Der Wahlsieg der Demokraten im US-Kongress komme einer "Hinrichtung" der Republikaner und Präsident Bush gleich: stern.de hat das vernichtende Urteil der internationalen Presse und die kuriosesten Sprüche des entlassenen Verteidigungsminister Rumsfeld zusammengestellt.

Die Wähler haben Präsident Bush die Flügel gestutzt; Verteidigungsminister Rumsfeld musste zurücktreten© Gerald Herbert/AP
"Washington Times"
"Die Wähler haben gesprochen - mit einem scharfen, schmerzhaften Tadel an der Inkompetenz der Republikaner und an der Irakpolitik des Präsidenten. Dies sind die unmissverständlichen Schlussfolgerungen, nachdem die Amerikaner die Kontrolle im Kongress den Demokraten übergeben hat. (...)
Das Urteil ist laut, klar und unzweifelhaft. Da Bushs Name nicht auf den Wahlzetteln erschien, bestraften die wütenden Wähler seine Partei. Die Geschichte wird uns die guten und schlechten Folgen zeigen. (...)
Die Botschaft dieser Wahl zielte nicht auf die Werte und Prinzipien der Konservativen, sondern auf den Präsidenten und den Kongress, die - wie die Wähler glaubten - diese Werte und Prinzipien durch Korruption, Skandale und Inkompetenz verraten haben. Der Konservativismus wird sie überleben."
"Am Dienstag haben die Wähler Präsident Bush gesagt, dass sie eine Strategie wollen, die einen Ausstieg aus dem Irak bedeutet. Mr. Bush akzeptierte die Entlassung von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Doch dass Bush beharrlich verkündete, dass Mr. Rumsfeld einen guten Job gemacht hat, war einfach lächerlich. Aber jeder will den Beginn einer neuen Ära und deshalb ist es besser, ohne Kommentar zu applaudieren. Ob Mr. Bush versteht, dass Mr. Rumsfeld versagt hat, ist weniger wichtig als die die Frage, ob er wirklich bereit ist, die Irak-Strategie zu überdenken.
Viel ärgerlicher war, dass Mr. Bush im Angesicht des Wahlergebnisses darauf bestand, dass weder das amerikanische Volk noch er selbst einen Abzug aus dem Irak ohne 'Sieg' tolerieren würden. Falls der Präsident immer noch glaubt, dass die amerikanische Besatzung in einem außenpolitischen Triumph für die USA enden wird, haben weder die Wahlen noch der Rücktritt von Mr. Rumsfeld irgendeinen tatsächlichen Einfluss gehabt."
"Washington Post"
"Die amerikanischen Wähler, in ihrer Weisheit, haben eine Ära beendet. Sie lehnten die Kriegspolitik im Irak ab, die die USA geschwächt haben. Sie lehnten den harschen ideologischen Politikansatz ab, der politische Gegner als Staatsfeinde abstempelt. Und sie haben den Präsidenten abgelehnt. (...) Letztlich wurden die Kongresswahlen zu einem Referendum über den Irak, George W. Bush und den von Republikanern kontrollierten Kongress. Das war das Versagen des Konzepts, aber auch eine Hinrichtung.
(...) Die gute Nachricht für die Demokraten ist, dass ihre Kandidaten auf zwei gemeinsame Themen setzten: Dass sich die Irakpolitik von Bush ändern muss und Washington die Probleme der Menschen und die wirtschaftliche Unsicherheit nicht versteht, mit denen so viele Amerikaner konfrontiert sind. Allerdings wird der Präsident, und nicht der Kongress, die Irakpolitik weiter kontrollieren. Denn die Demokraten haben nach den Wahlen klargestellt, dass sie nicht die finanziellen Mittel für den Krieg, beschneiden wollen. Und es ist richtig, dass sie es nicht tun. Was die Demokraten tun sollten, ist einen Ansatz finden, der von beiden Parteien getragen wird. (...)
So lange, wie die Republikaner das Weiße Haus kontrollieren, werden die Demokraten nicht in der Lage sein, weit reichende Maßnahmen durchzusetzen, die sich mit Altersversorgung, Krankenversicherung und Arbeitsplatzsicherheit betreffen. Aber es ist notwendig, den langen Kampf um neue Sozialverträge zu beginnen."
DPA/fri