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27. Dezember 2007, 07:09 Uhr

Acht Jahre Arbeitslager

Im Prozess um die versuchte Entführung von 103 Kindern aus dem Tschad hat ein Gericht die französischen Angeklagten zu jeweils acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Frankreich wünscht eine Überstellung der vier Männer und zwei Frauen.

Zwei Angeklagte auf dem Weg in den Justizpalast© Luc Gnago/Reuters

Die sechs Mitarbeiter der Hilfsorganisation "L'Arche de Zoe" hätten die Kinder illegal nach Europa bringen wollen, urteilte das Gericht in der Hauptstadt N’Djamena am Mittwoch. Es ordnete zudem eine Entschädigungszahlung von umgerechnet 60.000 Euro pro Kind an, was sich bei 103 Fällen auf 6,2 Millionen Euro summiert. Die Franzosen hatten die Vorwürfe bestritten und erklärt, sie hätten kranke und verarmte Waisen aus humanitären Gründen ausfliegen wollen.

Frankreich kündigte unmittelbar nach dem Urteil an, eine Überstellung der vier Männer und zwei Frauen zu beantragen. Beobachter hatten bereits erwartet, dass sich beide Länder auf einen solchen Schritt einigen. Der ölreiche Tschad in Zentralafrika ist eine ehemalige französische Kolonie.

Geld von den Pflegefamilien

Die Beschuldigten waren bei dem Versuch festgenommen worden, die Kinder nach Europa auszufliegen. Die Angeklagten hatten in dem viertägigem Verfahren erklärt, sie hätten sowohl die französischen als auch die tschadischen Behörden über ihr Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Man habe den Kindern aus der westsudanesischen Krisenregion Darfur ein besseres Leben in Europa verschaffen wollen. Darfur grenzt an den Tschad. Die Kinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren sollten in Gastfamilien unterkommen, die pro Kopf mehrere tausend Euro bezahlt hatten. Einige der mutmaßlichen Waisen haben aber ausgesagt, ihre Eltern seien noch am Leben. Sie seien vielmehr mit dem Versprechen von Süßigkeiten und Keksen aus ihren Dörfern im Grenzgebiet zwischen dem Tschad und dem Sudan gelockt worden.

In den Fall, der in Frankreich hohe Wellen schlägt, hatte sich auch Präsident Nicolas Sarkozy eingeschaltet und im November die Freilassung von sieben mitbeschuldigten Europäern erreicht. Der Präsident hätte es begrüßt, wenn den Helfern daheim der Prozess gemacht worden wäre. Er hatte auch mit seinem tschadischen Kollegen Idriss Deby über das Verfahren gesprochen. Deby forderte aber harte Strafen. Er hatte nicht ausgeschlossen, dass die Kinder an einen Pädophilen-Ring verkauft oder als Organspender missbraucht worden wären. Frankreich ist ein Verbündeter von Deby und hat Soldaten im Tschad stationiert.

Reuters

 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Spocks_Kommentar (27.12.2007, 15:28 Uhr)
Menschenhandel
Man weiß:
Die neuen Eltern haben im Schnitt 2.400 Euro bezahlt.
Die Organisation wollte 10.000 Kinder schleppen.
Macht 24 Mio Umsatz.
Das ist Menschenhandel im großen Stil.
Hoffentlich werden die nicht ausgeliefert - afrikanischer Strafvollzug ist da genau richtig.
Clamaria (27.12.2007, 14:04 Uhr)
Mit Vorsatz
Ich denke , das Urteil ist von vornherein schon so gefällt worden, damit den Franzosen nichts anderes übrig bleibt, als ihre Landsleute für viel Geld freizukaufen.
faustjucken_de (27.12.2007, 12:58 Uhr)
Mal sehen, was das Freikaufen kostet?
Schätze, nochmal 1 Mio pro Kopf.
Damit zahlen die ehemaligen Kolonien es ihren "Herren" heim.
Auch schön, kann sich irgendein Provinzmufti wieder neue Waffen von kaufen
provocateur (27.12.2007, 12:56 Uhr)
Die Welt ist krank...
...und der Arzt hat frei. An den EU-Außengrenzen lässt man Flüchtlinge ersaufen, im Tschad inhaftiert man Menschen, die sich über diese Abschottungspolitik hinwegsetzen und wenigstens ein paar Kindern ein besseres Leben ermöglichen wollen. Auch wenn einige dieser Kinder noch Eltern haben, was nützt das den Kindern, wenn die Eltern sie nicht ernähren können? Wer würde da nicht ein oder zwei Kinder weggeben, in der Hoffnung später vielleicht von Ihnen, wenn Sie in Europa leben und arbeiten, hin und wieder mal etwas Geld für die Familie geschickt zu bekommen? Und der Vorwurf, diese Kinder sollten als Grauimport für die Pädophilen-Szene oder als lebende Organspender nach Europa gebracht werden ist doch völlig abstrus, absurd und banane.
hevosenkuva (27.12.2007, 11:37 Uhr)
Hybrid
wäre es, auf Basis der unvollständigen Informationen und ohne echte, umfassende Fakten sich ein Urteil zu bilden.
catchme (27.12.2007, 11:29 Uhr)
recht so !
Es handelt sich nicht um eine humanitäre Hilfsorganisation sondern um eine kriminelle Vereinigung, die am Leid der dritten Welt Geld verdienen möchte ... ein erneuter Beweis, dass keine Spende Sinn macht ! Es ist zu hoiffen, dass diese Geschäftemacher lange weggesperrt bleiben - als Strafe und als Abschreckung !
reinhard44 (27.12.2007, 11:16 Uhr)
Hybris
Wenn man die Hybris dieser vermeintlichen "Gutmenschen"bedenkt, zumal finanzielles Gewinnstreben wahrscheinlich noch dazu gehört, ist die Bestrafung nicht ganz Ungerecht.
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