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27. März 2008, 15:03 Uhr

Die müde Kriegerin

Wann das Polit-Chaos in Hessen ein Ende hat, wüsste wohl nicht einmal das Orakel von Delphi. Die vergangenen zwei Monate haben ihre Spuren hinterlassen bei Beinahe-Ministerpräsidentin Andrea Ypsilanti, die am frühen Wahlabend noch wie die strahlende Siegerin aussah. Nach zwei Wochen Pause betrat sie jetzt wieder die Bühne. Von Sebastian Christ

Andrea Ypsilanti und Franz Alt bei der Buchvorstellung am Donnerstag© AP Photo/Fritz Reiss

Die Landtagswahl in Hessen ist acht Wochen vorbei. In Andrea Ypsilantis Kopf wird sie jedoch noch lange weiter leben. Das zentrale Gefühl nach zwei Monaten Machtkampf ist das der nicht enden wollenden Schlacht. Keine Grenzen mehr. Keine Freunde. Nur noch Feinde - oder Parteifreunde. Hieronymus Bosch wären die Metaphern ausgegangen, hätte er das hessische Politgemetzel bebildern müssen. Und wenn man genau hin hört, dann spürt man, wie sich jedes einzelne Schauererlebnis durch das Gedächtnis von Andrea Ypsilanti fortgräbt.

Eigentlich wollte die hessische SPD-Spitzenfrau am Donnerstag nur ein Buch vorstellen. Franz Alt hat es geschrieben, es heißt "Sonnige Aussichten". Der Autor, Ex-CDU-Mitglied und Fernsehmoderator, hat Ypsilanti während des Hessen-Wahlkampfes die SPD-Pläne zu dem Ausbau von Öko-Energieanlagen unterstützt. Und da es in dem Buch um nichts anderes geht, unterstützt sie nun ihn. Doch mit beinahe jedem Statement Ypsilantis zeigte sich, dass die Verletzungen der vergangenen Wochen tief sitzen.

"Es war nicht einfach, die Leute von unseren Energieplänen zu überzeugen. Das waren heftige politische Gefechte", sagt sie.

"Auch in der eigenen Partei?“, fragt Franz Alt.

Andrea Ypsilanti antwortet reflexartig: „Auch in der eigenen Partei." Und verhaspelt sich dann, als hätte sie der Gedanke an die Genossen im fernen Wiesbaden für ein paar Sekunden aus dem Tritt gebracht.

"Verunglimpfungen" durch Wolfgang Clement

Auch die Erinnerung an Wolfgang Clement löst bei ihr immer noch unwillkürliche Unmutsäußerungen aus. Der ehemalige Wirtschaftsminister hatte eine Woche vor der Wahl davon abgeraten, für die hessische SPD zu stimmen. Ypsilanti ist strikt gegen die Nutzung von Atomkraft, Clement arbeitet mittlerweile in der Energiebranche - und vertritt eine Atom-affine Haltung. "Der Konflikt hatte sich so zugespitzt, dass wir es am Ende mit einem ehemaligen Bundesminister zu tun hatten", sagt sie. Die knappe Wahlniederlage mit knapp 4000 Stimmen Rückstand auf die CDU habe auch damit zu tun gehabt, "dass die SPD Verunglimpfungen durch Wolfgang Clement hinnehmen musste."

Andrea Ypsilanti wirkt ein wenig gehetzt. Und ihre Sprache wird zusehends militärischer. Sie spricht immer wieder von "Kämpfen" und "Gefechten", so wie jemand, der in den vergangenen Monaten mehr Kraft als Gefühl brauchte. Früher tanzte ihr hessischer Singsang wie eine Melodie durch den Raum, heute senst er dicht über die Reporterköpfe hinweg, bedrohlich, genervt. Es gibt Fragen, die will sie gar nicht erst beantworten. Zum Beispiel: "Sollte man eine Urwahl zur Kanzlerkandidatur von Kurt Beck veranstalten?" Ypsilanti zischt zurück: "Das habe ich in dem Buch nicht gefunden." Erste Nachfrage. Zweite Nachfrage. "Ich bin heute gekommen, weil ich mich über Herrn Alts Einladung gefreut habe", sagt sie schließlich, und bügelt damit das lästige Thema Bundes-SPD ein weiteres Mal ab.

Auch Hermann Scheer wirkt ein wenig mitgenommen. Der Umwelt- und Wirtschaftsexperte der Hessen-SPD sinniert als zweiter Gastredener über Kosten-Nutzen-Analysen bei erneuerbaren Energien. Tenor: Man kann alles berechnen, nur nicht den Faktor Mensch. Und erst recht nicht, wenn es dabei um Menschen geht, die Politik machen. "Kein Szenario kann voraussagen: Wer gewinnt die Wahl? Welche Politiker entscheiden? Und wer verhindert die Durchsetzung eines Wahlergebnisses?" Der Frust springt den Zuhörern aus dem Subtext direkt ins Ohr.

