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21. Oktober 2007, 17:44 Uhr

Schweizer goutieren Blochers Kampagne

Es gab Krawalle, Rassismusvorwürfe, sogar eine Rüge der Vereinten Nationen. Das alles hat die Schweizer nicht davon abhalten können, der konservativen Schweizerischen Volkspartei des Milliardärs Christoph Blocher am Sonntag einen überragenden Wahlsieg zu bescheren.

Weiße Schafe werfen schwarze Schafe aus der Schweiz: Die französische Version des umstrittenen Wahlplakats der Blocher-Partei SVP. Auf Deutsch lautet der Slogan "Sicherheit schaffen"© AFP

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) des Milliardärs und Justizministers Christoph Blocher hat nach einem von fremdfeindlichen Parolen geprägten Wahlkampf bei den Parlamentswahlen noch mehr Stimmen geholt als erwartet. Dennoch will sie das fein austarierte politische Gefüge des Landes nach den Worten ihrer Führungsspitze nicht zu ihren Gunsten verändern.

Gemäß einer Hochrechnung des Schweizer Fernsehens vom Sonntagabend kann die SVP mit 28,8 Prozent der Stimmen rechnen und baut somit ihre Position als stärkste politische Kraft im Land aus. Mit diesem Ergebnis hätte sie im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren 2,1 Prozentpunkte zugelegt, was in den traditionell festgefügten politischen Strukturen des Landes einen ungewöhnlichen Erfolg darstellt. Seit über 85 Jahren hat keine Partei einen größeren Stimmenanteil bei den Wahlen zum 200 Mitglieder umfassenden Nationalrat auf sich vereinen können.

Sozialdemokraten verlieren erheblich

Ebenfalls zu den Siegern dürften sich der Hochrechnung zufolge die Grünen mit einem Plus von 1,8 Prozentpunkten auf 9,5 Prozent rechnen. Sie bleiben damit aber unter der angepeilten Marke von zehn Prozent. Großer Verlierer sind die Sozialdemokraten, die laut der Hochrechnung 4,2 Prozentpunkte auf 19,1 Prozent abgeben mussten. Die FDP verzeichnete Verluste von 1,4 Prozentpunkten auf 15,9 Prozent, während die Christdemokraten (CVP) mit 14,6 Prozent sich um 0,2 Prozentpunkte kaum verbesserten.

"Das Wahlergebnis zeigt, dass die SVP-Politik richtig ist", sagte Parteichef Ueli Maurer. Die von der SVP angesprochenen Themen wie Ausländerkriminalität oder Asylmissbrauch bewegten offenbar auch die Bürger. Die Partei hatte die Schweiz unter anderem mit Plakaten überzogen, auf denen possierliche weiße Schafe einen Artgenossen mit schwarzem Fell - der für einen kriminellen Ausländer steht - mit ihren Hinterläufen aus dem Land treten. Die Kampagne hatte selbst im Ausland für Schlagzeilen gesorgt und war von den Vereinten Nationen als rassistisch gebrandmarkt worden.

"Wir stehen zur Konkordanz"

Auch in anderen inhaltlichen Positionen sieht sich die SVP durch den Wahlausgang bestätigt. "Der EU-Beitritt muss nun aus den letzen Köpfen sein", sagte Maurer. Der starke Mann der SVP, der 67-jährige Blocher, musste sich dagegen am Wahlabend in ungewohnter Zurückhaltung üben, da Regierungsmitglieder ein Wahlergebnis in der Schweiz üblicherweise nicht kommentieren.

An der Zusammensetzung der Regierung dürfte der Wählerzuspruch für die SVP nichts ändern. Denn in der Schweiz sind alle großen Parteien in der siebenköpfigen Regierung vertreten, und Entscheidungen werden nach außen hin stets gemeinsam vertreten, was auch als Konkordanz-Prinzip bekannt ist. Maurer signalisierte, daran festzuhalten: "Wir stehen zur Konkordanz, die Schweiz kann nur in Konkordanz regiert werden."

Verlierer machen Blochers Vermögen für Niederlage verantwortlich

Der Präsident der unterlegenen SP, Hans-Jürg Fehr, sieht in den ungleich gefüllten Kriegskassen der Parteien einen Grund für das schlechte Abschneiden: "Die SVP hat mit sehr, sehr viel anonymem Geld den Wahlkampf bestimmt. Mich würde es reizen, mal 15 Millionen Franken für den Wahlkampf zu haben - und die anderen nur eine Million." Er spielt damit auf Blochers milliardenschweres Vermögen an, mit dem angeblich der SVP-Wahlkampf unterstützt wurde. In der Schweiz muss die Parteinfinanzierung nicht veröffentlicht werden. Blocher legte einst mit dem Spezialchemie-Konzern Ems-Chemie den Grundstein für sein Vermögen und zählt heute unter anderem eine Burg in Graubünden zu seinem Besitz.

