung wartet an der  libyschen Küste knapp eine Million Flüchtlinge auf die Überfahrt. 300.000 könnten in diesem Jahr  die Schlauchboote besteigen. Allein in der vergangenen Woche waren  es etwa 10.000. Denn jetzt, am Anfang des Sommers, wenn die Winde nachlassen und das ruhiger wird, beginnt sie wieder: die Hauptsaison für das Retten. Und für das Sterben.

Doch Zibo, sagt Ahmed und ballt die Hände zu Fäusten, der hatte es  ja eigentlich schon geschafft.

Es war an diesem Morgen gewesen, die Sonne stand bereits hoch am Horizont. Zibo und Ahmed saßen auf dem Rand des weißen Gummiboots, eingezwängt zwischen all den anderen. Ahmed  hatte das Containerschiff als einer der Ersten gesehen. Ein bunter Punkt in der Ferne, der langsam  gewachsen war. Da hatten natürlich alle geschrien und mit den Armen gewedelt, und Ahmed hatte nur  gedacht: Zur Hölle! Euretwegen  gehen wir noch alle drauf!

Die Flüchtlinge hockten in einem Gemisch aus Erbrochenem und Salzwasser

Seit dem Vorabend waren sie auf dem Meer unterwegs. Ahmed saß hinten, in der Nähe des Motors. Zibo weiter vorn, zwischen zwei Nigerianern. Und dann waren da die, die von den Schleppern auf den Boden gesetzt worden waren. Die hockten in einem Gemisch aus Erbrochenem und Salzwasser, in das Benzin aus dem kaputten Motor tropfte. Das Zeug brannte auf der Haut. Auch Ahmed hatte es abbekommen. Durch die nasse Jogginghose fraß sich die Flüssigkeit in sein  Bein hinein. Ahmed biss sich auf  die Faust, um die Schmerzen auszuhalten.

"Ahmed, sie sehen uns!", hatte Zibo ihm zugerufen, als das Horn des Containerschiffs gedröhnt hatte und alle vor Freude geschrien und geweint hatten.

Am Abend beten die Geretteten. Und gedenken der Toten

Am Abend beten die Geretteten. Und gedenken der Toten

Doch danach hatte es gedauert. Erst Stunden später, als der Holzboden des Bootes unter ihren Füßen von immer mehr Salzwasser ganz aufgequollen war, kreuzten zwei Rettungsschiffe auf, die "Sea Watch" und die "VOS Hestia". Mit Schlauchbooten waren die Helfer an sie herangefahren.

"Bleiben Sie ruhig, Sie sind in Sicherheit", hatte der Mann auf Englisch zu den Erschöpften gesagt. Orangefarbene Schwimmwesten wurden herübergereicht, und Ahmed und Zibo hatten sich für eine Sekunde angeschaut: Sie hatten es geschafft, Zibo hielt die Schwimmweste hoch, wie einen Pokal. Zieh  sie an, wollte Ahmed noch schreien, doch in dem ganzen Chaos war es  zu laut gewesen.

Ahmed war einer der Ersten, die auf das kleine Retterboot gestiegen waren. Das Brennen an seinen Beinen war mittlerweile so schlimm, dass er glaubte, verrückt zu werden. Helfer drückten ihn die Leiter der "VOS  Hestia" hinauf, er fühlte sich wie in Trance. So konnte er nicht sehen, was zur selben Zeit auf dem Schlepperboot passierte: Er sah nicht, wie das morsche Holzgestell im Inneren des Bootes unter den Tritten der Flüchtlinge plötzlich nachgab, sah nicht, wie sich auf dem Boden des Bootes eine tödliche Blase aus Salzwasser, Benzin und Exkrementen bildete. Und wie Zibo darin verschwand.

Zibo zuckte nur. Schaum quoll aus seinem Mund

Ahmed sah Zibo erst später. Er stand zu diesem Zeitpunkt nackt auf dem Deck der "VOS Hestia" und spülte sich mit einer Wasserdüse die Säure aus der verbrannten Haut. Da hievten sie Zibo auf einer gelben Trage an Bord. In dem Chaos aus taumelnden Menschen erkannte Ahmed zunächst nur Zibos blauen Pullover mit den grauen Ärmeln.  Er wollte hinlaufen, doch Hände hielten ihn zurück. Eine Frau mit braunem Pferdeschwanz sprang hinzu, sie drückte hektisch auf Zibos Brustkorb herum.

