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6. März 2011, 19:28 Uhr

Wie China Journalisten knebelt

Das chinesische Regime hat Angst vor einer Revolution. Und unterdrückt deshalb Demonstrationen und Presse. In Schanghai wurde stern-Korrespondent Janis Vougioukas verhaftet. Hier sein Bericht.

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Im Augenblick der Verhaftung: stern-Korrespondent Janis Vougioukas (mit Schal und Brille, links) am Platz vor dem "Peace Cinema" in Schanghai© Philippe Lopez/AFP

Die chinesische Staatsmacht hat Angst. Davor, dass der revolutionäre Funke aus den arabischen Ländern überspringt. Jede Menschengruppe ist verdächtig, jedes Posting im Internet. Derzeit tagt der Volkskongress in Peking, der Sicherheitsapparat läuft auch Hochtouren. In jeder größeren Stadt kam es an diesem Wochenende zu massiven Polizeieinsätzen. Mich erwischte es in Schanghai.

Die Demonstration hätte kaum kleiner sein können: Gerade ein paar Dutzend Menschen standen da im Regen vor dem Peace Cinema im Zentrum von Shanghai. Es gab keine Transparente, keine Sprechchöre - es war ein winziges, stilles Zeichen des Widerstands. Und tatsächlich war nicht einmal ganz klar, wer zum Demonstrieren und wer zum Shoppen gekommen war. Doch den Sicherheitsbehörden war bereits das zu viel.

Der Stempel "Jounalist" im Pass

Am Sonntag hatte die Staatssicherheit die ganze Shanghaier Innenstadt in einen Hochsicherheitstrakt verwandelt. Hunderte Polizisten in Uniformen und Zivil waren im Einsatz. An jedem U-Bahn-Ausgang, in jedem Geschäft und jeder Straßenecke standen Sicherheitskräfte. Jeder ausländische Reporter bekommt schon bei der Einreise nach China das Wort "Journalist" in den Pass geschrieben; so war es für die Polizei nicht schwer, uns zu finden. Und es dauerte nur wenige Minuten, bis die Shanghaier Polizei 15 bis 20 ausländische Korrespondenten rund um das Peace Cinema eingesammelt hatte.

Keiner hatte es geschafft den Demonstranten, Fragen zu stellen. Niemand hatte fotografiert. Und so zeigte die Aktion vor allem, wie nervös die Sicherheitskräfte inzwischen auf die kleinsten Anzeichen von Unruhe reagieren.

Seltsame Begegnung im Bunker

Drei Beamte eskortierten uns zu einem Pavillon in einer Seitenstraße. Es war ein winziger Raum mit drei Schreibtischen. Eine Treppe führte in den Keller, lange Gänge, in die Wänden eingelassen sind dicke Sicherheitstore aus Stahl und Beton. Offenbar liegt gleich neben dem Volksplatz eine gewaltige Bunkeranlage. Und für diesen Tag hatte die Polizei hier ihre Kommandozentrale eingerichtet. Hier mussten wir warten, in fensterlosen Räumen tief unter der Erde, wo wir ganz sicher nicht sehen oder hören konnten, was oben passierte. Wir wurden nicht geschlagen, niemand wurde misshandelt, nur gehen durften wir nicht. Und einmal mussten wir sogar alle zusammen laut lachen: "Ach, Herr Vougioukas!", begrüßte mich ein Polizist, den ich kenne, weil er mir schon manches Mal mein Visum verlängert hat. "Herr Zhao, schön Sie zu sehen!", antwortete ich wohl ohne nachzudenken. Und alle im Raum prusteten los.

Dabei gibt es in China seit Tagen kaum ein ernsthafteres Thema als die Jasmin-Proteste und die Möglichkeiten, darüber zu berichten. Jeden Tag werden die Arbeitsbedingungen für die ausländischen Korrespondenten schwieriger. Demonstrationen und "Massenaufläufe" dürfen wir jetzt nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung der Polizei besuchen. In Peking und Shanghai sind inzwischen ganze Stadtviertel für uns gesperrt. Und es gibt bereits die Drohung, dass wir in Zukunft für sämtliche Interviews im ganzen Land eine Genehmigung der Behörden beantragen müssen. Wer sich den Regeln widersetzt, dem drohen die Behörden inzwischen offen mit der Ausweisung. Inzwischen geht die Stasi sogar so weit, unsere Vermieter und chinesischen Freunde zu bedrohen.

Nach drei Stunden ist alles vorbei

Schließlich wurden wir einzeln verhört. Wir mussten "Geständnisse" unterschreiben. Und noch einmal warnte uns die Polizei, dem Volksplatz künftig fern zu bleiben. Dann durften wir, nach drei Stunden in Gefangenschaft, zurück in den Regen. Die Demonstration war da längst vorbei.

Von Janis Vougioukas
 
 
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