Insgesamt waren 4,9 Millionen Schweizerinnen und Schweizer zur Wahl aufgerufen. Wohl vorrangig aufgrund des polarisierenden Wahlkampfs des Blochers dürfte die Wahlbeteiligung erstmals seit mehr als 30 Jahren wieder über 50 Prozent gelegen haben. "Die Emotionalisierung des Wahlkampfs hat Mitte August mit dem Wahlkampf der SVP eingesetzt und damit auch die Wahlbeteiligung angekurbelt", sagte Claude Longchamp vom Meinungsforschungsinstitu gfs.bern. 2003 hatten nur etwa 45 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
German_by_nature (22.10.2007, 20:53 Uhr)
SVP = Schutz europäischer Identität
Das Programm der SVP dient auch dem Schutze Europas und ist ein Multiplikator für national konservative Wertvorstellungen. Für ein Europa der Vaterländer und wider dem multikulturellen Zerfall.
Danke SVP. :-)
davidherzig (22.10.2007, 20:26 Uhr)
@Oetker333 - Geschichtsstunde verpennt?
1. Die Schweiz war während des 2.WK von den Achsenmächten umschlossen. Als rohstoffarmes Land ist man da gezwungen, Handel zu betreiben, schliesslich gings ums eigene überleben.
2. die Deutschen haben de Krieg begonnen. Wenn du, lieber Oetker333, nun dies der Schweiz unterschieben willst, hast du wohl in der Schule gepennt...
3. wenn die Schweiz soooo böse mit den Deutschen umgeht, frage ich mich, weshalb jedes Jahr mehr von ihnen sich dort niederlassen.
4. die SVP zu wählen ist das gute Recht der Schweizer Stimmbevölkerung. Auf Wahlen à la DDR-Manier verzichtet wir (Anm.: ich bin Schweizer, hast du sicher gemerkt) gerne.
Oetker333 (22.10.2007, 18:17 Uhr)
Tja die Schweiz
Typisch Schweiz! Hatten sich während des Zweiten Weltkrieges Deutschland finanziell unterstützt. So konnten sie sich über den Krieg totlachen während an den Grenzen die Bomben fielen. Die Schweizer denken halt nur an sich! Man sollte auch daran denken das die SVP die Zahl deutscher Studenten und Einwanderer in der Schweiz drastisch verringern will. Viele vergessen das die Deutschen dort auch als Ausländer gelten! Man sollte das Land wirtschaftlich boykottieren, die Grenzen sperren und die EU-Verträge auflösen. Dasselbe hat man ja auch mit der demokrat. gewählten Hamasregierung gemacht. Wieso macht man sowas auch nicht mit der Schweiz?
P.S. Ich würde es gut finden wenn es so eine Partei in Deutschland gäbe, denn dann würden die Union ihre eigene "Linkspartei" haben die mit Populismus ihre Stimmen klauen.
albundy69 (22.10.2007, 13:24 Uhr)
@ mupfeline
Da wir uns bereits "kennen" kann ich mir alles zu Ihrem Kommentar sparen, was Sie irgendwie zum "nachdenken" bringen könnte !
Nur sowiel sei hier richtiggestellt:
Das hier ist das 21. Jahrhundert, Das hier ist das Internet und das hier sollte ein grenz-freies Forum sein, wo solche Abstrusitäten wie "deutsches Forum" überwunden sin. Wir sollten uns langsam dran gewöhnen, dass andere Menschen auch Themen besetzen und verteidigen können. P.S. Wenn dieser Grund und Pixelboden wirklich "deutsch" sein sollte, wieso haben Sie sich dann vor 3 Wochen für das "Ausland" (Birma-->you remember ?)stark gemacht und Andersdenkende mit martialischen Worten geschunden ????
cocowesten (22.10.2007, 12:24 Uhr)
Kritik an Mupfeline
Hallo Frau Mupfeline,
wie kommen sie denn darauf, dass man in diesem Forum den Wahlausgang nicht kritisch kommentieren darf? Selbstverständlich darf man das! Oder dürfen es nur diejenigen nicht, deren Meinung nicht Ihre werte Zustimmung trifft? Wer hat denn hier nun das Recht der freien Meinungsäußerung für sich gepachtet?
Viel Spaß beim selbstkritischen Hinterfragen Ihrer Ansichten.
mupfeline (22.10.2007, 11:36 Uhr)
Peinlich, peinlich, was manche Schreiberlinge
hier ablassen. Die Schweizer sind eine eigenständige und souveräne Nation mit mündigen Bürgern. Oder stehen sie vielleicht unter rot-grüner deutscher Vormundschaft ...
Wir haben diese Wahlenscheidung zu akzeptieren - ob es uns passt oder nicht.
Und "Blocher raus" kann man vielleicht in einem schweizer Forum grölen aber nicht hier. HIER ist ein deutsches Forum und da hat man souveräne Wahlenscheidungen zu akzeptieren. Es liegt im übrigen an den schweizerischen Parteiführungen ob sie sich zu einer Koalition zusammenfinden um die Blochersche Partei zu überstimmen. Dumpfes Gegröle nach dem Motto "Blocher raus, neue völkische Tendenzen usw." die sind hier fehl am Platz. Oder haben die betreffenden Schreiberlinge das Recht auf die Wahrheit gepachtet? Dann schlage ich vor, solange Wahlen abzuhalten bis das gewünschte Ergebnis erzielt wurde ...!
