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15. März 2008, 16:27 Uhr

Neue Unruhen in Lhasa

Auch am Samstag ist es in der tibetischen Hauptstadt Lhasa wieder zu Demonstrationen gekommen. Chinesische Sicherheitskräfte seien gegen den Protest vorgegangen, hätten in die Luft geschossen und Tränengas eingesetzt, hieß es. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief Demonstranten wie Sicherheitskräfte zur Mäßigung auf.

Erneute Ausschreitungen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa© AP/CCTV

Einen Tag nach den schweren Unruhen in Tibet sind am Samstag vereinzelt neue Proteste ausgebrochen. Nach Augenzeugenberichten sollen chinesische Sicherheitskräfte wieder geschossen haben. In der tibetischen Hauptstadt Lhasa, die am Vortag Schauplatz schwerer Ausschreitungen war, seien am Nachmittag trotz des massiven Sicherheitsaufgebots wieder Demonstranten auf die Straße gegangen, berichtete die Organisation Free Tibet Campaign unter Hinweis auf ein Interview des britischen Fernsehsenders ITV mit einem Ausländer in Lhasa. Es seien Schüsse zu hören gewesen.

Auch buddhistische Mönche des Labrang Tashikyil Klosters in Sangchu in der chinesischen Provinz Gansu haben nach exiltibetischen Angaben wieder demonstriert. Ihnen hätten sich einfache Tibeter angeschlossen, berichtete das in Indien ansässige Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD). Die Demonstranten, die nach Unabhängigkeit für Tibet gerufen und ihre Unterstützung für den Dalai Lama bekundet hätten, seien zum Sitz der Kreisregierung von Sangchu gezogen.

Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein

Paramilitärische chinesische Sicherheitskräfte seien gegen den Protest vorgegangen, hätten in die Luft geschossen und Tränengas gegen die Mönche eingesetzt, berichtete die Organisation. Es habe Festnahmen gegeben. Auch sollen Demonstranten von Sicherheitskräften verprügelt worden sein. Genaue Zahlen seien aber nicht bekannt.

Die Bundesregierung hat unterdessen zu einem direkten Dialog zwischen der chinesischen Regierung und dem religiösen Führer der Tibeter, dem Dalai Lama, aufgerufen. Nur so könne eine nachhaltige Lösung der Tibetfrage gefunden werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Angaben von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. In Berlin und Frankfurt am Main demonstrierten nach Angaben der Polizei jeweils rund 70 Tibeter vor den chinesischen Vertretungen. In Frankfurt kam es dabei zu einer "kleineren Rangelei" zwischen Demonstranten und Polizisten.

Merkel äußerte sich besorgt über die Unruhen. "Gewalt - egal von welcher Seite - führt zu keiner Lösung der offenen Fragen", sagte sie. Es sei deshalb umso wichtiger, dass Demonstranten wie Sicherheitskräfte zur Mäßigung aufgerufen und die Rechte der Einzelnen geachtet würden.

Grünen-Chefin Claudia Roth forderte, Druck auf China auszuüben und so die "brutale Unterdrückung der Tibeter" zu beenden. "Das brutale Vorgehen ist eine Schande für die chinesische Regierung und wirft einen blutigen Schatten auf die Olympischen Spiele." Die Grünen- Politiker Jürgen Trittin und Volker Beck forderten China auf, sich Gesprächen mit dem Dalai Lama nicht länger zu verweigern.

China will mit aller Härter vorgehen

SPD-Chef Kurt Beck pochte auf die "Unteilbarkeit der Menschenrechte". "Insoweit werden immer alle Gelegenheiten genutzt, auch China gegenüber, eine entsprechende politische Haltung einzufordern", sagte er bei einem Auftritt in Mannheim.

Trotz Berichten viele Tote bei den schweren Zusammenstößen in Lhasa und internationalen Forderungen nach Zurückhaltung will China die Unruhen in Tibet mit Härte unterdrücken. Gegen die Demonstranten werde barsch vorgegangen, sagte der von Peking bestellte Vorsitzende der Regierung der autonomen Region Tibet, Champa Phuntsok.

