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10. Februar 2010, 16:51 Uhr

FDP 2010 - verspottet und unbeliebt

Neue Umfragen befeuern die Krise der FDP. Bei stern-Erhebungen kommen die Partei und ihre Minister auf desaströse Werte. Kein Wunder, dass sich gestandene Liberale Sorgen machen. Von Andreas Hoidn-Borchers und Tilman Gerwien

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Das Schlusslicht in der Umfrage: Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel© Nigel Treblin/DDP

Man möchte in diesen Tagen nicht in der Haut von Guido Westerwelle und anderen verantwortlichen FDP-Politikern stecken. Irgendwie scheint sich die ganze Welt gegen sie verschworen zu haben: Von der CSU gemobbt, als "Mövenpick-Partei" verspottet, von den Wählern in Umfragen nach unten durchgereicht. Bei acht Prozent steht die FDP jetzt in der wöchentlichen stern-Umfrage - die Zustimmung zu den Liberalen ist seit ihrem Rekorderfolg bei der Bundestagswahl fast halbiert. Und das binnen nur gut vier Monate, auch das ist schon wieder rekordverdächtig.

Vorwürfe: Inkompetenz und Konzeptionslosigkeit

Während die Parteiführung auf einer Krisensitzung am vergangenen Sonntag das schleppende Reformtempo als Hauptgrund für die schlechten Werte ausmachte, zeigt eine repräsentative stern-Umfrage unter abgewanderten FDP-Wählern ein anderes, verheerendes Bild. Das Forsa-Institut befragte 514 Wähler, die sich seit der Bundestagswahl von der FDP abgewandt haben. Zwei Drittel gaben an, ihre Erwartungen an die FDP seien enttäuscht worden. Sie werfen der Partei Inkompetenz, Konzeptionslosigkeit und Überforderung vor oder eine unrealistische Haltung in der Steuer- und Finanzpolitik. 40 Prozent sagen, sie hätten die FDP falsch eingeschätzt und kritisieren deren "Klientelpolitik". 39 Prozent der Abwanderer klagen über "schlechte Politik" und "Unfähigkeit". Viel schlimmer kann es eigentlich nicht mehr kommen.

FDP-Vorstandsmitglied Wolfgang Kubicki sieht die Lage seiner Partei denn auch extrem kritisch. "Wir erleben derzeit eine gewisse Auflösung der Ordnung der FDP", sagte der FDP-Fraktionschef im Kieler Landtag dem stern. Die Kampagne für die Steuersenkungen sei "völlig missglückt", die Partei sei "oft sprachlos", es gebe "keinen, der die Botschaften zusammenbindet". Außerdem sehe es "nach außen so aus, als hätten wir den ordnungspolitischen Kompass verloren", so Kubicki. Den Wahlen in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai sieht er eher skeptisch entgegen: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass die vollständige Kampfkraft der FDP bis dahin noch nicht wiederhergestellt sein wird." Auch der frühere FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt sagte dem stern: "Die Partei ist in einer ausgesprochen schwierigen Lage."

Auch die liberalen Bundesminister haben - ähnlich wie die Steuerreduzierung fürs Hotelgewerbe - den Praxistest nicht bestanden. Nach den ersten 100 Tagen im Amt bekommen die fünf FDP-Bundesminister ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Nach einer weiteren vom Berliner Forsa-Institut durchgeführten stern-Umfrage sagen mehr als zwei Drittel der Bundesbürger über die Arbeit der FDP-Amtsinhaber: Nicht gut. Am wenigsten schlecht schneidet noch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrberger ab, mit ihrer Arbeit sind 37 Prozent aller Bürger zufrieden, 63 Prozent finden sie nicht gut. Mit Außenminister Westerwelle sind 35 Prozent zufrieden, mit Gesundheitsminister Philipp Rösler 27 Prozent, mit Wirtschaftsminister Rainer Brüderle 26 Prozent. Auf die größte Ablehnung stößt Dirk Niebel. Dem Entwicklungshilfeminister geben 85 Prozent der Bevölkerung eine schlechte Note.

Auch unter den FDP-Anhängern herrscht herbe Enttäuschung über die Minister. Einzig mit Guido Westerwelle ist laut stern-Umfrage eine Mehrheit zufrieden (55 Prozent), Rainer Brüderle findet nur bei einem Drittel der liberalen Anhängerschaft Zustimmung, Dirk Niebel ist auch hier das Schlusslicht mit 26 Prozent. Mit Leutheusser-Schnarrenberger und Philipp Rösler sind 38 bzw. 39 Prozent zufrieden.

