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6. Dezember 2009, 08:44 Uhr

Hunderttausende nehmen an Anti-Berlusconi-Demo teil

Es war der "No Berlusconi Day": Mehr als 350.000 Menschen haben in Rom gegen den konservativen Regierungschef Silvio Berlusconi demonstriert. Eine Bloggergemeinschaft hatte via Internet einen Appell lanciert, den umstrittenen 73-Jährigen zum Rücktritt aufzufordern. Auch in Berlin gingen die Menschen auf die Straße.

Zoom
Berlusconi, Demonstration, Rom

Protest in lila, nach Aussage der Blogger "die einzige von den traditionellen Parteien übrig gelassene Farbe"© Alessia Pierdomenico/Reuters

Bei einer Demonstration in Rom gegen die rechtsgerichtete Regierung von Silvio Berlusconi sind am Samstag nach Angaben der Veranstalter mehr als 350.000 Menschen auf die Straße gegangen. Sie folgten dem Aufruf einer Gruppe regierungskritischer Blogger auf der Internet-Plattform Facebook, die seit zwei Monaten zu einem weltweiten "No Berlusconi Day" mobilisierten. Auch am Brandenburger in Berlin gab es eine Kundgebung.

Die Menge in Rom trug - in Form von Schals, T-Shirts oder Pullovern - überwiegend lila, nach Aussage der Blogger "die einzige von den traditionellen Parteien übrig gelassene Farbe". Gewerkschaften, linke Organisationen und die oppositionelle Partei Italien der Werte des früheren Anti-Korruptionsermittlers und Ministers Antonio Di Pietro unterstützten den Protestmarsch. Unter den Demonstranten waren neben zahlreichen Mitgliedern der Demokratischen Partei auch deren frühere Ministerin Rosy Bindi. Die Führung dieser größten Oppositionspartei hatte allerdings nicht zu dem Protest aufgerufen. Di Pietro wandte sich in einer Rede gegen den "großen Medien-, Wahl-, Politik- und Justizschwindel der Regierung Berlusconi". Viele Spruchbänder und Plakate der Demonstranten bezogen sich auf Berlusconis Auseinandersetzungen mit der Justiz. Der Regierungschef muss sich in zwei Verfahren vor Gericht verantworten. In dem einen geht es um Zeugenbestechung, im anderen um Steuerbetrug. "Berlusconi, tritt zurück und akzeptiere verurteilt zu werden", hieß es auf einem großen Transparent. Auch in Berlin, Paris, London, Helsinki, New York, Sydney, Rabat und anderen Städten gingen zahlreiche Menschen gegen Berlusconi auf die Straße.

Die Kundgebung in Berlin stand unter dem Motto "Rettet Italien, Rettet die Demokratie. Berlusconi soll zurücktreten". Sie richtete sich unter anderem gegen die "weltweit einzigartige Kontrolle über die Medien", die der Fernsehunternehmer Berlusconi in Italien ausübt. Dieser versuche schon seit langem, Gesetze und Verfassungsänderungen durchzusetzen, die ihm persönlich nützten.

AFP
KOMMENTARE (9 von 9)
 
klinkerbau (07.12.2009, 18:04 Uhr)
Berlusconi

Hier müssen doch zwei Dinge wesentlich unterschieden werden:
1. Die Tatsache, dass es für Italiener sicher nervtötend ist, sich über die ständige mediale Präsenz Berlusconis und dessen Skandale hinaus auch von Ausländern noch anhören zu müssen, wie untragbar diese Person an der Spitze eines europäischen Staates ist. Und sicherlich kann er im Gegensatz zur zersplitterten Opposition zum Teil entschlusskräftiger auftreten.