Aber Zibo, der zuckte nur. Schaum quoll aus seinem Mund, bis er schließlich in sich zusammenklappte, wie eine Marionette, der man  die Fäden durchtrennt hatte. Helfer kamen, hoben Zibo in einen weißen Sack, trugen ihn davon.

Ahmed, 30, fühlt sich schuldig am Tod seines Freundes Zibo, 25. Er war ihm aus Ghana gefolgt

Ahmed, 30, fühlt sich schuldig am Tod seines Freundes Zibo, 25. Er war ihm aus Ghana gefolgt

"Wir waren zu spät", sagt die Ärztin mit dem Pferdeschwanz einige Stunden danach. Ihr Name ist Giovanna Scaccabarozzi, eine Frau mit entwaffnendem Lächeln und fein geschminkten Augen. An Bord ist sie die einzige Medizinerin. Den ganzen Tag hat sie Wunden versorgt, Verbände gelegt, Spritzen gegeben. Jetzt beugt sie sich über den weißen Sack, in dem Zibo liegt. Langsam  öffnet sie den Reißverschluss und wischt Zibo den Schaum von seinem Kinn. Zärtlich – wie bei einem Kind, das gekleckert hat. Unter seine Fäuste schiebt sie eine Karte, auf die sie mit einem Filzstift eine Nummer schreibt: 200.681. Zur Identifizierung für die Obduktion in .

Giovanna ist seit einem Jahr  Ärztin auf der "VOS Hestia". Vor dem kleinen Container, in dem sie die Überlebenden versorgt, steht in der Abendsonne eine stöhnende Schlange aus Verletzten und Entkräfteten. Mit den Verbrennungen werde es immer schlimmer, sagt Giovanna, während sie etwas später einem Mann Blut aus einer entzündeten Wunde tupft. Die immer billigeren Schlauchboote und immer schlechteren Motoren seien schuld. Zusammen wirke das Salzwasser und das austretende Benzin wie Säure, die sich durch alle Hautschichten frisst.

Es heißt, die Rettungssaison in diesem Jahr wird die härteste

Einmal hätten sie ein Boot gefunden, in dem 18 tote Jugendliche aus Westafrika gelegen hätten – Mädchen und Jungen. Giovanna hat  in ihrem Leben schon viel Elend  gesehen: Zuletzt die Ebola-Toten in Sierra Leone, doch als der Kran die jungen Körper aus dem Boot hob, kämpfte die 44-Jährige mit den Tränen. "Sie sind in Europa angekommen", sagt sie. "Aber ihre Haut war weiß geätzt, und sie lagen in Särgen."

An Bord schläft sie in einer kleinen Kabine mit einem runden Fenster, das zu hoch liegt, um daraus auf das Meer zu sehen. Ihre Wohnung auf Sizilien hat sie gekündigt, ihre Kleider und Sachen lagern jetzt bei ihren Eltern. Die Rettungssaison in diesem Jahr wird die härteste, heißt es.

Die Helfer versuchen alles, um Zibo wiederzubeleben. Er stirbt an Deck des Schiffes

Die Helfer versuchen alles, um Zibo wiederzubeleben. Er stirbt an Deck des Schiffes

Wahrscheinlich würden viele Menschen sagen, Giovanna kümmert sich um eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit. Doch es gibt auch die anderen, die sagen: Sie ist Teil des Problems.

Immer wieder wird den Helfern vorgehalten, sie würden durch ihre Hilfe neue Fluchtanreize schaffen. Auch im Dorf ihrer Eltern hört die Ärztin das manchmal. Der Vorwurf: Sie bieten einen Shuttle-Service über das Mittelmeer. Denn die  Rettungsschiffe fahren immer dichter an die libysche Küste heran. Auch die "VOS Hestia", die bei  20 Seemeilen, etwa 40 Kilometern, vor ­Libyen patrouilliert.

Nur so könne man ein Massensterben auf den seeuntauglichen Schlauchbooten verhindern, argumentieren die Helfer. Nur deshalb setzten die Schlepper immer schlechtere Boote ein, die gar nicht mehr für eine Reise auf das offene Meer gedacht sind, sagen die Kritiker.

Vor Kurzem warf ein sizilianischer Staatsanwalt einigen Hilfsorganisationen öffentlich vor, mit den Schleppern gemeinsame Sache zu machen. In Deutschland wird gegen Seenotretter ermittelt, wegen des "Versuchs des Einschleusens von Ausländern". Doch würden mehr Tote die Menschen abschrecken,  die darauf warten, in die Gummiboote zu steigen? Und was wäre eine Alternative, die nicht aller Menschlichkeit entsagt?

