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Wer die AfD wählt

Alles Bildungsverlierer? Mitnichten. Die Wählerschaft von AfD und rechtsextremen Parteien wie der NPD unterscheidet sich deutlich. Aber sie haben auch etwas gemeinsam.

Von Werner Mathes

  AfD-Anhänger kurz vor der Europawahl vor dem Brandenburger Tor

AfD-Anhänger kurz vor der Europawahl vor dem Brandenburger Tor

Die Zahlen haben für Aufsehen gesorgt: Jeder dritte Deutsche würde die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) gern im nächsten Deutschen Bundestag sehen. Und in der aktuellen Sonntagsfrage im stern-RTL-Wahltrend konnte sich die Partei schon wieder um zwei Prozentpunkte auf 8 Prozent verbessern.

Wer liebäugelt eigentlich mit dieser AfD?

Die Anhänger der AfD kommen nach einer Auswertung des Berliner Forsa-Instituts vor allem aus einem bestimmten Segment der deutschen Ober- und Mittelschicht (26 und 53 Prozent). 55 Prozent haben Abitur und/oder studiert und beurteilen die Wirtschaftserwartungen pessimistisch, 44 Prozent verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von 3000 Euro oder mehr. Vor allem Angestellte (62 Prozent) und Rentner (34 Prozent) finden Gefallen am eurokritischen Kurs der Partei, Selbständige (20 Prozent), Beamte (10 Prozent) und Arbeiter (8 Prozent) eher nicht. Männer stellen über zwei Drittel (69 Prozent) der AfD-Anhängerschaft, Frauen nur 31 Prozent. 24 Prozent sind Katholiken, 29 Prozent Protestanten und 47 Prozent konfessionslos. Meist sind sie verheiratet (57 Prozent) und leben in Orten mit einer Einwohnerzahl von unter 20.000 (42 Prozent).

Als politisch rechts schätzen sich 28 Prozent der AfD-Sympathisanten ein, immerhin 17 Prozent als links, und 55 Prozent verorten sich in der Mitte. Sie haben nur wenig Vertrauen in die Kompetenz der im Bundestag vertretenen Parteien und nur geringe Präferenzen für Kanzlerin Angela Merkel und ihren Vize Sigmar Gabriel.

Und wie unterscheidet sich die Anhängerschaft der AfD von rechtsextremen Parteigängern?

Die Sympathisanten der rechtsextremen Gruppierungen wie NPD oder DVU finden sich überdurchschnittlich häufig in Ostdeutschland, während sich die AfD-Anhänger im Verhältnis der Gesamtbevölkerung auf Ost und West verteilen. "Anhänger der rechtsextremen Parteien sind jünger, eher Geringverdiener, überwiegend Hauptschulabsolventen oder haben mittleren Schulabschluss und gehören in überdurchschnittlichem Maß den unteren sozialen Schichten an", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Arbeiter und Arbeitslose sind im rechtsextremen Lager häufiger vertreten als unter den AfD-Anhängern. Und die Radikalen bekennen sich mit großer Mehrheit (61 Prozent) dazu, politisch rechts zu stehen.

Gemeinsam ist beiden Gruppen die pessimistische Wirtschaftserwartung, der überdurchschnittliche Anteil der Konfessionslosen und die Überproportionale Vertretung von Männern. Bei den einen wie bei den anderen wird den Parteien im Bundestag kaum politische Kompetenz zugetraut.

"Die Trennungslinie zwischen den beiden Lagern ist die soziale Schichtzugehörigkeit", sagt Forsa-Chef Güllner, "Anhänger der AfD stammen eher aus der Ober- und Mittelschicht mit relativ hohem Einkommen und entsprechend hoher Schulbildung, während Sympathisanten der rechtsextremen Parteien dagegen überwiegend aus den unteren sozialen Schichten mit geringem Einkommen und geringer Schulbildung kommen."

Nach der Europawahl und der öffentlichen Debatte über das gute Abschneiden der AfD bekommt die Partei nun offenbar auch Zulauf von Angehörigen der unteren Schichten, die bislang eher zur Wahlenthaltung tendierten.

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