2. Aber: Auch für aufgeklärte Italiener ist es sicherlich nicht leicht, sich eine unabhängige Meinung zu bilden, da die großen Medienorgane berlusconitreu sind oder ihm sogar ganz gehören. Insofern ist die Aussensicht sicher eine gesunde, wenn auch unangenehme Gelegenheit zur Konfrontation mit der Figur Berlusconi.
Natürlich ist diese für alle (vor allem für Nichtitaliener, die Berlusconi von außen ohne mediale Aufbereitung wahrnehmen,) ein gefundenes Fressen, sich moralisch zu ereifern. Abgesehen von diesem vorhersehbaren Impuls ist aber der Gegenstand der Kritik eminent wichtig!
Selbst man jede einzelne Causa Berlusconi isoliert betrachten und entschuldigen würde, ist doch das Gesamtbild für einen Staatenlenker, der immerhin eine gewisse Vorbildfunktion innehaben und eine Respektsperson darstellen sollte, ein überaus zwielichtiges.
Italien ist nun mal kein Konzern, so dass man Berlusconis Manager-Maschilismo-Art mit Schulterzucken durchgehen lassen würde, mit dem Argument, er sei ja nur für die Gewinnmaximierung zuständig.
Italien ist ein Land.
Und dass die Berlusconi-Gegner einfach nur neidisch auf dessen Erfolg sind, ist eine undifferenzierte Generalisierung. Vielmehr erscheint doch die öffentliche Sympathie für den Cavaliere überaus konziliant, und mit der Wahl Berlusconis geht man den nachvollziehbaren, aber allzu bequemen Weg, mit der Attitüde des Präsidenten bewusst oder unbewusst übereinzustimmen: Nämlich seine Chuzpe als "Qualität" auszustellen und zu insinuieren, er, Berlusconi, sei ja auch nur ein Mensch bzw. ein Mann, um sich damit jeglicher Sanktionierung seines Fehlverhaltens zu entziehen.
Und seine Übertritte sind in der Summe eben nicht "trasgressioni perdonabili". Dieser Mann steht an der Spitze des Staates, und ihm werden zur Last gelegt: Bestechungen, Verletzungen des Kartellrechts, und ähnliches.
Das aber ist vielleicht gar nicht das negativste Signal. Denn menschenverachtender und vor allem sexistischer Zynismus (Erdbebenüberlebende von Aquila sollen sich als Camper fühlen) schlägt sich wohl noch mehr auf die Seele des Landes.
Arcangelo (06.12.2009, 20:46 Uhr)
Belrusconi 2.
Was mich am meisten stoert ist, dass die auslaendischen zeitungen kritiklos ueber einen menschen herziehen, dessen einzige (nicht mal nachgewiesene) schuld grosses interesse an der weiblichen welt sei. Bisher wurden andere politiker mit prostituirten und transsexuellen erwischt. Ist berlusconi nur schlauer, vorsichtiger, vom glueck gekuesst oder doch nicht mehr ganz imstande, die frauenwelt zu begluecken, da er ja an prostata operiert wurde. Verzeihung habe vergessen - es gibt ja viagra. Hoch lebe die medizin.
workingtitle (06.12.2009, 17:59 Uhr)
Parli Italiano? also dann vorsichtig mit vorgefertigten Meinungen
Also ich muss Arcanangelo recht geben es waren gerade mal 10 tausend Menschen mehr als bei einem gut besuchten Fussballspiel. Darunter waren hauptsaechlich Noglobals, Marxistische Linksparteien (oh ja die gibt es noch in Europa, glaubt man kaum!) und eine kleine Gruppe der Opposition, hauptsaechlich aus dem linksradikalen Sektor. Der Hass gegen Berlusconi beruht in Italien auf Neid, da ein Mann der es allein nach ganz oben geschafft hat, Milliarden gemacht hat in der oeffentlichen Meinung nur durch schmutzige Geschaefte an sein Ziel gekommen ist. Sehen Sie, das ist ein Kulturunterschied vor allem in Italien, den man in den USA nie finden wuerde. Dort gilt ein self made man als Star und jeder bewundert solch einen Menschen. Ich lebe nun auch seit 10 Jahren in Italien und kann nur sagen das hier nun endlich einmal etwas funktioniert, was die vorherigen Linkregierungen nie zustande gebracht haben. Also besser mal eine Weile in einem Land leben, als von aussen zu meckern, wer das nicht Tag fuer Tag lebt darf sich nicht so leicht eine Meinung bilden.
Arcangelo (06.12.2009, 17:01 Uhr)
Berlusconi
Liebe Damen und Herren,
ich will ja niemanden auf die Fuesse treten, aber wer von Ihnen lebt in Italien? Ich seit 30 Jahren, ich habe mich nie fuer politik interessiert und weiss nur, dass ALLE regierungen VOR berlusconi als erstes die steuern erhoehten und noch nie die Mafia bekaempft haben. In den letzten Wochen wurden PRO Tag 8 Mafiosi eingelocht, Italien ist nun etwas sicherer.
Zum Abschluss: es waren nicht mal 90.000 Demonstranten beim No-Day. Zaehlen sollte man auch koennen.
hamburg123 (06.12.2009, 15:37 Uhr)
Kriminell?
Gehts noch!?...wurde er verurteilt? Nein! Das ist eine Kampagne der LInken gegen Berlusconi, da ihnen die Politik der Regierung nicht gefällt. Und warum nicht? Weil sie konservativ ist. Unglaublich dass auch noch welche auf diese Kampagne hereinfallen und gegen Berlusconi nun sind.
klabautermann79 (06.12.2009, 15:07 Uhr)
Sehr gut
Es war zwar schon anzunehmen, dass auch nicht jeder Italiener Berlusconi mag, aber dass dort, u.a., jetzt so viele Leute auf die Straße gegangen sind und gegen diesen Typen( zu dem sich eigentlich keine Worte mehr finden lassen) Flagge zeigen, läßt doch noch hoffen!
jeanclaude (06.12.2009, 14:15 Uhr)
deutschland deine selbstgerechtigkeit..
über einen haider wurde kübelweise dreck ausgeschüttet.

warum? er hatte keine lobby...

ein berlusconi wird von merkel hoviert,obwohl er ein schwerverbrecher ist...


wie sehr ähtte sie eine ehrlichkeit in die politik bringen können,falls sie sich gegen den italienischen verbrecher öffentlich distanziert hätte.
die gelegenheit hat sie verpasst,im umkehrschluss kann man davon ausgehen was eigentlich schon jeder auf und ab des landes gedacht hat.

was frau merkel auf den kanzlersitz befördet hat,ist blanker opportunismus und nackte skrupellosisigkeit...

Corazito3333 (06.12.2009, 11:15 Uhr)
Daß so ein Mensch überhaupt an der Spitze eines Volkes steht
da wäre ja "der Pate" besser gewesen, der wußte wenigstens was Ehre ist und soziale Verantwortung (in dem Buch) der Typ läßt sich nur dauerliften, ist hinter jungen Mädchen her und raffgierig..........
ganzbaf (06.12.2009, 10:41 Uhr)
Don Boskop...

der faule Apfel des italienischen Halbstiefels...(-;
Wäre doch schön, wenn er von der eigenen Bevölkerung endlich vom Baum geschüttelt würde.
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