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4. Juni 2011, 14:48 Uhr

Ein Blackout und seine Folgen

Die große Mehrheit der Deutschen wünscht sich den raschen Atomausstieg. Gleichzeitig besteht die Sorge vor einer Unterversorgung mit Energie oder gar einem Blackout. Was bei einem totalen Stromausfall passieren würde. Von Friederike von Tiesenhausen

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Ein plötzlicher Stromausfall käme einer nationalen Katastrophe nahe© Jens Büttner/dpa

Deutschland macht Schluss mit der Kernkraft. Die Atommeiler sollen stufenweise vom Netz gehen. Über die dauerhafte Stilllegung der acht nach dem GAU von Fukushima bereits vorübergehend abgeschalteten AKW hinaus wurden die Jahre 2015, 2017, 2019 und 2021 sowie 2022 vereinbart.

Obwohl durch Revisionen und das Atom-Moratorium schon jetzt nur noch vier von 17 Meilern Energie liefern, fließt weiter problemlos Strom aus der Steckdose. Doch schon für den Winter prognostizieren die Netzbetreiber an sehr kalten Tagen eine "ernsthafte Gefährung" der Stromversorgung.

Zu einem gewissen Grad sind solche Warnungen auch interessengeleitet, doch die Gefahr - und vor allem die Folgen - eines Blackouts sind nicht zu unterschätzen. Der Bundestag befasste sich jüngst mit einem umfangreichen Bericht zu den Konsequenzen eines großen Stromausfalls. Das Fazit: "Die Folgen könnten einer nationale Katastrophe zumindest nahekommen."

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Parlament hatte hierzu untersucht, was nach acht Stunden ohne Strom passiert, was nach 24 Stunden und was nach mehreren Tagen. "Wir müssen uns dringend kümmern um Versorgungskonzepte für die Bevölkerung", sagt Christoph Unger, Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Die möglichen Szenarien eines Blackouts:

Kommunikation

Hier sind die Folgen "dramatisch": Telekommunikations- und Datendienste fallen teils sofort, spätestens aber nach wenigen Tagen aus. In der Festnetztelefonie sind digitale Endgeräte sofort tot, ebenso der Teilnehmeranschluss. Aufgeladene Handys bleiben zwar noch einige Tage funktionstüchtig, doch schon vorher fallen die für Mobilfunk nötigen Basisstationen wegen geringer Notstromversorgung aus.

Medien

Fernsehen und Internet fallen zur Krisenkommunikation aus. Zwar haben die Sender Notstromaggregate, doch die Bürger können ihre Fernseher nicht anschalten. Auch Server und Computer sind schnell lahmgelegt. Besser ergeht es älteren Medien: Zeitungsverlage und -druckereien verfügen teils über Notstromkapazitäten. Am besten dürfte die Informationsgewinnung aber mit einem batteriebetriebenen Radio gelingen.

Finanzdienstleistungen

Der Finanzsektor erweist sich als relativ robust - zumindest was die Beziehungen von Banken, Clearinghäusern und Börsen untereinander angeht. Achillesferse sind jedoch die fehlenden elektronischen Bezahlmöglichkeiten sowie der Ausfall von Geldautomaten.

Verkehr

Unmittelbar nach einem Stromausfall ist der Straßenverkehr in großen Städten chaotisch: Es ereignen sich zahlreiche Unfälle. Züge, Straßen- und U-Bahnen bleiben liegen, viele Passagiere sind eingeschlossen. Die Lage auf den Straßen könnte sich aber wieder entspannen, denn durch den Ausfall der meisten Tankstellen bleiben zunehmend Fahrzeuge liegen. Am besten halten sich noch größere Flughäfen: Durch Netzersatzanlagen kann der Flugbetrieb über zwei Wochen weiterlaufen.

Wasser

Die elektrischen Pumpen in der Wasserversorgung fallen nach kurzer Zeit aus. Dadurch kann kein sauberes Trinkwasser mehr gewährleistet werden. Warmes Wasser gibt es schon gar nicht. Auch beim Abwasser sind Probleme programmiert. Weil Kläranlagen nicht mehr funktionieren, muss Abwasser in Flüsse und Seen abfließen.

Lebensmittel

Der Einzelhandel gilt als "das schwächste Glied der Kette". Schon nach wenigen Tagen ist mit ernsthaften Engpässen bei der Lebensmittelversorgung zu rechnen.

Gefunden in ... ... der "Financial Times Deutschland"

Von Friederike von Tiesenhausen
 
 
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