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30. April 2010, 06:21 Uhr

Krawalle bei Protesten gegen Sparpaket

Mehr und mehr werden die Sparmaßnahmen der Regierung spürbar. Der Frust der Griechen bricht sich Bahn, bei Protesten kam es in Athen zu Ausschreitungen. Doch Griechenland hat keine Alternativen.

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Vor dem Finanzministerium in Athen: Aus dem Protest gegen den Sparzwang wurden Ausschreitungen© Louisa Gouliamaki/AFP

Bei Protesten gegen die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung ist es am Donnerstagabend in Athen zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um Dutzende demonstrierende Lehrer am Sturm auf das Finanzministerium zu hindern. Verletzt wurde niemand. Vor dem Parlamentsgebäude warfen etwa 50 Vermummte Steine auf Polizisten. Die Beamten gingen mit Schlagstöcken gegen die Randalierer vor.

"Es gab kleinere Rangeleien und wir haben mehrfach Tränengas abgefeuert", sagte ein Polizeisprecher. Festgenommen wurde demnach niemand. Die Demonstranten waren großenteils Anhänger der oppositionellen Partei Koalition der Linken und trugen Plakate gegen den IWF. Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und der Privatwirtschaft planen für den 5. Mai einen 24-stündigen Streik aus Protest gegen die Regierung.

Die Demonstrationen in der griechischen Hauptstadt richten seit geraumer Zeit gegen das immer spürbarere Rettungspaket, das die griechische Regierung im Kampf gegen die drohende Staatspleite schnürt. Zu den mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU ausgehandelten Maßnahmen gehören neben höheren Abgaben und Preisen auch Gehaltskürzungen, Einschnitte beim öffentlichen Dienst und für Rentner.

Steuern steigen, Zuschläge werden gestrichen

Nach einem Treffen von Ministerpräsident Giorgos Papandreou mit Spitzen von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden zeichnen sich weitere Einzelheiten des Sparpakets ab: Danach sollen die 13. und 14. Monatsbezüge für Staatsbediensteten sowie Rentner gestrichen werden. Die Mehrwertsteuer soll von 21 auf möglicherweise 23 Prozent klettern - es wäre schon die zweite Anhebung seit Jahresbeginn. Auch die Steuern auf Tabak, Spirituosen und Kraftstoff sollen steigen.

"Der Zeitplan für die Maßnahmen bei den Renten ist noch in der Diskussion", sagte Griechenlands Sozialminister Andreas Loverdos der "Financial Times". "Aber da ist nicht viel Spielraum - es geht darum, das Land vor dem Kollaps zu bewahren." Der öffentliche Dienst in Griechenland bekommt jährlich drei Saison-Zuschläge - zu Ostern, im Sommer und zu Weihnachten. Als weitere Maßnahme gilt die Anhebung des Rentenalters von 53 auf 67 Jahre. Das Paket soll 24 Milliarden Euro einsparen.

Voraussetzung für Hilfskredite

Die Maßnahme sind Voraussetzung für das Hilfspaket von IWF, Europäischer Zentralbank (EZB) und EU. Dazu gehöre auch, dass im staatlichen Sektor die Gehälter für mindestens drei Jahre eingefroren werden, hieß es. Das gleiche sei für die Privatwirtschaft erwünscht. Im Staatsdienst soll für unbestimmte Zeit ein Einstellungsstopp gelten. Gewerkschaften kritisierten die "harten und bitteren Maßnahmen". Beobachter befürchten daher wachsenden Widerstand in der Bevölkerung gegen die Sparzwänge. Es bleibt ungewiss, ob sich die Athener Regierung durchsetzen kann. Durch die drastischen Sparmaßnahmen könnte die griechische Wirtschaft vollends abgewürgt werden.