In Libyen gab es keine funktionierende Polizei, keinen Staat, keine Regierung

Allein im Jahr 2016 starben bei der Überfahrt mindestens 5000 Menschen. Mehr als je zuvor. Giovanna sagt: "Mir geht es nicht um Politik. Aber das Problem kann ja nicht die Menschlichkeit sein. Sondern es ist die Unmenschlichkeit."

Was sie meint, ist die Gewalt in  Libyen. Die Narben davon sieht sie immer wieder auf der Haut der  Geflüchteten. Und sie hört die Geschichten. Von den Foltergefängnissen an der Küste. Von der Menschenjagd und den Schleusern, die morden.

Auch Ahmed trägt solche Narben. Wie Kinderkritzeleien ziehen sie sich über seinen Rücken.

Ärztin Giovanna Scaccabarozzi versorgt die Flüchtlinge an Bord. Die Folien sollen sie warm halten

Ärztin Giovanna Scaccabarozzi versorgt die Flüchtlinge an Bord. Die Folien sollen sie warm halten

Am Abend, als die Sonne im Meer zerläuft, sitzt er in einer Ecke des Schiffes und schaut mit leerem Blick auf den Rucksack, den er von den Helfern bekommen hat. Darin: eine Decke, ein grauer Jogginganzug und etwas Wasser. Ahmed sagt: "Libyen hat aus mir einen anderen Mann  gemacht. Du musst hart werden, wenn du unter Tieren lebst."

Schon 2011 war er aus Ghana  aufgebrochen. Zunächst noch ohne Zibo. Denn Zibo hatte in Ghana Sohn und Tochter. Es hieß, dass  es nach Ghaddafis Sturz Arbeit in  Libyen gebe. Ahmed wollte sich einen Job auf dem Bau suchen und irgendwann ein Auto kaufen. Doch stattdessen hatte er ein Land in Ruinen gefunden. In Libyen gab es keine funktionierende Polizei, keinen Staat, keine Regierung. Tripolis wurde von verschiedenen bewaffneten Milizen kontrolliert, die überall in der Stadt Jagd auf Flüchtlinge machten. Ahmed musste lernen, zu überleben. Er lernte zu kämpfen und dass man niemals allein unterwegs sein durfte in den Straßen von Tripolis.

Mit Peitschen und Elektroschocks hatte man sie gequält

Wenn Zibo ihn anrief, auf dem kleinen Prepaid-Handy, ließ er sich nichts anmerken. "Bruder, mir geht es gut", sagte er. Zibo sollte sich  keine Sorgen machen. Er wollte  der Mann bleiben, zu dem Zibo  aufschauen konnte.

Doch dann war der Januar 2015 gekommen. Und wieder hatte das Telefon geklingelt. "Ahmed, ich bin hier in Tripolis", hörte er Zibos Stimme durch den Hörer. Ahmed musste sich hinsetzen vor Schreck. "Bruder, was hast du getan", stöhnte er.

Auf dem Santa Maria dei Rotoli Friedhof in Palermo werden jene begraben, die ihre Flucht nach Europa nicht überlebten

Auf dem Santa Maria dei Rotoli Friedhof in Palermo werden jene begraben, die ihre Flucht nach Europa nicht überlebten

Von da an hatten sie sich zusammen durchgeschlagen. Mit einer Gruppe von anderen Männern aus Ghana schliefen sie nachts in einem der verfallenen Häuser am Rand  der Stadt. Das Geld für ihre Überfahrt stopfte Ahmed in eine Plastiktüte und vergrub es hinter einem Olivenbaum.

Ahmed merkte, dass Zibo im  Laufe der Monate immer weniger sprach. Am Ende kaum noch. Ahmed sah in seinen Augen, woran Zibo dachte: an "Ali's Ghetto", jenes Foltergefängnis, in das sie im Januar 2016 für ein paar Tage von einer Miliz entführt worden waren. Mit Peitschen und Elektroschocks hatte man sie dort gequält. Während der Torturen musste Ahmed einen Freund anrufen und um Geld flehen. Gott sei Dank hatte der Freund das Geld aufgetrieben, sonst hätten sie nicht überlebt.

