Im Bundestag diskutieren Abgeordnete und Experten heute über die Risiken von Schönheitsoperationen. Im stern.de-Interview warnt Unionsexpertin Annette Widmann-Mauz vor gesundheitlichen Schäden, einem gefährlichen Schwarzmarkt - und medizinischen Dilettanten.

Wie gefährlich ist der Eingriff für die vermeintliche Schönheit? Ein Arzt markiert den Oberkörper einer Frau vor einer Brust-Operation© Elleringmann/Laif
Die Folgen von Schönheitsoperationen sind ein weitaus wichtigeres Thema als viele andere Themen, über die der Bundestag auch debattiert.
Die Folgen dieser Operationen beeinträchtigen zunehmend die Gesundheit vieler Menschen. Es gibt schätzungsweise eine Million Schönheitsoperationen im Jahr, vor allem Frauen fragen nach. Aber auch bei Männern steigt die Zahl der Operationen. Ganz besonders beunruhigt uns der wachsende Anteil von Jugendlichen unter 20 Jahren, die sich Schönheitsoperationen unterziehen. Das Risiko solcher Eingriffe wird oft verniedlicht. Zu dieser Entwicklung tragen auch die Medien bei.
Zum Beispiel dadurch, dass Medien-Shows gemacht werden mit der Ankündigung "Gewinnen Sie bei uns eine Brustvergrößerung." Das ist unverantwortlich.
Wir haben dafür gesorgt, dass die medizinischen Folgekosten von Piercing und Tatoos sowie Schönheitsoperationen, die nicht medizinisch notwendig sind, nicht von der Solidargemeinschaft getragen werden. Das heißt, die Kassen zahlen nicht mehr. In dem Antrag, den wir im Gesundheitsausschuss diese Woche diskutieren, geht es vor allem um präventive Maßnahmen. Etwa die Frage: Wie können wir die Qualität von Schönheitsoperationen verbessern? Wie gewährleisten, dass nur gut qualifizierte Mediziner solche Operationen durchführen? Wie dafür sorgen, dass die Ärzte, die für Schäden verantwortlich sind, auch eine entsprechende Haftpflichtversicherung haben? Immer wieder werden Fälle von erschreckendem Pfusch bekannt, mit Folgen, unter denen die Betroffenen ihr Leben lang leiden müssen. Da ist eine Art Schwarzmarkt entstanden, den wir nicht tatenlos hinnehmen dürfen.
Wir haben bereits den Facharzt für plastische Chirurgie. Aber es dürfen auch andere Mediziner Schönheitsoperationen durchführen. Leider sehen viele Menschen zuerst auf den marktschreierischen Preis, dann auf die ärztliche Qualifikation. Teilweise operieren in der Branche sogar Heilpraktiker. Unter dem Gesichtspunkt des Verbraucherschutzes sind das keine akzeptablen Zustände.
Es gibt natürlich auch medizinisch gebotene Operationen. Zum Beispiel, wenn eine Deformation der Nase vorliegt, die für den Betroffenen zu Belastungen führt. Es geht uns in unserem Antrag aber ausschließlich um solche Schönheitsoperationen, die nicht medizinisch indiziert sind - also in den Bereich des Wellness- und Lifestylebereichs fallen.
Nein. Ästhetische Korrekturen können nicht auf Kosten der Allgemeinheit gemacht werden.
Das kann die Kasse nicht bezahlen, das muss doch jeder einsehen.
Diese Frage diskutieren wir ja jetzt gerade mit der deutschen Ärzteschaft. In der Gesundheitsreform ist eine Meldepflicht enthalten für derartige Folgeschäden. Daran gibt es Kritik der Ärzte, denn sie sehen dadurch das Arzt-Patienten-Verhältnis belastet. Aber nur durch die Meldepflicht erreichen wir einen Schutz der Menschen vor Pfuschern.
Kassenärzte sind zwei Prinzipien verpflichtet. Zum einen müssen sie die Solidargemeinschaft der Versicherten vor Überforderung und Ausnutzung schützen. Zum anderen müssen sie das Arzt-Patienten-Geheimnis beachten. Das wird immer wieder eine Gratwanderung für den Arzt sein. Aber reine Schönheitsoperationen dürfen nicht zu Lasten der Beitragzahler gehen.
Den weise ich zurück. Im Gegenteil: Eine Meldung über Spätschäden kann unter Umständen auch weitere Patienten vor Pfuschern bewahren.
Zur Person Annette Widmann-Mauz ist gesundheitspolitische Sprecherin und Vorsitzende der Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag zum Thema Schönheitsoperationen.