In der griechischen Hauptstadt sitzen zur Zeit Experten von EU, IWF, EZB und Griechenlands zusammen, um die Hilfen zu koordinieren. Die Euro-Länder wollen im ersten Jahr bis zu 30 Milliarden Euro schultern, der Internationale Währungsfonds (IWF) bis zu 15 Milliarden. Beschlossen wurden die Zahlungen insbesondere in der EU noch nicht.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 187)
 
Prologo (30.04.2010, 17:15 Uhr)
Da können wir uns die Finger Wund hacken,...

....Griechenland hat einen Super-Lenz geschoben, und sich mit Wohltaten auf Kosten der EU vollgestopft,....

....und keiner hats Jahrelang gemerkt. Wofür haben wir eigentlich die EU Zentale Brüssel, in der auch nur abgefackelte Politiker mit Wohltaten überhäzut werden??

Die EU ist mit seinen Länderregierungen finanzpolitisch ein ahnungsloser Idiotenhaufen, der von den Banken nach deren Vorteil manipuliert wird, und zwar immer zu Lasten des Volkes.

Die EU ist eine art AG mit 27 eigenständigen GmbH `s. Wobei sich keine einzige GmbH gegen Risiken absichern muss. Aber wenn was schief geht, dann müssen die guten GmbH`s einspringen, und die Saftladen GmbH mit eigenem Geld am überleben halten.
Ohne Aufsicht und ohne Kontrolle.

Die EU ist damit ein Haufen von 27 Staaten, wovon jeder Staat ganz autonom die anderen Staaten ruinieren kann.

Wie jetzt Griechenland, und so weiter u.s.w.!!!

Eine tolle Leistung unserer Politiker. Danke!!!

MfG,
T.
STR_EDDS (30.04.2010, 15:06 Uhr)
@trespuntos
Sie haben ein sehr bizarre Sicht auf den Verlauf des deutschen Wiederaufbaus, gelinde gesagt.
gstarguy (30.04.2010, 15:05 Uhr)
@trespuntos
Ihr Land (Griechenland) hat über Jahrzehnte zig- Milliarden bekommen. Griechenland hätte dieses Geld sinnvoll nutzen können. Das wurde aber vernachlässigt... Die Griechen dachten Sie wären im ewigen Schlaraffenland angekommen- ohne etwas dafür zu tun.

Andere Länder haben die Hausaufgaben gemacht. Ohne Zuschüsse haben es die Neuanwärter Europas geschafft die eigenen Wirtschaft halbwegs in den Griff zu bekommen. Schauen Sie sich doch bitte mal die Slowakei oder Polen an.

Griechenland hatte soviele Chancen. Anstatt zu jammern sollte man jetzt anpacken und versuchen Reformen anzustoßen.
gstarguy (30.04.2010, 15:01 Uhr)
@trespuntos
Dafür hat Deutschland einen hohen Preis bezahlt. Wir waren der Puffer zwischen den Mächten während des kalten Krieges. Bei uns wären im Falle eines Atomkrieges zuerst die Bomben gefallen.

2. Die Einwanderer kamen als es Deutschland wieder besser ging- nämlich während der Boomzeit. Zuvor hatten die Deutschen schön selber das Land aufgebaut. Oder sind Sie wirklich so naiv... Die Maschinen aus USA und England kamen nicht über Nacht nach D.

3. Die "billigen Arbeitskräfte" haben dafür gutes Geld bekommen. Konnten ihre Familien unterstützen, diese Nachziehen lassen und erhalten vom Deutschen Staat auch eine Rente- mit der sie in der Heimat wunderbar leben können. Sie tun grad so als wären das Sklaven gewesen die kostenlos gearbeitet haben.

Tun Sie bitte nicht als hätte man uns das alles geschenkt.

Trallallaa (30.04.2010, 15:00 Uhr)
Edit: Zum Thema, "die Politiker sinds"
Du bist was du isst und du isst was du wählst, das ist überall so.

