. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
7. Februar 2009, 19:27 Uhr

Seehofer lehnt Glos-Rücktritt ab

Michael Glos muss vorerst weitermachen: CSU-Chef Horst Seehofer hat das Rücktrittsgesuch des Bundeswirtschaftsministers zurückgewiesen. Glos habe sein Vertrauen, sagte Seehofer. Er habe ihm daher mitgeteilt, dass er "dieser Bitte nicht entspreche". Die Grünen fordern indes einen Minister, "der mit Energie arbeitet, statt am Amt zu leiden"

Seehofer, Horst Seehofer, Glos, Michael Glos, Rücktritt, CSU

Bitte abgeschlagen: CSU-Chef Horst Seehofer (l.) will nicht, dass Bundeswirtschaftsminister Michael Glos seinen Hut nimmt© Fritz Reiss/AP

CSU-Chef Horst Seehofer hat ein völlig überraschendes Rücktrittsangebot von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos abgelehnt. "Michael Glos hat mein Vertrauen", erklärte der bayerische Ministerpräsident am Samstagabend. Zuvor hatte Glos ihn in einem Brief gebeten, aus seinem Amt scheiden zu können. Als Beweggründe gab er sein Alter von 64 Jahren an und die fehlende Bereitschaft, sich für eine weitere Amtszeit nach der Bundestagswahl im September zu bewerben.

Seehofer teilte Glos in einem Telefonat mit, dass er dieser Bitte nicht nachkommen werde. "Die in dem Brief dargestellten Beweggründe werde ich in einem persönlichen Gespräch mit ihm erörtern", erklärte der CSU-Chef.

Außerordentlich ungewöhnlich

Die Ablehnung eines Rücktrittsgesuchs gilt als außerordentlich ungewöhnlicher Vorgang. Formell ist auch nicht Seehofer, sondern Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Besetzung von Kabinettsposten zuständig. Die CSU hat aber die politische Entscheidungsgewalt.

Das Rücktrittsgesuch war am Samstag selbst für Parteifreunde und Vertraute völlig überraschend gekommen. Die "Bild am Sonntag" veröffentlichte am Nachmittag den Brief an Seehofer. Darin schreibt der Wirtschaftsminister, dass er bereits vor der Bildung der neuen bayerischen Regierung im Oktober angeboten habe, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Die bayerische Landtagswahl habe gezeigt, "dass Erneuerung, Gestaltungskraft und Glaubwürdigkeit mehr denn je gefragt sind", zitierte die Zeitung aus dem Glos-Brief. "Zur Glaubwürdigkeit gehört auch, vor der Wahl genau zu wissen, welche Personen nach der Wahl für führende Ämter zur Verfügung stehen." Da er in diesem Jahr 65 werde, wolle er nach der Wahl keinem Kabinett mehr angehören und deshalb jetzt schon von seinem Amt entbunden werden.

Glos soll auch Merkel telefonisch unterrichtet haben. Eine Reaktion aus dem Kanzleramt gab es aber zunächst nicht. In CSU-Kreisen hieß es, Glos habe souverän über sein Ausscheiden aus dem Amt entscheiden wollen und einer Diskussion über seine Person auch in der eigenen Partei vor der Bundestagswahl zuvor kommen wollen. Zwar war der Wirtschaftsminister wegen seiner Amtsführung immer wieder in die Kritik geraten. Seit der Umbildung der bayerischen Staatsregierung und der CSU-Spitze galt es allerdings als relativ sicher, dass er bis zur Bundestagswahl im September auf seinem Posten bleiben würde.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast erklärte in Berlin, Merkel müsse den Rücktritt sofort annehmen. Es sei schädlich für Deutschland, einen Wirtschaftsminister zu halten, "der selber meint: 'Holt mich hier raus.'" Gerade in diesen Zeiten sei jemand nötig, "der mit Energie arbeitet, statt am Amt zu leiden".

Bisher nur zwei Minister ausgetauscht

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle bedauerte hingegen Glos’ Absichten. "Es ist für Deutschland ein trauriges Signal, dass der letzte Ordnungspolitiker die Regierung verlassen will. Das schwarz-rote Schiff treibt orientierungslos ohne Marktwirtschaftler durch eine raue See", sagte Brüderle dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Kanzlerin Merkel musste in ihrer gut dreijährigen Amtszeit bisher nur zwei Minister austauschen. Im November 2007 schied mit Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) das erste Kabinettsmitglied aus. Er wollte sich mehr um seine schwer kranke Frau kümmern. Sein Nachfolger wurde Olaf Scholz (SPD). Ein Jahr später verabschiedete sich Landwirtschaftsminister Seehofer aus Berlin und ging nach München, um dort Ministerpräsident und CSU-Chef zu werden. Er wurde von der Bundestagsabgeordneten Ilse Aigner (CSU) abgelöst.

