"Geheime Dienste" wurden jahrelang toleriert

23. Mai 2012, 12:22 Uhr

Sex, Drugs und geprellte Zechen: Nach dem Sexskandal des Secret Sevice in Kolumbien kämpfen nun vier der entlassenen Leibwächter Obamas auf Wiedereinstellung. Ihr Argument: Jahrelang seien Affären auf Dienstreisen geduldet worden.

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Vier Leibwächter von Präsident Barack Obama kämpfen für ihre Wiedereinstellung nach dem Sexskandal©

Waren es nur harmlose One-Night-Stands? Flüchtige Flirts an der Hotelbar? Oder feierten die Beamten des Secret Service wilde Sexpartys mit Prostituierten? Nach und nach kommt mehr Licht in den schlüpfrigen Skandal des US-Geheimdienstes. Heute soll Mark Sullivan, der Direktor des Secret Service, zu der peinlichen Affäre vor dem US-Senat aussagen.

Beim Amerika-Gipfel in Kolumbien vor einem Monat hatten mehrere Mitarbeiter des Secret Service die geheimen Dienste kolumbianischer Prostituierten in Anspruch genommen und sich bei Saufgelagen vergnügt. Die schlüpfrigen Exzesse kamen erst ans Licht, als einer der Beamten die Zeche prellte. Sechs Mitarbeiter des elitären Personenschutzes um Präsident Barack Obama wurden inzwischen entlassen. Zwei Beamte wurden dazu gedrängt, zu kündigen. Von "Schwachköpfen" sprach Barack Obama nach dem Skandal in einer TV-Show. Die restlichen Leibwächter lobte er jedoch als tadellose Mitarbeiter. Damit wurde es still um die Prostitutionsaffäre.

Flirts und One-Night-Stands auf Dienstreisen

Doch nicht alle entlassenen Beamten ist wie dem Weißen Haus daran gelegen, Gras über die Sache wachsen zu lassen. Vier ehemalige Mitarbeiter des Secret Service gehen nun in die Offensive und wollen gegen ihre Kündigung kämpfen. Wie die "Washington Post" berichtet, sehen sie sich als Sündenböcke in der peinlichen Affäre und wollen auf Wiedereinstellung klagen. Die Konsequenzen halten sie für überzogen. Seit vielen Jahren wisse der Secret Service schließlich um derartige Eskapaden bei Auslandseinsätzen - und habe dieses Verhalten stets toleriert.

Auch die Darstellung der Lustreise in den Medien wird von den Leibwächtern kritisiert. So sollen die Mitarbeiter nicht bewusst Huren aufgesucht haben. Vielmehr wollen die Männer bei ihrer Arbeit in Kolumbien zufällig Frauen kennengelernt haben. Zwei Tage vor dem internationalen Gipfel waren sie bereits vor Ort, um die Sicherheitslage rund um das Luxushotel Caribe zu prüfen. Dabei haben einige der Männer in verschiedenen Clubs und Bars Dates mit Frauen gehabt. Bei einigen soll es zu One-Night-Stands gekommen sein - jedoch ohne dass dafür eine Bezahlung vereinbart worden war. Ein 29-jähriger Agent gab zwar - angeschlossen an einen Lügendetektor - vor Ermittlern in Washington zu, zwei Damen mit auf sein Zimmer genommen zu haben, dass es sich bei ihnen jedoch um Huren gehandelt habe, davon will er nichts gewusst haben.

Stillschweigen als ungeschriebener Kodex

Während der Secret Service betont, seine Mitarbeiter wüssten um ihre moralische Verpflichtung und unterlägen einem Verhaltenskodex, heißt es jedoch von mehreren der verhörten Agenten - auch von denen, die nicht entlassen wurden -, dass sexuelle Begegnungen auf Dienstreisen stillschweigend geduldet wurden. Im kolumbianischen Cartagena soll sogar einer der ranghöchsten Mitarbeiter einige jungen Kollegen in die Stripbar Pley Club mitgenommen haben. "Was auf einem Trip passiert, bleibt auch dort", sei ein ungeschriebener Kodex gewesen, Teil des "Secret Circus". So nannten es einige Mitarbeiter scherzhaft, wenn eine Vielzahl der Agenten bei offiziellen Reisen in einer Stadt eincheckten.

Mark Sullivan wird laut "Washington Post" vor dem US-Senat betonen, dass die Sicherheit Obamas zu keiner Zeit des Gipfels in Kolumbien gefährdet gewesen ist. Außerdem gibt er zu Bedenken, dass etwa 200 Agenten in Cartagena anwesend waren. Von ihnen seien neun Beamte an den "schweren Verfehlungen" beteiligt gewesen. Dies sollte seiner Meinung nach nicht das Ansehen des 7.000 Mitarbeiter starken Secret Service beflecken.

kmi
 
 
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