Hier hat man Kanzlerin Valium schliesslich auch nochmal 4 Jahre geschenkt.
Trallallaa (30.04.2010, 14:58 Uhr)
@trespuntos
Was die Hilfestellung nach dem 2. Weltkrieg angeht haben sie sicher nicht Unrecht. Aber das was daraus entstanden ist, ist durchaus auch dem Volk zu verdanken, die Ausländer schliesse ich mit ein. Das ist allerdings noch keine Garantie für eine florierende Wirtschaft. Sie könnten den Spiess aber auch umdrehen und sich fragen was Griechenland mit der Hilfestellung EU gemacht hat. Es gibt auch positivere Beispiele aus dem Süden. Ihre Meinung in allen Ehren, aber ihre Heimat hat Schei*** gebaut, die EU ebenso und gepennt haben sowieso alle. Sagen wir es doch so wie es ist.

Landesinterne Proleme interessieren doch sowieso nie jemanden sofern es nicht die eigenen sind und WER bitteschön ist denn heute noch in die Ideologie des vereinten Europa verschossen?
Die Schweizer lachen sich sicher gerade wieder in ihr egozentriches Fäustchen.
rockyciano (30.04.2010, 14:46 Uhr)
Liebe Leute......
wir sollten erstmal tief Luft holen und runter kommen.........

Die Strategie und das Kalkül von Politik und Medien scheint ja aufzugehen........

Wir sollten uns nicht ablenken und beunruhigen lassen sondern unser Augenmerk auf unsere Probleme richten.
Das ganze Dilemma spiegelt doch die Unfähigkeit der Politik wieder.Jetzt haben wir doch den Beweis,es sitzen die falschen PERSONEN in den Ämtern - keine Fachkompetenz,keine Qualifikation.Jeder Buchhalter wäre besser geeignet.

Die Griechen werden jetzt Jahrzehnte damit verbringen diesen Schlamassel zu
beheben - mit erheblichen Einschnitten.

Nun stellt sich die Frage: Sind wir bereit , für unsere unfähigen Politiker den Kopf und unseren Geldbeutel hinzuhalten???!!
trespuntos (30.04.2010, 14:42 Uhr)
@gstarguy
und noch was, Athen hat genau das gegenteil an schlechter Luft! Hat sogar spitzenwerte in Europa. Über 800 Busse, Gasbetrieben, gibt es in Athen. Rekord in Europa.
trespuntos (30.04.2010, 14:40 Uhr)
@gstarguy
Nun, den Umstand der Jugendlichen die noch bei Mama und Papa wohnen, wollen wir ja nicht vertiefen, die familiären Werte zählen noch in Griechenland. Ist eine ganz andere Welt als diese hier in Deutschland. In Italien und Spanien ist es genau so. Sie reden hier von "Sachwerte". Wie sind diese den entstanden? Hat Deutschland diese immer schon gehabt? Oder haben andere Länder dafür gesorgt das Deutschland diese bekommt? Deutschland hat diese Industrie von Heute nicht von alleine aufgebaut, andere Länder haben die Industrie aufgebaut. Deutsche Industriemaschinen gab es nach dem 2WK noch nicht. England und die USA haben sehr stark hier investiert. Warum wohl hat Deutschland, anfang der 50er Jahre, Europa gebeten, Gastarbeiter hier zu schicken? Alle Griechen, Italiener, Spanier usw. sind hierhergezogen um Deutschland zu Unterstützen, natürlich waren diese Menschen in ihrem eigenem Land Arbeitslos, und waren froh hier Arbeit gefunden zu haben. Diese Arbeitskräfte waren sehr sehr billig. Man sollte immer mal darüber nachdenken wie man selbst vorher gelebt hat bevor man andere kritisiert wie sie jetzt leben.
gstarguy (30.04.2010, 14:27 Uhr)
@muemmelfrau
Sie wissen aber schon, dass Griechenland mit die schlechteste Luft in Europa hat?
Nix da mit frischer Luft. Aufgrund der geographischen Gegebenheiten hat Athen die schlechteste Luft in ganz Europa.
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