4. Januar 2013, 07:42 Uhr

Altmaier gibt Atomkraft keine Chance mehr

Der Bundesumweltminister schwört der Atomkraft ab. Er sehe für die Kernenergie in "keiner denkbaren politischen Konstellation" eine Zukunft. Optimistisch ist er beim Termin für ein Atommüll-Endlager.

Gorleben, Erkundungsstopp, Altmaier, Atomkraft, Kernkraft, Energiewende

Umweltminister Peter Altmaier - hier im Schacht Asse - sieht in der Atomkraft keine zukunftsträchtige Energie für Deutschland.©

Für Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) ist die Atomenergie in Deutschland dauerhaft keine Option mehr. "Ich sehe unter keiner denkbaren politischen Konstellation die Chance auf eine Renaissance der Kernkraft in Deutschland", sagte er der "Leipziger Volkszeitung" mit Blick auf einen Vorstoß des deutschen EU-Energiekommissars Günther Oettinger.

Der CDU-Politiker zeigte sich überzeugt, dass der noch von der rot-grünen Bundesregierung versprochene Termin für ein nationales Atommüll-Endlager im Jahr 2030 trotz Verzögerungen im Zusammenhang mit der Gorleben-Frage weiterhin realistisch sei. "Das Datum ist zu halten, wenn wir vor der Bundestagswahl ein Gesetz hinbekommen." Dieses Gesetz müsse dann von Regierung und Opposition getragen werden. Altmaier: "Wir haben dafür ein sehr schmales Zeitfenster. Nach der Wahl in Niedersachsen, vor Ostern, dann müssen die Entscheidungen fallen. Dann muss der Sack zugemacht werden."

Altmaier geht von einem zentralen Endlager aus

Der Bundesumweltminister geht dabei weiterhin von nur einem zentralen Atommüll-Endlager in Deutschland aus. Die bisherige Endlagersuche habe darunter gelitten, dass sie in den vergangenen 30 Jahren im Streit der Parteien erfolgt sei. "Wir wollen gemeinsam und wir wollen bundesweit suchen. Es soll kein Standort privilegiert, aber auch kein Standort ausgeschlossen werden." Altmaier warnte die Atomwirtschaft vor Drohungen im Zusammenhang mit dem verfügten Erkundungsstopp für Gorleben.

Bei der Suche nach einem Endlager müssten "alle Beteiligten ihrer Verantwortung gerecht werden", sagte der Umweltminister. Er gehe davon aus, "dass die Endlagersuche, so wie es gesetzlich vorgesehen ist, von der deutschen Atomwirtschaft mitfinanziert und getragen wird."

Regierung erwägt Atommüll-Export ins Ausland

Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" will die Bundesregierung allerdings die Grundlage dafür schaffen, hoch radioaktiven Atommüll ins Ausland zu schaffen. Diese Option solle mit einer Änderung des Atomgesetzes ermöglicht werden, schreibt das Blatt. Demnach solle ein neuer Paragraf die "Verbringung radioaktiver Abfälle oder abgebrannter Brennelemente zum Zweck der Endlagerung" regeln. Damit werde eine EU-Richtlinie umgesetzt.

kng/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Atommüllendlager Altmaier stoppt Gorleben-Erkundung

Die Erkundung des Salzstock Gorlebens ruht bis auf weiteres. Peter Altmaier will bundesweit nach einer weiteren Endlagermöglichkeit suchen. Dabei verfolgt der Umweltminister einen ehrgeizigen Plan.

Atommüllendlager Merkel verteidigt Gorleben-Erkundung

Die Kanzlerin als Zeugin. Im Gorleben-Untersuchungsausschuss will ihr die Opposition schwere Fehler bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll nachweisen. Angela Merkel weist alle Vorwürfe zurück.

Suche nach Atommüll-Endlager Gorleben - Merkels erste Wahl

Angela Merkel, frühere Umweltministerin, muss im Gorleben-Untersuchungsausschuss Stellung beziehen. Ihr wird vorgeworfen, sie habe bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager Alternativen unterdrückt.

Mädchenmangel rund um Gorleben Radioaktivität soll Geburtenstatistik beeinflussen

Mädchenschwund durch radioaktive Strahlung? Was sich nach einer wilden Theorie anhört, versuchen Forscher hartnäckig mit Zahlen zu belegen. Die Erklärungen kommen bislang über den Status von Vermutungen nicht hinaus - noch.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?