cyrano (22.10.2007, 10:58 Uhr)
Blocher Raus
Das Konkordanz-System hat sich überlebt. Es war Ausdruck des Konsenses der Demokraten. Eine Partei wie die SVP, die sich so deutlich rechts des demokratischen Spektrums positioniert, und dank dem Blocher-Geld auch noch Erfolge einfährt, sollte an der Schweizer Bundesregierung nicht mehr beteiligt werden. Mehr als 70% der Wähler haben sich gegen die rechtsradikale Hetze dieser Typen entschieden. 70% sind eine mehr als ausreichende Mehrheit für eine demokratische und liberale Regierung.
Fesche_Lola (22.10.2007, 10:20 Uhr)
Die Schweizer dürfen das, warum nicht auch wir?
Ich finde es wichtig, zu betonen, dass die SVP KEINE Rechtsradikale Partei ist. Sie haben eifach das ausgesprochen, was viele bewegt und was ein Problem ist! Übrigens auch hier. Der Unterschied ist leider, dass man in der Schweiz nicht gleich in die Nazi-Ecke gestellt wird, wenn man etwas gegen "die schwarzen Schafe" sagt. Wie mistpilz schon sagte:"deutschland braucht keine NPD, aber einse SVP fehlt hierzulande auf's dringendste!" Dem kann ich mich nur anschliessen.
-
Bezeichnend finde ich den Beitrag von DasBertl, der pauschal alles in die Nazi-Ecke drängt, und dabei wild um sich pöbelt. Viel Text, aber inhaltlich am Thema vorbei!
mistpilz (22.10.2007, 09:48 Uhr)
dito
ich gebe davidherzig recht...
deutschland braucht keine NPD, aber einse SVP fehlt hierzulande auf's dringendste!
leider wird man in deutschland vorschnell in die rechtsradikale ecke gesteckt, wenn man auch nur minimale kritik gegen "nicht gebürtig deutsche" verlauten lässt! die folgen sind dann leider, dass es NUR extreme rechte parteien und gruppierungen gibt, die sich nicht genieren und sich hemmungslos zu ihrer verirrten weltanschauung öffentlich bekennen - oder dass kleine und große probleme in der imigrations- und ausländerpolitik garnicht erst angepackt, bzw. gänzlich ignoriert werden! eine eskalation des ganzen hat längst begonnen... mehr und mehr menschen wählen die NPD, da es eifach keine alternativen und mittelwege dazu gibt!
sämtliche straftaten mit denen ich, bekannte und freunde als opfer in berührung gekommen sind, wurden durch ausländer verübt! das ist keine volkshetze, kein rasismus und kein schlechter traum, sondern leider eine TATSACHE! auch wenn ich persönlich keine rechten parteien wähle, weil mir diese zu extrem sind, so bin ich auch mit dem laschen umgang der übrigen parteien mit diesem thema mehr als unzufrieden und kann es durchaus in zügen nachvollziehen, was menschen mit einem gesunden menschenverstand (also alle AUSSER unsere nazi-deppen und glatzen) dazu bewegt die NPD zu wählen!
ich habe eine gebürtig asiatische verlobte und einen gebürtig türkischen besten freund! beide gehen wählen, und beide denken ähnlich wie ich! aber als äußerlich "nicht deutsche" können sie den mund aufmachen und die kritik beim namen nennen - ich kann es nicht, denn ich wäre ja sonst ein nazi! müssen denn erst nicht-deutsch-stämmige eine partei starten, die dafür sorgt dass bei zuwanderern schärfer auf imigrationswillen geachtet wird? ich finde das sehr traurig! der schuss geht total nach hinten los...
dass hierzulande jeder den kopf in den sand steckt wenn es um das thema ausländer geht, spielt den wirklichen nazis doch nur den ball in die hände!!
Bruno-Z (22.10.2007, 08:35 Uhr)
Da könntet ihr was lernen
Die bürgerliche SVP konnte bei den Wahlen in der Schweiz zulegen. Ich selber habe nicht SVP gewählt, muss aber trotzdem klarstellen, dass es sich dabei nicht um eine rechtsextreme Gruppierung handelt. Probleme mit Nazis kennen wir in der Schweiz auch, allerdings sind diese mit den rechtsextremen Bewegungen in Deutschland nicht zu vergleichen. Die Parolen der SVP sind mit dem Anti-Rassismus-Gesetz der Schweiz vereinbar – ansonsten wären die Parolen während des Wahlkampfs verboten worden.
Was die politische Kultur der Schweiz betrifft, könntet ihr Deutschen durchaus was lernen. In der Schweiz brauchen wir nicht monatelange Koalitionsverhandlungen, wir kümmern uns lieber sofort um die politischen Geschäfte. Dabei setzten wir auf Kontinuität und Konkordanz, dass heisst, dass alle grösseren Parteien in der Regierung vertreten sind. Freundliche Grüsse aus der Schweiz und weiterhin viel Spass beim Gezänke von CDU, CSU, SP, Grüne, FdP und NPD...
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