Kampagne gegen Kauders Bruder

14. November 2012, 12:39 Uhr

Geschwister mit gleicher Leidenschaft: Volker und Siegfried Kauder sitzen beide für die CDU im Bundestag. Doch nun muss Siegfried, der weniger bekannte Bruder, um sein Mandat bangen.

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CDU, Kauder, Sigfried, Wahlkampf

Muss um sein Direktmandat für die Wahl zum Bundestag 2013 bangen: Siegfried Kauder (CDU)©

Während Volker Kauder als Vorsitzender der CDU-Fraktion fest im Sattel sitzt, muss sein jüngere Bruder Siegfried, 61, um seine politische Zukunft bangen: Am Freitag entscheidet der Bundestagswahlkreis Schwarzwald-Baar, wer 2013 nach Berlin entsendet wird. Bisher konnte sich der Vorsitzende des Rechtsausschusses im Bundestag der Unterstützung sicher sein. Doch diesmal bekommt Kauder Konkurenz vom Oberbürgermeister von Donaueschingen, Thorsten Frei. Der 39-jährige gilt als CDU-Nachwuchshoffnung im Südwesten. Es tobt parteiintern eine Wahlkampf, den viele als Schlammschlacht empfinden.

Siegfried Kauder muss sich seit etlichen Monaten mit Vorwürfen der eigenen Parteifreunde herumschlagen: Fehlende Kommunikation, mangelnder Führungsstil, keine Nähe zur Basis. Das sorgte dafür, dass im Juli eine Nominierung des Rechtsanwalts platzte, der seit zehn Jahren für die Union im Bundestag sitzt.

Nun dürfte es für Kauder noch schwerer werden, denn vor einigen Wochen hat Frei seinen Hut in den Ring geworfen. "Mir war schon länger klar, dass in diesem Wahlkreis etwas nicht stimmt", sagt Frei, dessen frische Art bei den Leuten gut ankommt. Ihm gereicht es nun jedoch zum Nachteil, dass er erst Ende September als Oberbürgermeister von Donaueschingen wiedergewählt wurde. Will er seine Stadt aus Karrieregründen im Stich lassen? Die Vereidigung wurde vorsichtshalber verschoben.

Von "Polit-Mobbing" und "Rufmord" ist die Rede

Es wird mit harten Bandagen gearbeitet: Insbesondere Kauder greift die Kritiker innerhalb seiner Partei an. "Polit-Mobbing", "Rufmord" und die "Verbreitung von Unwahrheiten" warf er in einem dreiseitigen Brief an Parteimitglieder namentlich genannten Funktionären vor. Auch kritisierte er den zwischenzeitlich ohne Erfolg als Schlichter engagierten Ex-Ministerpräsidenten Erwin Teufel, nicht korrekt seiner Aufgabe nachgekommen zu sein. Das wiederum nehmen Kauder viele Mitglieder übel, denn Teufel gilt den meisten im Schwarzwald nach wie vor als Paradebild eines integeren Christdemokraten.

Zuletzt legte Kauder eine 38 Seiten umfassende Leistungsbilanz seiner Arbeit in Berlin sowie im Wahlkreis vor. Es handele sich um eine normale Zwischenbilanz, betonte er. Weniger die aufgelisteten 94 Gemeindebesuche, 128 Parteiveranstaltungen oder 38 Sprechstunden und auch nicht die 486 bearbeiteten Petitionen sorgten für Aufsehen, sondern das, was Kauder über die am Freitag anstehende Nominierung sagte: Die Bürger erwarteten, dass Probleme gelöst würden - und nicht, dass "Weichgespülte und Karrieristen nach oben kommen". Ein weiterer Seitenhieb auf Frei, der auch Vizechef der Südwest-CDU ist?

Die Fronten sind verhärtet

In den letzten Tagen vor der Wahl am Freitag mühen sich die beiden Bewerber, im Rahmen von Vorstellungen bei Ortsvereinen möglichst viele Parteimitglieder auf ihre Seite zu bekommen. Dort, wo Kauder und Frei aufeinandertrafen, würdigten sie sich kaum eines Blickes. Die Stimmung ist aufgeheizt, die Fronten sind verhärtet.

Immer mehr CDU-Repräsentanten und Ortsverbände haben sich in letzter Zeit zu Frei bekannt - auch die Junge Union des Schwarzwald-Baar-Kreises sprach sich inzwischen für ihn aus. Es sei blauäugig zu meinen, dass die aufgerissenen Gräben direkt nach der Nominierung wieder zugeschüttet werden könnten, sagte Siegfried Kauder.

steh/Stefan Ummenhofer, DPA
 
 
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