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Mit Müll verglichen: Kubicki beleidigt Homburger

In einem TV-Interview geht Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Kubicki seine Parteikollegin Homburger sehr hart an. Nun tut es ihm angeblich leid.

Feind, Todfeind, Parteifreund: Diese Steigerungsform ist im politischen Berlin üblich - und mitunter liefern Politiker derbe Bestätigungen dafür. In diesem Fall war es, wieder einmal, Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, der für seine Zitate ("Die FDP hat als Marke generell verschissen") berüchtigt ist. 2011 gab er dem Hamburger Filmemacher Stephan Lamby ein TV-Interview, just zu dem Zeitpunkt, als darüber spekuliert wurde, dass seine Parteifreundin Birgit Homburger als Staatsministerin ins Auswärtige Amt wechseln könnte. Kubicki kommentierte das mit den Worten: "Das Auswärtige Amt ist nicht für die Müllentsorgung zuständig, sondern das Umweltministerium".

Zu sehen ist die Sequenz in der Langfassung von Lambys Dokumentation "Schlachtfeld Politik - die finstere Seite der Macht", die der NDR am Dienstagabend im Hamburger Passage-Kino vorab präsentierte. Die 45-minütige Kurzfassung - ohne das Zitat - läuft am 19. März im Ersten um 22.45 Uhr. Die Langfassung - mit Zitat - will der NDR im Juni ausstrahlen. Der Film zeichnet Intrigen, Abstürze und Comebacks in der Politik nach; zu den Protagonisten zählen neben Kubicki der Ex-CSU-Chef Erwin Huber, die frühere grüne Gesundheitsministerin Andrea Fischer und der CDU-Eurorebell Wolfgang Bosbach.

Das nicht ganz ernste Bedauern

Bei der Präsentation in Hamburg waren Kubicki und Fischer persönlich zu Gast. Kubicki kämpft gerade um das Überleben seiner FDP in Schleswig-Holstein, wo am 6. Mai gewählt wird - und seine Aversion gegen Homburger ist legendär. Der Müll-Vergleich jedoch schien ihm nach Betrachtung des Filmes misslungen. "Das tut mir wirklich leid", sagte er bei der nachfolgenden Podiumsdiskussion. "Das ist eine Form von Beleidigung, die mir so nicht hätte passieren dürfen." Kubicki wäre jedoch nicht Kubicki, hätte er nicht sofort angefügt, es wäre besser gewesen, Homburger intelligenter zu beleidigen. Zum Beispiel mit dem Verweis, sie müsse dringend an ihrem Sprachschatz arbeiten. Homburger, FDP-Landeschefin in Baden-Württemberg und stellvertretende Bundesvorsitzende, spricht mit einem deutlich vernehmbaren schwäbischen Dialekt.

Regisseur Stephan Lamby jedoch widersprach dem Eindruck, den Kubicki vermitteln wollte - nämlich, dass ihm die Müll-Attacke versehentlich rausgeruscht sei. "Sie haben sich das genau überlegt", sagte Lamby vor versammeltem Publikum zu Kubicki. "Es hat Ihnen Spaß gemacht." Diese Bemerkung blieb unwidersprochen im Kinosaal stehen.

Andrea Fischers Bekenntnis

Gleichsam allegorisch löste sich die Situation durch eine vorherige Aussage von Ex-Gesundheitsministerin Fischer. In dem Film ist eine Archivaufnahme ihrer Rücktrittserklärung 2001 zu sehen, in der sie behauptet, es sei ihre alleinige Entscheidung gewesen, das Amt aufzugeben. In einer Interviewpassage, die 2011 entstand, räumt sie indes ein, von den "Jungs" - gemeint sind offenkundig Joschka Fischer und Jürgen Trittin - zum Rücktritt gezwungen worden zu sein. Kuno Haberbusch, der von Seiten des NDR den Film redaktionell betreute, fragte Fischer bei der Podiumsdiskussion, ob die Lüge zum politischen Geschäft gehöre. Fischers Antwort war kurz: "Ja."

lk