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24. Oktober 2008, 15:54 Uhr

Mission verfehlt

Lügen, Kriege, Wirtschaftskrise: Acht Jahre George W. Bush haben seinem Land, ja sogar der ganzen Welt geschadet. Er selbst zeigt keine Reue, noch nicht einmal in seinen letzten Tagen im Amt. Verlassen von vielen Vertrauten, bleibt Bush nur die Hoffnung auf den Lauf der Geschichte. Von Katja Gloger, Jan Christoph Wiechmann und Tobias Betz

Seine letzten Tage im Amt: US-Präsident George W. Bush© Alexis C. Glenn-Pool/Getty Images

Es sind noch 86 Tage. Dann wird er das Weiße Haus verlassen. Sein Nachfolger wird vor dem Kapitol seinen Amtseid ablegen, eine neue Zeit wird beginnen. Die Ära nach George W. Bush. Wie viele US-Präsidenten vor ihm, ist auch er eine "lahme Ente" in seinen letzten Wochen. Und doch ist etwas anders: So schlimm stand es seit Jahrzehnten nicht mehr um sein Land, sein Amt. Unpopulär? Das wäre noch ein Kompliment. Noch nie war ein Präsident so unglaubwürdig, wird selbst von seinen eigenen Wählern so verachtet. George W. Bush kennt seine Umfragewerte genau. Lange hat er dagegen gekämpft, war enttäuscht, wütend. Mittlerweile nimmt er sie als eine Art Ehrenabzeichen. Je schlechter seine Werte, desto selbstbewusster gibt er sich: "Nie habe ich daran gezweifelt, dass wir das Richtige tun", sagte er noch vor wenigen Monaten. "Nicht ein einziges Mal."

Bush war angetreten, Moral und Werte wieder fest im Weißen Haus zu verankern. Er war angetreten, eine "bescheidene Außenpolitik" zu betreiben. Zumindest hatte er dies im Wahlkampf versprochen. Acht Jahre später reibt man sich verwundert die Augen. Diesen Bush von 2000 hat die Welt nie kennengelernt.

Marvin Olasky schuf den Begriff "Compassionate Conservatism", mit dem Bush die Wahl 2000 gegen Al Gore gewann. Er wurde Bushs Freund und Berater und stellt heute fest, dass sie vieles nicht umsetzen konnten von dem, was sie sich vor acht Jahren gemeinsam vorgenommen hatten. Aus dem mitfühlenden Konservativen Bush wurde der polarisierende Hardliner, aus dem Versöhner der Spalter. Ein Kriegspräsident. Er hat zwei Kriege begonnen, und wusste danach nicht, wie er sie beenden sollte. Er hat die Bürgerrechte der Amerikaner beschnitten, die Vereinten Nationen belogen, das internationale Recht verachtet, Folter und Geheimgefängnisse geduldet und dem Ansehen Amerikas in der Welt geschadet. Er hat zu spät reagiert, als in New Orleans die Dämme brachen und die Finanzkrise lange geleugnet. Er ist ein Präsident, der vor seinen Trümmern steht.

"Um ihn herum herrscht Resignation", beobachtete der Starautor Bob Woodward, als er Bush im Mai interviewte. Im vergangenen Jahr haben gleich zehn seiner engsten Mitarbeiter das Weiße Haus verlassen. Sie alle atmeten auf, als sie endlich draußen waren, wieder leben durften.

Bush schaut nicht zurück

Er aber bleibt in seiner Festung, gefangen im Labyrinth seiner absoluten Wahrheiten. Er klammert sich an seine Rituale, den festen Tagesablauf. Um 5.00 Uhr aufstehen, die tägliche Bibellektüre, in den Zeitungen der Sportteil. Manchmal liest ihm Gattin Laura aus den beißenden Kommentaren der New York Times vor, das schluckt er dann. Um 6.30 Uhr beginnt sein Arbeitstag, um 16.30 Uhr eisern eine Stunde Workout, um 21.30 Uhr zieht er sich zurück. Nahezu fanatisch betreibt er Sport, sein Ventil. Er spricht dabei gerne von "Wettkampf". Aber er meint Kampf. Wer sich auf seiner Ranch in Crawford oder auf dem Übungsgelände des Secret Service bei Washington auf eine Mountainbike-Tour mit ihm einlässt, muss sich auf zwei Stunden Hoechsttempo durch unwegsames Gelände gefasst machen. Immer fährt er vornweg. Und schaut nicht zurück.

Denn Bush ist keiner, der reflektiert, der Dinge abwägt, der auch mal einen Fehler einräumt. Bush ist ein Entscheidungssüchtiger. "Er hinterfragt sich und seine Entscheidungen einfach nicht, so wie wir es meistens tun", berichtete sein langjähriger Freund Jim Francis einem Reporter der New York Times "Dies gibt ihm ein großes Gefühl der Sicherheit in seinem Amt."

Eine Sicherheit, die er vielleicht als Kind nie hatte. George W. Bush kämpfte immer bergauf, nie ging es dabei um Kompromisse. Er, der erstgeborene Sohn, der unter dem Zynismus und der Härte seiner Mutter aufwuchs, denn sein Vater war ja immer nur der ferne Strippenzieher: Niemals Gefühle zeigen. Niemals Zugeständnisse machen. Niemals aufgeben. Ängste? Wurden versteckt. Der reiche Senatorensohn mit Harvard Business School Abschluss, der schon aus Familientradition lässig den Anspruch formulieren konnte: Was ein Bush macht, ist eigentlich immer richtig. Zweifel? Waren nie erlaubt.

Lesen Sie mehr dazu...

Lesen Sie mehr dazu... in der Titelgeschichte "Der Ruinator" im neuen stern. Ein Porträt des US-Präsidenten George W. Bush, der das Ansehen Amerikas auf lange Zeit beschädigt hat.

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