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Von Andreas Hoidn-Borchers und Tilman Gerwien
KOMMENTARE (10 von 63)
 
nightmare_online (11.02.2010, 08:46 Uhr)
@Benutzer26
Wen meinen sie mit "wir"? Sind das die Mitarbeiter der FDP im Thomas-Dehler-Haus? Für "uns anderen", also jene Bürger, die die Welt nicht durch die FDP-Parteibrille sehen, sieht die Sache nämlich etwas anders aus. Und WIE sie aussieht, kann man den fluchtartigen Absetzbewegungen von dieser Klientelpartei in den Umfragen entnehmen.
DasBertl (11.02.2010, 08:42 Uhr)
@Benutzer26
Ich hab genau jenes der FDP schon vor den Forsaumfrage vorgeworfen (gut okay, schon vor der Wahl....) und recht behalten. Sehen sie sich doch an, was die gelbe Gurkentruppe so alles anstellt. Die Mövenpick-Million ist jetzt nicht wirklich der springende Punkt, auch wenn das natürlich ein netter Aufreger ist. Bemerkenswert ist vor allem das massive Festklammern an hochnotpeinlichen Steuererleichtungsverprechungen während der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Gründung der BRD. Jeder Mensch, der auch nur eine Schulstunde Mathematik hatte, wird sich Ausrechnen können, das das so nicht funktioniert. UND VOR ALLEM DAS ist es, was der FDP so viel Kritik beibringt. Natürlich auch so etwas wie die Hotelmehrwertsteuersenkung (wo da Wachstum beschleunigt wird weiß der Geier) und die desaströse Gesundheitspolitik spielen eine Rolle. UNd natürlich die absolute Farblosigkeit der Minister und Köpfe der FDP.

Da wünscht man sich selbst als eher links stehender Wähler die FDP aus der Zeit der Regierung Kohl zurück. Da konnten wenigstens ein paar noch denken und waren weitaus farbiger (auch wenn die schon nicht geglänzt haben) und sympathischer (ich denke da vor allem an Genscher).

Fairer Weise muss man aber auch sagen, dass die Union zu unrecht nicht kräftig mitverliert. Denn Glanz und Gloria versprüht da nicht einmal mehr der vormals so glanzvolle zu Guttenberg. Jedoch sind die Unionsschergen bei weitem intelligenter vorgegangen als die FDP-Narren...
Benutzer26 (10.02.2010, 22:21 Uhr)
Stern - hoffnungslos überfordert
Die Forsa-Untersuchung ist, wie jeder halbwegs gut ausgebildete Sozialwissenschaftler bestätigen wird, ne echte Lachnummer.
Inkompetenz? Konzeptlosigkeit? Überforderung? Legen Sie den Befragten weitere 100 Negativ-Eigenschaften vor und sie werden zur Zeit jedes Mal Höchstwerte für die FDP bekommen. Das ist doch inhaltsleer.
Auch vom Stern müssen wir uns dies theatralische Getue bieten lassen, und sollen ihm glauben, er würde uns wirklich etwas mitteilen, wo er schlicht das Bedürfnis nach Krakelen und Herumgemosere bedient. Da hätte ich mehr vom Stern erwartet. Ich finde ihn zur Zeit inkompetent, konzeptlos und mit der Darstellung spannender gesellschaftsrelevanter Ereignisse hoffnungslos überfordert.