Die tibetische Exilregierung in Indien berichtete von mehr als 100 Todesopfern - zehn Mal soviel wie die amtlichen chinesischen Medien. Mindestens 30 Tote seien bestätigt, heißt es in einer von der Exilregierung in Dharmsala veröffentlichten Erklärung. Für mehr als 100 Todesopfer gebe es bislang noch keine Bestätigung. Nach chinesischen Berichten sind Demonstrationen buddhistischer Mönche zum Jahrestag der Niederschlagung des Aufstandes der tibetischen Bevölkerung gegen die chinesische Herrschaft 1959 am Montag in Gewalt umgeschlagen. Mindestens zehn Menschen seien getötet worden. Die Zusammenstöße in Lhasa sind die schwersten seit 20 Jahren.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
mamboklaus (16.03.2008, 09:50 Uhr)
Was wahr ist weiß niemand, deswegen
sollte man sich bedeckt halten, und beide Seiten zum friedlichem Dialog aufrufen. Das die Unruhen genau jetzt und in solcher Härte auftreten ist Erpressung seitens der Tibeter, und dass China nicht zum Dialog aufruft ist ungeschickt.
Nur, wer hat vor 40 Jahren (USA/My Lai)die USA zur Mäßigung aufgerufen, geschweige denn boykottiert? Es ist nun mal wieder so dass der Chinese grundsätzlich böse ist-die USA (noch) immer Freibriefe für alles hat. Also gemach und gut beobachten bevor man hier einseitig Stellung bezieht.
H.P. (16.03.2008, 08:44 Uhr)
Lehre des Buddhas

Wahres Glück kommt zu denen,
die in Frieden mit ihren Mitmenschen leben.
Das Ziel aller sollte sein,
Frieden zu erlernen
und mit allen Menschen in Frieden zu leben.
Keiner soll den andern hintergehen,
soll um nichts ihn je verachten,
ohne Feindschaft, ohne Hassgefühl
nicht dem Nächsten Übles wünschen.
Liebe soll durchleuchten so die ganze Welt,
soll sie bergen in der eignen Brust:
oben, unten, mitten quer hindurch
soll sie strahlen, ohne Grimm und Groll.
Denn niemals hört im Weltenlauf
die Feindschaft je durch Feindschaft auf.
Durch Liebe nur erlischt der Hass.
Ein ewiges Gesetz ist das.
(Dhammapada 3-5)
Texte aus den Heiligen Schriften der Weltreligionen zum Thema Frieden
Religion der Hindus
Der Tor erlangt den Frieden nicht,
weil Frieden er zu werden wünscht.
Der Weise, von Begierden frei,
ist immerdar befriedeten Sinns.
Er freut sich nicht, wird er gepriesen,
wird er geschmähet, zürnt er nicht.
Er zittert nicht im Tode,
er grüßt nicht mit Freuden das Leben.
Er ist ohne inneren Widerstreit.
Friedlich ruht der Weise in sich selbst.
(Aschtavakragita 18; 39 und 98)
Jüdische Religion
Die Gottlosen, spricht der Herr, haben keinen Frieden.
Lass vom Bösen und tue Gutes,
suche Frieden und jage ihm nach.
Seht doch, wie gut und schön es ist,
wenn Brüder in Eintracht miteinander leben.
Die Ausländer sollst du nicht schinden noch unterdrücken,
denn in Ägypten seid ihr auch Ausländer gewesen.
Der Herr, euer Gott, hat die Ausländer lieb.
Jeder Mensch unter seinem Weinstock und Feigenbaum
soll leben in Frieden und Harmonie.
Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen
und ihre Spieße zu Sicheln machen.
Kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben,
und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
(Jes.48; 22/Psalm 34; 15/Psalm 133; 1/2.Mose 22; 20/Micha 4; 3-4)
Christliche Religion
Jesus spricht:
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist:
Auge um Auge und Zahn um Zahn.
Ich aber sage euch:
Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand,
sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt,
dann halt auch die andere hin.
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist:
du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
Ich aber sage euch:
Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen,
damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet.
Selig sind die Friedensstifter,
denn sie werden Gottes Kinder heißen.
(Matth. 5; 38ff und 5; 9)
Religion des Islam
Wer vergibt und Frieden schließt,
dessen Lohn ist bei Allah.
Wenn zwei Parteien miteinander streiten,
so stiftet Frieden unter ihnen.
Die Gläubigen sind Brüder;
so stiftet Frieden unter euren Brüdern
und fürchtet Allah.
Allah wird die Menschen zum Frieden führen.
Wenn sie auf Ihn hören,
so wird er sie aus der Dunkelheit des Krieges
zum Licht des Friedens führen.
(Koran, Sure 42; 38 und 49; 9)
H.P. (16.03.2008, 08:36 Uhr)
(Dhammapada, 3-5)
@Statt friedlich zu demonstrieren haben die Tibeter jedoch Häuser wie angezündet, wie obiges Foto belegt. Es scheint also was dran zu sein an der Behauptung der Chinesischen Regierung, dass Mönche Häuser angezündet haben, in denen Menschen verbrannten.####
Noch nie in dieser Welt,
Hat Hass gestillt den Hass.
Nur liebende Güte stillt den Hass.
Dies ist ein ewiges Gesetz.
(Dhammapada, 3-5)
Mönche müssten es eigentlich wissen, warum die Gewalt? Nur liebende Güte verändert die Welt.
Das die Welt in der äußeren Realität auch seine Innenwelt ist, darüber sind sich die Mönche NOCH nicht bewusst. ES IST TRAURIG.
http://www.lebedeinbestes.de/2.html
Chivay (16.03.2008, 03:28 Uhr)
für Tibet
Leute kauft Euch tibetanische Fahnen und Flaggen, hängt sie an Eure Autos und Häuser (wie zur WM) - und vor allem: tragt sie in die Stadien.
Zeigt Euch solidarisch!
Martin142 (16.03.2008, 03:18 Uhr)
Bericht hat Schieflage
Oben heßt es: "Trotz ... vieler Toter ... will China die Unruhen in Tibet mit Härte unterdrücken."
Der unbefangene Leser muss danach denken, China hätte die Tibeter in den letzten beiden Tagen bösartig behandelt und bereits viele Tote auf dem Gewissen.
Tatsächlich ist es aber wohl umgekehrt. China hat erstmals eine Großdemonstration in Tibet zugelassen. Das zeigen die aktuellen HandyFotos, die auf der DalaiLama Seite http://www.tchrd.org/ zu sehen sind.
Erschossene Demonstranten hat es dabei wohl nicht gegeben, sonst wären sicher auch davon Fotos zu sehen.
Statt friedlich zu demonstrieren haben die Tibeter jedoch Häuser wie angezündet, wie obiges Foto belegt.
Es scheint also was dran zu sein an der Behauptung der Chinesischen Regierung, dass Mönche Häuser angezündet haben, in denen Menschen verbrannten.
So sehr ich den Tibetern Verbesserung wünsche. Wenn sie anfangen Menschen zu verbrennen, hat die Chinesische Regierung alles Recht dieser Welt, diesem Treiben 'mit aller Härte' ein Ende zu machen.
Martin Berger
Aprotheus (15.03.2008, 19:14 Uhr)
Freiheit Für Tibet!
Freiheit fürs Baskenland!
Freiheit für Süd-Tirol!
http://it.youtube.com/watch?v=SEo74azyNfw
tripex (15.03.2008, 18:28 Uhr)
Besorgnis
Jaja unsere Politiker sind (mal wieder) so tief besorgt. *gaehn* Aber keiner ruft zum aktiven Boykott auf. So ist mans gewohnt und genauso wird es auch immer bleiben. :-(
albundy69 (15.03.2008, 16:41 Uhr)
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