Wie Kleine die Vergangenheit einholt

18. Juni 2013, 16:28 Uhr

Die unendliche Geschichte Peer Steinbrücks ist um ein Kapitel reicher. Diesmal im Mittelpunkt: sein Sprecher Kleine, die "Bild" und ein Halb-Grieche, der aus der SPD austrat. Von Daniel Regnery

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Ein tadelnder Blick vom Chef: Ähnlich wie sein Vorgänger produziert auch Rolf Kleine einige Schlagzeilen.©

Michalis Pantelouris weiß um die Wirkung der Medien. Seit vielen Jahren arbeitet der 38 Jahre alte Absolvent der "Deutschen Journalistenschule" nicht nur als Redakteur und Buchautor, sondern betreibt auch sein eigenes Blog. Der ehemalige Chefreporter der FHM und GQ-Textchef wird deshalb ganz gut einschätzen können, welchen Zündstoff sein jüngster Eintrag birgt.

Kleine und die Bild-Kampagne gegen Griechenland

Denn: Darin beschreibt Pantelouris, warum er aus der SPD ausgetreten ist. Im Mittelpunkt der Ausführungen steht Peer Steinbrücks neuer Sprecher, Rolf Kleine. Oder besser gesagt: Rolf Kleine, der ehemalige "Bild"-Journalist. In dieser Funktion nämlich, sagt Pantelouris, habe Kleine 2010 tatkräftig an der "Hetz-Kampagne" gegen Griechenland mitgewirkt. Und stehe damit exemplarisch für all die Häme, die sich über das klamme Land ergießt. Pantelouris, der sich selbst als Semi-Migrantenkind bezeichnet, trafen und treffen die Anfeindungen sehr: "Wir Griechen in Deutschland stehen nicht wie zehntausende in Athen bei den Suppenküchen an, aber das heißt nicht, dass wir hier die Beleidigungen nicht gehört und gelesen haben."

Die Anti-Griechenland-Stimmung der "Bild" war für Pantelouris unerträglich. Sogar deutsche Politiker wie Bundestagspräsident Norbert Lammert, der sich in einem Brief an seinen griechischen Amtskollegen positiv über das griechische Volk geäußert hatte, seien von der Zeitung niedergeschrieben worden, notiert der Journalist in seinem Blog.

Kleine, der mittlerweile 52 Jahre alte Steinbrück-Sprecher, hat das in den Augen von Pantelouris mitzuverantworten. Und in der Tat, die Vorwürfe lassen sich nicht bestreiten: In etlichen Sätzen drischt der frühere "Bild"-Journalist heftig auf das Land, die Bevölkerung und seine Politiker ein. So heißt es in einem Kleine-Kommentar von 2010, dass für die Rettung der Griechen "jeder Euro zu schade" sei. In einem anderen Text fragt sich Kleine: "Warum müssen wir uns bei den Pleite-Griechen entschuldigen?" Und auch an dem Stück mit der Überschrift "Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen" hat der Nachfolger von Michael Donnermeyer als einer von drei Autoren mitgearbeitet.

"Ich möchte nicht, dass Steinbrück Bundeskanzler wird"

Nun hat sich Steinbrück also ausgerechnet einen Mann ins Team geholt, der kräftig gegen Pantelouris Vaterland schoss – zu viel für einen, der "seit Jahren gegen Typen wie Rolf Kleine" kämpft und sich auch öffentlich um die deutsch-griechischen Beziehungen bemüht. Und weil für den Blogger Kleines Texte überhaupt nicht zu dem passen, "was Sozialdemokraten in diesem Land sonst so tun", kam, was kommen musste: Pantelouris trat aus der Partei aus, gab damit den Vorsitz im Distrikt Hamburg-Altona auf. Und das, obwohl er die SPD immer noch für das Beste hält, was dem Land politisch in den letzten 150 Jahren passiert sei. Alles nur wegen Steinbrück und Kleine?

Ja, meint Pantelouris. Politisch frei, kann er nun endlich das formulieren, was sich für einen echten Sozialdemokraten eigentlich nicht gehört: "Ich möchte nicht, dass Peer Steinbrück Bundeskanzler wird." Seine zynische, pragmatische, nicht-sozialdemokratische Art mache ihn zu einem ungeeigneten Kanzlerkandidaten. Dass plötzlich auch noch jemand wie Kleine auf der Bildfläche auftaucht, habe das Fass zum Überlaufen gebracht. "Ich finde es auch nicht zu viel verlangt, dass ein SPD-Kanzlerkandidat eben keinen Hetzer zum Sprecher macht."

Kleine nicht zu erreichen

Wie Kleine selbst zu den Vorwürfen steht, ist unklar. Ein Anfrage von stern.de ließ Steinbrücks Sprecher unbeantwortet. Er sei mit dem Kanzlerkandidaten auf Tour, hieß es, weit außerhalb Berlins.

Dafür finden sich zahlreiche Kommentare unter dem Text – meist anerkennend, selten kritisch. Tausende Leser haben den "Gefällt mir"-Button gedrückt. Und bei Twitter, wo Pantelouris mehr als 1700 Follower hat, ist der Beitrag ein Topthema, wurde hunderte Male retweetet. Dabei bewerten die Leser den Blogeintrag aber durchaus unterschiedlich. Userin "Mina Dingens" schreibt: "Danke für den Text und sehr schade, dass du aufhörst. Wenn auch leider verständlich". "hp" meint zum Blog-Eintrag, er gehe nicht "in allem konform" halte ihn aber "teilenswert". Und "Stefen Niemeyer" stellt sich eine Frage, die durchaus Berechtigung hat: "Braucht Peer bald wieder einen neuen Sprecher?"

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