"Wir konnten nicht länger warten. Ich musste Zibo wegbringen aus diesem Land", sagt Ahmed. Vor zwei Tagen hätten die Schleuser sie dann zu den Booten gebracht, im Schutz der Dunkelheit, damit das Wasser-Militär sie nicht zurückholen konnte.
Wenn Ahmed vom "Wasser-Militär" spricht, meint  er das, was die Politiker in Brüssel gern "die libysche Küstenwache" nennen. Eine Mischung aus Milizen, Söldnern und Warlords, die unterschiedliche Abschnitte der libyschen Küste kontrollieren. Auf den Schultern dieser Männer ruhen derzeit die Hoffnungen der EU. Sie sollen das Geschäft der Schleuser beenden, Flüchtlingsboote in libyschen Gewässern abfangen.

Bewaffnete Boote der Küstenwache holten Schlauchboote voller Flüchtlinge zurück

200 Millionen Euro flossen im Rahmen der EU-Operation "Sophia" in die Ausbildung und Ausstattung der libyschen Grenzschützer. Benannt ist die Operation nach einem somalischen Mädchen, dass 2017 nach einer Seenotrettung auf einer deutschen Fregatte zur Welt kam.

Aber: Darf die EU mit Warlords zusammenarbeiten?

Manche Experten glauben, dass Teile der Küstenwache mit den Schleusern gemeinsame Sache machen. Immer wieder kommt  es zu Zwischenfällen. Bewaffnete Boote der Küstenwache kreuzten Rettungsschiffe und holten Schlauchboote voller Flüchtlinge aus internationalen Gewässern zurück nach Libyen, ein Verstoß gegen internationales Recht. Auch das Rettungsschiff "VOS Hestia" machte schon Bekanntschaft mit ihnen.

Nachdem die Wunden ausgewaschen wurden werden die Verätzungen mit Verbänden versorgt

Nachdem die Wunden ausgewaschen wurden werden die Verätzungen mit Verbänden versorgt

Es war Ende Mai, als ein kleines Boot mit Bewaffneten an Deck während einer Rettung aufgetaucht  war. Die libyschen Männer hatten herumgeschrien und mit ihren  Maschinengewehren in die Luft  geschossen. Ein paar der Flüchtlinge waren aus Angst ins Wasser  gesprungen.

"Natürlich kommen sehr viele, aber wir können sie doch nicht einfach sterben lassen"

Die hätten selbst nicht so recht gewusst, was sie da taten, sagt Giovanna. "Wie Seemänner hätten  die nicht gewirkt. Ein Wunder, dass niemand ertrunken ist." Sie sitzt  immer noch in der kleinen Krankenstation und beugt sich über  Patientenakten. Es ist mittlerweile Nacht, draußen schlagen dicke Wellen gegen die Bordwand. Durch ein kleines Fenster kann man über ihre Zettel hinweg die Flüchtlinge sehen, die auf Pappkartons auf der Rampe schlafen. Und man sieht Ahmed, der sich wieder vor den Container gesetzt hat, in dem Zibo liegt.

Ein Mann trauert vor dem Kühlcontainer in dem die Leichen aufbewahrt werden

Ein Mann trauert vor dem Kühlcontainer in dem die Leichen aufbewahrt werden

"Natürlich kommen sehr viele, aber wir können sie doch nicht einfach sterben lassen", sagt Giovanna. Im Licht der Leuchtstoffröhren  ziehen sich ein paar graue Strähnen durch ihr Haar.

Während er auf die Ankunft in Italien wartet liest dieser Mann im Koran

Während er auf die Ankunft in Italien wartet liest dieser Mann im Koran

Und dann erzählt sie eine Geschichte. Von einer Rettung im  vergangenen Jahr. Die "Hestia" geriet an diesem Tag auf dem Weg  zurück nach Italien in einen Sturm. Das Schiff schwankte, und die Flüchtlinge hockten in Todesangst auf der Laderampe. Es gab noch kein Dach auf dem Schiff – sondern nur eine flattrige Plane. Also hatte die Ärztin afrikanische Musik aus ihrer Kajüte geholt und Lautsprecher aufstellen lassen. Plötzlich standen alle zusammen im Regen und tanzten, Helfer und Flüchtlinge. "Vor Menschen, die tanzen, braucht man keine Angst zu haben", sagt Giovanna. Für einen Moment ist alle Anspannung aus ihrem  Gesicht gewichen. 

Die Reportage über Bootsflüchtlinge ist dem aktuellen stern entnommen:


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