Für großen Unmut in Köln sorgen auch die 500 Euro Studiengebühren, die jedes Semester erhoben werden. "So, wie die Universität mit den Studiengebühren bislang umgeht, kann es nicht weitergehen. Trotz der hohen Gebühren, spüren wir kaum eine Verbesserung in der Lehre", sagt der Demonstrant Robert Täubl. Der 23-Jährige studiert im fünften Semester Ingenieurswissenschaften und engagiert sich in der Fachschaft. "Von dem Geld sollten zusätzliche Professorenstellen geschaffen und nicht ein Fitnessstudio gebaut werden, so wie es die Uni Köln gemacht hat", sagt Täubl.
Die Proteste zeigen Wirkung. Die Wut der Studenten sei berechtigt, die Proteste richtig, heißt es von der Bundesregierung. "Es gibt Anliegen, die kann ich gut verstehen", sagt Bildungsministerin Annette Schavan (CDU). Die Kultusministerkonferenz, die Hochschulrektorenkonferenz, der Hochschulverband - auch sie stellen sich hinter die Studentenschaft. Doch die Verantwortung für die Lage an den Hochschulen will niemand so recht übernehmen: Bund, Länder und Hochschulen waren an der Bologna-Reform und Einführung der Studiengebühren beteiligt - und schieben sich die Verantwortung nun gegenseitig zu. So sagte Schavan in einem Interview mit der "Berliner Zeitung", dass jetzt das Gespräch mit den Ländern nötig sei, um zu sehen, wo es hapert. Die Bundesländer wiederum verweisen auf die Hochschulen. Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch (CDU), kritisierte die Hochschulleitungen wegen mangelnder Flexibilität und verlangte von den Hochschulrektoren, auf die Forderungen einzugehen. Denn die Universitäten verfügten heute über finanzielle Freiheiten, "wie sie in der Geschichte Deutschlands noch nie so ausgeprägt waren."
Und als wäre noch nicht genügend Schuld zugewiesen worden: Für die Hochschulvertreter sind - welch Überraschung - die Politiker die Verantwortlichen. "Es gibt unbestritten an etlichen Stellen Nachbesserungsbedarf bei der Studienreform", sagt die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel. Ihre Organisation vertritt die 256 deutschen Hochschulen. Der Protest der Studenten sei ein Indikator dafür, "dass politisches Handeln gefordert ist".
"Alles hohle Phrasen", meint Anna Krause von der Arbeitsgruppe "Bundesweiter Bildungsstreik". "Bund, Länder und Hochschulrektoren schieben sich gegenseitig die Verantwortung der Bildungsmisere zu", sagt sie. Nach dem Willen der Studenten sollen die Proteste deshalb weitergehen: Für die Zeit vom 30. November bis zum 6. Dezember planen sie eine Aktionswoche.
Im heißen Herbst soll sich ein Wintersturm formieren.