Künftig will die hessische SPD also aus der Quasi-Opposition gegen den geschäftsführenden Ministerpräsidenten Roland Koch ihre Gesetzesvorschläge in den Landtag einbringen. Die linken Parteien haben eine Mehrheit im Landtag, Koch müsste Gesetze trotz eines möglichen Vetos bei wiederholtem Mehrheitsbeschluss ausführen. "Es ist jetzt natürlich alles ein bisschen schwieriger geworden", sagt Andrea Ypsilanti.

Sie meint: Die Schlacht geht weiter. Und ein Ende ist nicht absehbar.

Von Sebastian Christ
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
cologne237 (28.03.2008, 17:22 Uhr)
..ich spendiere eine Thrapiestunde
...für Frau Y. Da kann sie sich al richtig ausweinen.
eingerbuergert29 kann gleich mitgehen, aber der ist eher unheilbar krank.
Seagull (28.03.2008, 12:57 Uhr)
@Eingebuergert29
Hiermit frage ich höflich und in aller Form an:
Ist es eigentlich von Ihnen mit Ihrem Vormund,- oder Bewährungshelfer abgesprochen und genehmigt,dass Sie sich öffentlich äußern dürfen ?
Nur mal so gefragt.
brudi12 (27.03.2008, 23:31 Uhr)
Die Machtschlacht geht weiter
@ Vorredner 9
Zumindest sind auch die Grünen gegen Studiengebühren und wollen die AKW's vom Netz nehmen, so viel zum Thema Links...
Abgesehen davon hoffe ich, dass sich Andrea Ypsilanti von diesem Trauma, politisch aber auch persönlich wieder berappelt - egal was die Zukunft bringen wird.
Ich drück ihr ganz fest die Daumen !
chaom (27.03.2008, 21:26 Uhr)
"Die linken Parteien haben eine Mehrheit im Landtag"
"Die linken Parteien haben eine Mehrheit im Landtag"
Ich verstehe diese Aussage nicht, die ich schon gehäuft hier zu lesen bekomme.
Warum ist die SPD links? Sind die Grünen noch links?
Eingebuergert29 (27.03.2008, 21:20 Uhr)
An jsbach
Ihr Motto lautet bestimmt, CDU/CSU gut alles gut.
Obwohl hierbei die Menschen wortwörtlich von einer Luftblase "Aufschwung" verarscht werden und von der miserablen Lobbyistenmarionette "Merkel" regiert werden.
Das stört Sie wohl nicht. Oder?
Mami Mami Axel Springer sagt alles wunderbar.
Ich kann mir gut vorstellen, was in Ihrem hohlen Kopf vor sich geht:
"Ja mein Sohn alles supi dupi.
Yuhuuuu
Aber die BÖSE BÖSE SPD. Jaa Ja".
Stillstand in Hessen ist Wunderbar...Jubel...Jubel...Jubel...Freu Freu...Freu.
Die SPD ist und bleibt die älteste und Mitgliedssträkste Partei in diesem Land!!!!!!!!
Jetzt müsste wohl heissen:
Heil Koch!!!!! Heil Koch!!!!!!!
manesse (27.03.2008, 21:08 Uhr)
Allmählich
scheint selbst diese Ypsilanti eine Ahnung davon zu bekommen, dass auch ihr die Demokratie die Grenzen aufgezeigt hat. Wenn sie jetzt noch im eigenen SPD-Landesverband mehr Demokratie wagen will (um ein Wort Willy Brandts zu benutzen) als bisher, kehrt vielleicht sogar in die Hessen-SPD die Demokratie und ein pluralistisch organisierter Entscheidungsdiskurs wieder zurück. Das Kader-Konzept der hessischen SPD-Linken sollte nun endlich ad acta gelegt werden.
mupfeline (27.03.2008, 20:59 Uhr)
Na wenn eingebuergerte eine Heldin haben
dann habe ich als Bürgerin auch eine Heldin: Die Frau Metzger! Danke Frau Metzger!
walhalla (27.03.2008, 20:50 Uhr)
Schade
wer nicht gerne regiert, sollte jetzt noch schnell Mitglied der SPD werden. Hier wird wirklich alles getan, um Wahlversprechen nicht einlösen zu müssen.Wenn der Herr Steinbrück jetzt der IKB 12 Milliarden EURO hinterher schmeissen muß, fehlen natürich 2,5 M. für die Pendlerpauschale.Also Zocker SPD wählen, Geld zurück Garantie.
Schnaafpaaf (27.03.2008, 19:45 Uhr)
Gegen Gefallene wie Y. soll
man nicht nachtreten, aber sie hat es sich durch ihre skrupellose Machtgeilheit selbst versaut. Außerdem fehlt ihr das Können! Und die Intelligenz.
jsbach (27.03.2008, 19:43 Uhr)
Die Drei Dinos
Ypsilanti, Scheer und Alt wirken wie politische Saurier, träge und angeschlagen. Auch ihre Ideen stammen aus dem Mesozoikum. Das hat alles keine Zukunft. Die SPD ist die Saurier Partei Deutschlands.
 
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