auwei (10.02.2010, 15:52 Uhr)
@nightmare_online
Damit rechne ich auch. Aber selbst das will ich nicht beschwören, bis es soweit ist. Das ist sicherlich nicht die Optimallösung - aber alles ist besser als Schwarz-Gelb. Ob die "Stars" des aktuellen Kabinetts, z.B. Sommer und Pipenkötter, wohl wieder dabei sind?
nightmare_online (10.02.2010, 15:26 Uhr)
@auwei
Ist ihnen noch nicht aufgefallen das Rüttgers überhaupt nicht nervös ist? In NRW werden die Grünen mit fliegenden Fahnen die FDP auf der Regierungsbank ersetzen. Schauen Sie sich den vom Parteitag dort verabschiedeten Leitantrag an, da wird Schwarz-Grün ganz offiziell vorbereitet.
flayte.atorrante (10.02.2010, 15:20 Uhr)
Mehrwhre für die Frösche!
Warum wurde mein Kommentar über de Mehrwert-Korruption der Frösche, die gegen die Austrocknung ihres Mehrwehrteiches quacken, gelöscht? Gehört der Stern auch zu den Fröschen, die Mehrwehrklientelle, die für mehr Wehre um "ihren" steuerbefüllten Teich mit Bestandschutz quacken? flayte.atorrante
auwei (10.02.2010, 14:41 Uhr)
@nightmare_online
Zur NRW-Wahl will ich mich als Betroffener mal nicht äußern - jedenfalls den Tag nicht vor dem Abend loben. Wie die FDP in vier Jahren dastehen wird, weiß niemand. Ich glaube - Überraschung! - aber nicht wie figaroo daran, dass nach einer kurzen Holperphase der helle Stern der Liberalen zu gleißen beginnt, sondern eher daran, dass auf einen schlechten Start maximal ein mäßiger Lauf folgt. Was hier Vater des Gedankens ist, sei mal dahingestellt. Einstweilen genieße ich die aktuelle Lage - ist doch schön, wenn mal die Besserwisser aus der Ex-Opposition (zu Recht) zerrissen werden, weil sie den Praxistest nicht bestehen. Als bekennender Rot-Grüner habe ich auch einiges aushalten müssen - und werde es in künftigen Rot-rot-grün-Bündnissen wieder tun. Da freut man sich über jede Atempause. Schwarz-Gelb - zur Schlachtbank bitte. Und das Schönste: Sie haben es von A bis Z verdient.
Johann58 (10.02.2010, 14:39 Uhr)
@nightmare-online
Ein Verpassen der 5% Huerde in NRW wird doch nicht auf ein Verschulden der FDP zurueckzufuehren sein, es sind die Waehler, die nicht verstanden haben was die FDP will. Schliesslich sind fast alle Deutschen Hotelbesitzer und Apotheker oder besitzen zumindest ein Pharmazeutisches Unternehmen.
nightmare_online (10.02.2010, 14:26 Uhr)
@auwei
Man stelle sich mal vor die FDP flöge bei den Landtagswahlen in NRW aus dem Parlament (was - beiläufig gesagt - ein Gewinn für das Land wäre). Dann dürften nicht nur die Kommentare des Users figaroo etwas weniger locker sein, sondern zusätzlich dürfte das die geplante Reformitis von Schwarz-Geld in arge Schwierigkeiten bringen. ein absolut lohnendes Ziel also
Johann58 (10.02.2010, 14:25 Uhr)
@figaro @Tempelhofer
die rot/gruene Regierung ist seinerzeit holprig gestartet. Sie hat sich aber offen zu ihren 'handwerklichen Fehlern' bekannt. Wir muessen jetzt nicht darueber diskutieren od darauf hin die Politik besser oder schlechter war. Die FDP ist gemeinsam mit einer Partei, die bereits 4 Jahre in der Regierungsverantwortung nicht nur mit Handwerklichen Fehlern gestartartet, sondern hat mit der MWST Senkung, die Taschen weniger auf Kosten vieler gefuellt, versucht mit einem Herrn Roesler etwas, was vielleicht in Lichtenstein funktioniert in Deutschland einzufuehren, hat einen Wirtschaftsminister gestellt, der alles moegliche hat aber keine Ahnung von Wirtschaft und einen Aussenminister und Vizekanzler als Spruechebeutel und Selbstdarsteller, dass sich mit der Magen rumdreht.

Statt zuzugeben, dass man Fehler gemacht hat will man nun noch schneller noch mehr Fehler machen, denn das ist das Einzige was bei der Beschleunigung der Reformen rauskommen wird.

Da der seniorpartner ja lange genug in der Regierung war muss man jetzt ja nicht noch zusaetzlich Karenzzeit abfordern, man hat ja ein langes gemeinsames Vorspiel hinter den Kulissen gehat, so dass man gleich zur Sache kommen konnte. Mehr als 1 Jahr war klar, dass die Mehrheitsverhaeltnisse so aussehen werden und Angela und Guido haben doch immer von Liebesheirat gesprochen.

Vor all diesen Tatsachen kann garnicht genug an der FDP kritisiert werden. Sie ist inkompetent, korrupt, konzeptlos und leidet an totaler Selbstueberschaetzung.
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