AP/DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Reality (07.02.2009, 22:07 Uhr)
@cobdet
Ihre Vermutung hat was für sich.
Kann sein, dass Glos vermutet, dass mit einer Kanzlerkandidat-in, die öffentlich den Papst - Vatikan, kritisiert, die dem eigenen Landsmann somit in den Rücken fällt, dass mit so einer Frau keine Bundestagswahl mehr zu gewinnen ist.
Wir werden da in der nächsten Zeit noch so einiges auf dem politischen Parkett erleben.
Langsam beginnen sie zu realisieren was da bei wem falsch gelaufen ist.
Es dauert, aber irgendwann machts klick und der Groschen ist gefallen.
Könnte sein, dass der Erste bereits das sinkende Schiff verlassen will,kalte Füsse bekommt, nur man läßt ihn nicht, man will wohl gemeinsam untergehen.
cobdet (07.02.2009, 21:55 Uhr)
@waldi22
Eine Frage die ich mir auch stelle 1
Aber das ganze macht Sinn wenn man unterstellt das Seehofer für seine ( in seinen Augen) wahre Berufung trainiert, Wetten wir...der startet den 3ten Versuch einen CSU Bundeskanzler zu spielen.
waldi22 (07.02.2009, 21:35 Uhr)
Habe ich in Sozialkunde nicht aufgepaßt?
Seit wann muß ein Bundesminister den bayerischen Ministerpräsidenten um seine Demission bitten und seit wann hat dieser das Recht, diese zu gewähren oder abzuweisen?
Wenn das kein journalistischer Fehler ist, dann haben die Beiden ein Problem mit der Kenntnis des Grundgesetzes und seiner Verfassungsorgane - langsam wundert mich nix mehr!
Nursery (07.02.2009, 21:26 Uhr)
Unfähig
Es ist erstaunlich das sich eine doch so Wirtschaftsfreundliche Partei wie die CSU sich leistet so eine Figur ins Rampenlicht zu schicken.Geschweige das der Bayrische Seehofer aus der gleichen Garde von Politikern stammen die Verbraucherechte mit Füßen treten.Wenn die CDU glaubt mit der FDP die nächste Wahl zu gewinnen dann sicher nicht mit der Politik und noch weniger mit dieser Art .Unfähigkeit und Inkompetenz sind da noch Weiche Umschreibungen.
L.Gleichmann (07.02.2009, 19:50 Uhr)
Glos
Der Bursch scheint nicht intelligent auszusehen, aber, er ist clever genug zu sehen was für ein wirtschaftlicher Politscheiss auf Deutschland zukommt,also , besser rechtzeitig weg.
PS: Vorhin bei DLF im Autoradio gehört: Autozulieferer Nahles bis August Kurzarbeit, noch Fragen?
Die Wahl ist mitten in der Krise,den Regierenden brennt die Luft unterm A..., daher auch die plötzlichen Konjunkturprogramme. Man hat einfach nur Angst das andere Kräfte ihre Chance suchen und diesmal auch finden werden.
MEHR ZUM ARTIKEL
Bundeswirtschaftsminister Glos bietet seinen Rücktritt an

Paukenschlag im politischen Berlin: Michael Glos will als Bundeswirtschaftsminister zurücktreten. Der CSU-Minister schrieb seinem Parteivorsitzenden Horst Seehofer in einem Brief: "Ich bitte Dich, mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden." Kanzlerin Angela Merkel ist bereits unterrichtet. mehr...

Berlin vertraulich! Der einsame Trauer-Glos

Wirtschaftspolitik ist zur Chefsache geworden und Bundeswirtschaftsminister Glos agiert nur noch im Hintergrund. Nicht nur die CSU ist von ihrem Mann auf dem Stuhl des Wirtschaftsministers enttäuscht, auch die Kanzlerin hat kein nettes Wort für ihn übrig. Ganz fair allerdings ist der Mangel an Wertschätzung nicht. mehr...

Unfall an Absperrung Glos-Limousine fährt Polizisten an

Malheur auf dem Weg zum Staatsempfang: Nach einem Streit ist der Fahrer von Wirtschaftsminister Michael Glos einem Polizisten über den Fuß gefahren, der die Politiker-Limousine an einer Absperrung nicht schnell genug passieren lassen wollte. Glos soll dem Polizisten sogar mit dem Ende seiner Karriere gedroht haben. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe