Nocun folgt auf Ponader

10. Mai 2013, 16:37 Uhr

Die Neue ist da: Auf ihrem Parteitag haben die Piraten mit Katharina Nocun eine neue politische Geschäftsführerin gewählt. Ihr umstrittener Vorgänger entschuldigte sich bei seinen Weggefährten.

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Die neue Chefin bei den Piraten: Katharina Nocun (hier mit Meinhart Ramaswamy aus Göttingen)©

Die 26-jährige Katharina Nocun wird neue politische Geschäftsführerin der Piratenpartei. Die etwa 1000 Teilnehmer des Parteitags in Neumarkt wählten die Online-Redakteurin und Wirtschaftsinformatik-Studentin aus Osnabrück mit 81,7 Prozent der Stimmen zur Nachfolgerin des umstrittenen Johannes Ponader. Nocun erhielt 796 von 974 gültigen Stimmen und lag damit weit vor ihren drei Gegenkandidaten.

Die in Niedersachsen aufgewachsene Polin zeigte sich in ihren kurzen Dankesworten kämpferisch: "Wir haben es verdient, dass unsere Themen wieder nach vorne kommen, weil sie so lange mit Füßen getreten wurden", sagte sie unter dem Jubel der Piraten. In ihrer Bewerbungsrede hatte sie gefordert, die Partei müsse wieder als Team vorangehen "und verdammt noch mal die anderen vor uns hertreiben".

"Mit voller Kraft in den Wahlkampf"

Nocun ist erst seit März vergangenen Jahres Mitglied der Piraten, sie kandidiert in Niedersachsen auf Platz zwei der Liste für den Bundestag. Sie versicherte dem Parteitag, "mit voller Kraft in den Wahlkampf zu gehen".

Der scheidende Piraten-Geschäftsführer Johannes Ponader hat sich bei seiner Partei entschuldigt. "Wo ich etwas falsch gemacht habe, da möchte ich euch um Entschuldigung bitten", sagte er auf dem Parteitag in Neumarkt. Der 36-Jährige stand intern wegen Alleingängen und Führungsschwäche in der Kritik.

Extra dicke Glasfaser für den Parteitag

Noch am Freitag sollte ein Nachfolger gewählt werden. Ponader warnte davor, die Partei hierarchisch zu führen. "Die Piratenpartei ist kein Unternehmen, sondern eine starke, selbstbewusste Bewegung." Auch könnten die Piraten nicht aus der Krise kommen, wenn "wir statt Debatten Shitstorms auslösen". Ponader will nun wieder als einfaches Mitglied Basisarbeit machen.

Für die Ponader-Nachfolge haben sich bisher sieben Kandidaten gemeldet. Es liegen auch Anträge vor, den Posten ganz abzuschaffen. Zudem werden zwei Beisitzer im Bundesvorstand neu gewählt. Am Samstag und Sonntag steht die Beratung des Programms für die Bundestagswahl im Mittelpunkt. Die Piraten liegen in Umfragen bundesweit bei nur noch zwei Prozent. Bis zum frühen Freitagnachmittag waren in Neumarkt rund 700 Mitglieder erschienen.

200 Meter in einer Woche verbuddelt

Für den Bundesparteitag wurden im 40 000 Einwohner zählenden Neumarkt in der Oberpfalz eigens zwei Glasfaser-Leitungen verlegt worden. Dadurch sollen die rund 1500 erwarteten Netzaktivisten zeitgleich im Internet surfen können. In der Vergangenheit war es bei Piraten-Parteitagen aufgrund der hohen Zugriffzahlen immer wieder zum Zusammenbruch der Datenleitungen gekommen.

"Das für den Parteitag realisierte Glasfasernetz könnte theoretisch eine ganze Stadt in der Größe Neumarkts mit Internet versorgen", sagte Christian Brandl von der Firma Brandl Services der Nachrichtenagentur DPA. Die Piratenpartei habe bei seinem Unternehmen nach einer schnellen Internet-Anbindung für bis zu 2000 gleichzeitige Zugriffe angefragt. Es seien innerhalb einer Woche auf einer Länge von 200 Metern Glasfaserkabel zum Veranstaltungsort vergraben worden.

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