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12. April 2011, 19:22 Uhr

Die Guttenberg der FDP

Guttenberg war kein Einzelfall: Das "VroniPlag Wiki" bezichtigt die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin des Plagiats. stern.de hat mehrere Vorwürfe geprüft - sie stimmen. Von Carsten Heidböhmer

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Abgekupfert: Silvana Koch-Mehrins Dissertation wird von der Uni Heidelberg geprüft© DPA

Nach der CSU hat nun auch die FDP ihre Plagiatsaffäre. Und wieder trifft es ein hochrangiges Parteimitglied. Silvana Koch-Mehrin, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, hat in ihrer Doktorarbeit mehrfach abgeschrieben, ohne die Quellen entsprechend zu nennen. Dies bestätigen Recherchen von stern.de. Aufgebracht hat die neue Plagiatsaffäre die Internetplattform "Vroniplag Wiki". Die Seite ist aus dem "Guttenplag-Wiki" hervorgegangen, das vor einigen Wochen den Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zu Fall gebracht hatte.

Koch-Mehrin hat ihre Dissertation mit dem Titel "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: die Lateinische Münzunion 1865 - 1927" im Jahr 2000 an der philosophischen Fakultät der Uni Heidelberg eingereicht. In der Arbeit befasst sie sich unter anderem mit der Frage, ob die Lateinische Münzunion ein Vorläufer der Europäischen Währungsunion war.

Die Hälfte der Vorwürfe überprüft

Bislang hat "VroniPlag" mindestens 20 von 227 Seiten identifiziert, auf denen die FDP-Politikerin fremdes Textmaterial ohne Angabe von Quellen verwendet haben soll. stern.de hat rund die Hälfte der Vorwürfe überprüft. In den Beispielen hat Sivana Koch-Mehrin tatsächlich - bisweilen wortwörtlich - abgeschrieben, ohne dies entsprechend zu kennzeichnen.

Ein Beispiel: Auf Seite 43 ihrer Dissertation heißt es "Das konservative Preußen, das liberale England und das napoleonische Frankreich fanden hier mehr und mehr zu einer gemeinsamen Linie." Dazu führt Koch-Mehrin in einer Fußnote aus: "Sie führte schließlich über den sogenannten Cobden-Vertrag von 1860 zwischen England und Frankreich und den preußisch-französischen Handelsvertrag von 1862, der zugleich den Zollverein mit einbezog, zur Bildung einer weite Teile West- und Mitteleuropas umfassenden Freihandelszone." In "Europa auf dem Weg in die Moderne" des Historikers Lothar Gall steht fast identisch: "Das hochkonservative Preußen, das liberale England und das napoleonische Frankreich fanden hier mehr und mehr zu einer gemeinsamen Linie. Sie führte schließlich über den sogenannten Cobden- Vertrag von 1860 zwischen England und Frankreich und den preußisch-französischen Handelsvertrag von 1862, der zugleich den Zollverein mit einbezog, zur Bildung einer weite Teile West- und Mitteleuropas umfassenden Freihandelszone." Ähnlich stark abgekupfert sind alle der etwa zehn überprüften Stichproben.

Die Europapolitikerin wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern.

Uni Heidelberg prüft

Am Dienstagmittag hatte die Universität Heidelberg bekanntgegeben, die Vorwürfe gegen Silvana Koch-Mehrin zu prüfen. Wie lange die Prüfung dauern könnte, konnte eine Uni-Sprecherin nicht sagen. Die Universität war am Montag von "VroniPlag" informiert worden, wie ein Mitarbeiter des Blogs stern.de bestätigte. Man habe eine interne Richtlinie, ab zehn Fundstellen die Uni zu informieren. Nach Einschätzung des "VroniPlag"-Rechercheurs reicht die Anzahl der schon jetzt aufgespürten Plagiatsstellen für eine Aberkennung des Doktorgrades. Insgesamt arbeiten rund 30 Menschen an der Überprüfung der Dissertation.

Silvana Koch-Mehrin ist bereits der dritte Plagiatsfall, den "VroniPlag" aufgedeckt hat. Der erste Fall betraf die Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, Veronica Saß, von der die Plattform auch ihren Namen hat. Im zweiten Fall geht es um die Doktorarbeit des baden-württembergischen CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Pröfrock.

Mit Silvana Koch-Mehrin trifft es nun eine Politikerin, die als Kandidatin für die neue FDP-Führungsspitze gehandelt wurde. Sollte die Uni Heidelberg ihr tatsächlich den Doktorgrad aberkennen, wäre sie in dieser Position kaum vermittelbar. Sie wird sich auch Fragen gefallen lassen müssen, ob sie in ihrem Posten als Vizepräsidentin des EU-Parlaments noch tragbar ist.

Von Carsten Heidböhmer
 
 
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