Die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger hält es mit der Bundeskanzlerin - sie lehnt Frauenquoten strikt ab. Ihre Kritik an den Ministerinnen von der Leyen und Schröder im stern.de-Interview: "Ihre Staatssekretäre sind nur Männer. Vorbild sieht anders aus!"
Ich habe meine ganze politische Laufbahn ohne Quote absolviert. Quoten führen nur dazu, dass Frauen als Quotenfrauen diffamiert werden. Wir Frauen haben das nicht nötig. Wir sind auch so in der Lage, unsere Frau unter Männern zu stehen.
Zunächst einmal ist Frau Schröder zuständig und die schlägt etwas anderes vor. Im Koalitionsvertrag steht, dass wir die gesetzlichen Grundlagen überprüfen und einen Stufenplan initiieren. Von einer Quote steht da nichts. Eine starre Quote quer über alle Wirtschaftsbereiche geht sowieso nicht. Sie können die Baubranche nicht mit dem Finanzsektor gleichsetzen.
Ich erwarte, dass die Wirtschaft in den kommenden Jahren mehr Frauen berücksichtigt. Wer Frauen aus der Führung ausklammert, schadet der eigenen Wettbewerbsfähigkeit. Diejenigen, die heute noch skeptisch sind, werden wegen des Fachkräftemangels bald dankbar sein, wenn sie eine Frau einstellen dürfen.
Sie klagen über Fachkräftemangel und wissen, dass sie Frauen brauchen.
Lange Versäumtes lässt sich nicht von heute auf morgen ändern. Frauen sind heute höchst qualifiziert und haben öfter durchgängige Berufserfahrung, wegen verbesserter Rahmenbedingungen. Damit stehen zunehmend mehr Frauen für Führungsaufgaben zur Verfügung. Das hat sich in den letzten Jahre drastisch verändert.
Viele Unternehmen bestellen ihre Aufsichtsräte und Vorstände bis 2013 neu. Ich erwarte, dass sich der Frauenanteil an Führungspositionen deutlich erhöht. Eine Quote wäre ein Eingriff in die Vertragsfreiheit und ist daher auch rechtlich sehr problematisch.
Deshalb haben wir uns in den vergangenen Jahren konsequent für bessere Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf engagiert und tun dies auch weiter. Auch die Unternehmen sind gefragt, über Betriebskindergärten oder Kooperationen die Vereinbarkeit zu erhöhen. Diese weichen Faktoren haben erfreulicherweise inzwischen auch für immer mehr Männer eine große Bedeutung.
Unser Anteil ist mit 26 Prozent besser, auch wenn ich mir noch mehr Frauen wünsche. Im Übrigen ist interessant, dass alle Staatssekretäre der Frauenministerin Schröder, wie auch der ehemaligen Frauenministerin von der Leyen, Männer sind. Vorbild sieht anders aus. Bevor man anklagt, sollte man erstmal schauen, was sich im eigenen Haus machen lässt.
Das ist keine Frage, die auf europäischer Ebene geregelt werden muss.