Polizei räumt Sitzblockade vor Hauptbahnhof

13. Januar 2012, 08:04 Uhr

Großeinsatz am Stuttgarter Hauptbahnhof: Die Bahn will ihr Mammutprojekt S21 endlich weiterbauen, doch hunderte Gegner blockieren den Südflügel. Beamte tragen die Demonstranten von der Straße.

Stuttgart 21, Sitzblockaden, Weiterbau, Bahnhof, Bahnprojekt, Hauptbahnhof

Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 blockieren die Straße vor dem Südflügel des Bahnhofs©

Die Polizei hat damit begonnen, die Demonstranten vor dem Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs wegzutragen. Zuvor hatten Einsatzkräfte bereits Barrikaden aus Holz, Pappe und Möbeln geräumt. Zuletzt hatten nach Polizeiangaben noch rund 300 Gegner des Milliarden-Projekts Stuttgart 21 versucht, die Beamten bei ihrem Einsatz zu blockieren.

Einige Demonstranten waren der Aufforderung der Polizei gefolgt und hatten das Gelände vor dem Südflügel freiwillig verlassen. Dieses soll mit Absperrgittern abgeriegelt werden. Die Bahn will den Gebäudeteil in den kommenden Tagen entkernen und abreißen lassen. Um kurz nach 3 Uhr waren nach Behördenangaben 1900 Beamte im Einsatz, darunter 400 Bundespolizisten.

Rund 600 S21-Gegner hatten sich zu Beginn am Bahnhof eingefunden, um den Weg zu versperren. Als die Polizisten kamen, bildeten viele Sitzblockaden. Mit Trompeten spielten Demonstranten die deutsche Nationalhymne. Andere riefen: "Oben bleiben!", "Schämt euch!" und "Kretschmann weg!". Von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatten sie auch nach der verlorenen Volksabstimmung mehr Engagement gegen das auf 4,1 Milliarden Euro veranschlagte Projekt erwartet.

Südflügel soll abgerissen werden

In den kommenden Tagen soll der Südflügel dem Erdboden gleichgemacht werden. Das Fundament der südlichen Umfassung kollidiert mit den Plänen für den Tiefbahnhof. Der Nordflügel war bereits im August 2010 abgetragen worden. Die Projektgegner halten den Abriss des Südflügels für den zeitlichen Ablauf des S21-Weiterbaus derzeit für unnötig.

Die Polizei setzte bei der Räumungsaktion Anti-Konflikt-Teams und Kommunikationsmanager ein. Mit Leuchtschrift-Laufbändern rief die Polizei die Demonstranten auf: "Verlassen Sie den abgesperrten Bereich." Die Versammlung sei verboten worden. Viele S21-Gegner, von denen mehrere Aufkleber mit der Aufschrift "DB-Kunde" trugen, blieben zunächst unbeeindruckt sitzen. Die Initiative "Parkschützer" hatte am Donnerstag aufgerufen, zum Hauptbahnhof zu kommen. An einem Protest-Café gab es unter anderem heißen Kaffee und Tee. Ein Lagerfeuer sollte Wärme spenden.

Als neuer Versammlungsort sei der Mittlere Schlossgarten zur Verfügung gestellt worden, verbreitete das Stuttgarter Präsidium über den Kurznachrichtendienst Twitter und das Soziale Netzwerk Facebook.

Um mehr Transparenz zu bieten, hatte die Polizei Journalisten eingeladen, den Einsatz besonders eng zu begleiten. Die Reporter sollen hinter die Kulissen blicken dürfen, etwa im üblicherweise abgesperrten Bereich der Baustelle.

Zum Thema
Politik
Landtagswahl in Sachsen
Legen Sie Ihr Geld richtig an! Legen Sie Ihr Geld richtig an! Der Ratgeber Geldanlage gibt Ihnen Tipps, wie Sie mehr aus ihrem Geld machen. Zu den Ratgebern