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29. November 2011, 12:39 Uhr

Serbien erhebt Vorwürfe gegen deutsche KFOR-Soldaten

Nach Auseinandersetzungen an der Grenze zum Kosovo hat Serbien einen Einsatz der internationalen Schutztruppe KFOR scharf kritisiert, an dem auch deutsche Soldaten beteiligt waren. Bei Zusammenstößen waren dort mehr als 20 Soldaten und dutzende Zivilisten verletzt worden.

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Deutsche und österreichische KFOR-Soldaten gehen gegen Barrikaden der serbischen Bevölkerung im Kosovo vor© Bojan Slavkovic/Reuters

Serbien hat nach Zusammenstößen im Nordkosovo schwere Beschuldigungen gegen deutsche Soldaten der internationalen Schutztruppe KFOR erhoben. "Ich bin enttäuscht über das Verhalten der deutschen Soldaten, weil sie überhaupt keinen Grund hatten, gestern den Zwischenfall hervorzurufen", sagte der Staatssekretär im serbischen Kosovo-Ministerium, Oliver Ivanovic, am Dienstag im regionalen Fernsehen in Zvecan.

Bei Zusammenstößen zwischen KFOR-Einheiten und Serben im Dorf Jagnjenica westlich der Stadt Mitrovica waren am Montag 25 deutsche und österreichische Soldaten durch Feuerwerkskörper und Molotowcocktails verletzt worden. Zwei Deutsche hatten Schussverletzungen erlitten. Auf der anderen Seite waren wenigstens 30 Serben durch Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse verletzt worden. Der serbische Minister für Kosovo, Goran Bogdanovic, sprach von bis zu hundert verletzten Zivilsten.

Serbische Zeitungen berichteten in Belgrad, die KFOR-Soldaten hätten ohne Vorwarnung manchmal aus nur drei Metern Entfernung Gummigeschosse abgefeuert. Auch seien "Schockgranaten" eingesetzt worden. Nach Darstellung von Ivanovic müssen sich "besonders die deutschen Soldaten" darauf einstellen, dass sie "in einer Umgebung sind, wo sie nicht willkommen sind".

Bundeswehrverband warnt vor Spannungen im Kosovo

Der Streit um die Grenzkontrollen im serbisch dominierten Norden des Kosovo führt seit Monaten zu heftigen Konflikten zwischen den KFOR-Soldaten und der Bevölkerung. Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbands, Oberst Ulrich Kirsch sagte zu dem Vorfall: "Bei aller notwendigen Aufmerksamkeit für Afghanistan dürfen wir den Kosovo-Einsatz nicht aus dem Auge verlieren. Die Sicherheitslage dort hat sich in den letzten Monaten deutlich verschlechtert." Es sei offensichtlich, dass der ursprüngliche Plan einer deutlichen Truppenreduzierung jetzt nicht mehr haltbar sei. Deutschland ist mit über 1400 Soldaten an dem Einsatz der Kfor beteiligt, die den Auftrag hat, die Region zu stabilisieren. Seit einem Jahr sollen die KFOR-Truppen reduziert werden. Tatsächlich stieg die Anzahl stationierter Soldaten seit den Spannungen im Juli wieder an.

Am Dienstagmittag standen sich weiterhin aufgebrachte Serben und Soldaten unmittelbar Auge in Auge gegenüber. Sie wurden nur durch Stacheldraht getrennt. Die KFOR-Führung hatte Serbenführer erneut zu Verhandlungen eingeladen, die zum Abbruch der serbischen Proteste führen sollen. Am Vorabend hatte die KFOR in einer Pressemitteilung erklärt: "Die Demonstranten können auf gar keinen Fall mehr als friedlich, sondern nur als gewalttätig und kriminell bezeichnet werden".

Die Serben haben seit mehreren Monaten den Norden des Kosovos durch rund 20 Barrikaden blockiert. Sie wollen damit erreichen, dass von zwei Grenzübergängen Zöllner und Polizisten der albanisch geführten Kosovo-Regierung abgezogen werden. Die KFOR hatte wiederholt den Abbau der Straßensperren verlangt und auf ihren Auftrag verwiesen, für uneingeschränkte Bewegungsfreiheit zu sorgen.

seh/DPA/AFP
 
 
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