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19. Oktober 2009, 11:31 Uhr

Merkels Feuerwehrmann

Als kleiner Junge wäre er fürs Leben gern Feuerwehrmann geworden. Diesen Status hat er jetzt - in der Politik. Thomas de Maizière wird gleich für drei Ressorts gehandelt. Wer ist der Mann? Von Hans Peter Schütz

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Mann für alle Fälle: Kanzleramtschef Thomas de Maizière, CDU© Philipp Guelland/DDP

Wer über die künftige Kabinettsliste spekuliert und einen Namen braucht, kommt schnell auf Thomas de Maizière. Geht das Finanzministerium an die CDU und Roland Koch will nicht? Her mit de Maizière. Möchte die Kanzlerin einen anderen Innenminister? De Maizière soll's machen. War doch sehr gut als Kanzleramtsminister? Okay, dann möge er dort bleiben! Fehlt nur noch, dass er als neuer Verkehrsminister gehandelt wird, weil man irgendwo im neuen Kabinett Merkel auch einen Ossi braucht. De Maizière ist wenigstens ein halber. Ein Wossi. Geboren in Bonn, politisch ausgewachsen nach der Wiedervereinigung in den neuen Ländern.

Der Mann mit den silbernen Strähnen im strubbeligen Haar ist im derzeitigen Kuhhandelgeschäft zwischen FDP und Union eine Idealbesetzung. Einerseits ist für den 55-Jährigen Loyalität eine extrem wichtige Tugend, aber Ja-Sagerei lehnt er ab, selbst der Kanzlerin gegenüber. Er streitet gerne, kommt aber ein Kompromiss endlich zustande, steht er eisern dazu. Werden die eigenen Ideen dabei von anderen verkauft, zuckt er mit den Schultern: "Der größte Erfolg kann manchmal sein, etwas verhindert zu haben."

Kein Fan der FDP

Noch etwas macht ihn in diesen Tagen zum idealen Wegbegleiter der Kanzlerin. Er besitzt enormes Durchhaltevermögen, hält aber "höflichen Umgang miteinander für ganz entscheidend in der Politik". Das hilft ihm sehr im Clinch mit den Liberalen, deren Fan er gewiss nicht ist. Schließlich stehen die Liberalen seit jeher unter dem Generalverdacht, nicht Politik für die Menschen im Land machen, sondern nur für ihre eigene Klientel. Das Motiv seiner eigenen politischen Arbeit ist umfänglicher angelegt. Die Politik einer Partei müsse so orientiert sein, dass sie für eine Mehrheit der Bevölkerung gut ist. Er wolle den Menschen im Land die Angst vor Freiheit nehmen, beschreibt er seine Liberalität. "Man muss den Mut haben, auf Regeln zu verzichten."

Von ihm stammt der Satz in Merkels erster Regierungserklärung "Wir wollen mehr Freiheit wagen". Das war vielen in der CDU/CSU viel zu nahe an Willy Brandts Botschaft "Wir wollen mehr Demokratie wagen" gewesen. Vor allem die Christsozialen schäumten, zumal denen nicht verborgen blieb, dass de Maizière ihren Edmund Stoiber einmal "den am meisten überschätzten Mann der deutschen Politik" genannt hatte.

"Gequatsche" in den Amtsstuben

Sich selbst nennt de Maizière einen klassischen Wertkonservativen. Aber dieser politische Kompass macht ihn nicht blind, was in dieser Kategorie der politischen Selbsteinschätzung so oft der Fall ist. Er operiert am liebsten mit Argumenten. "Ein maßgeschneiderter Brückenbauer zwischen Parteien", nennen ihn sein Freunde. Sein einstiger Förderer Kurt Biedenkopf machte einen Freudensprung, als er vor vier Jahren von der Berufung de Maizières ins Kanzleramt hörte - obwohl er ihn am liebsten zu seinem Nachfolger auf dem Stuhl des sächsischen Ministerpräsidenten gemacht hätte. Biedenkopfs Lob auf de Maizière: "Sitzt er am Tisch eines Kabinetts, sitzt dort die Wirklichkeit." Weil der eines ganz besonders hasse: Nix genaues weiß man nicht.

Dass er einmal gesagt hat, in den politischen Amtsstuben werde zu viel "gequatscht", nahmen ihm viele übel. Er liest schneller als andere, er denkt schneller als andere und er zeigt weniger Gefühle als andere. Aber: der frühere sächsische Regierungssprecher Michael Sagurna hat ihn einmal mit dem Satz beschrieben, de Maizière sei einer, bei dem der Beifahrer im Auto ruhig schlafen könne. Der Mann reagiere und funktioniere immer richtig. Kein Wunder, dass der Vorwurf der Arroganz ihn daher auf seinem Weg durch die Amtstuben der Politik stets begleitet hat.

Seite 1: Merkels Feuerwehrmann
Seite 2: Auf Du-und-Du mit der Kanzlerin
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
utospatz (21.10.2009, 13:22 Uhr)
Und Sie braucht keinen Feuerwehrmann,
schlieslich möchte Sie die atomar verseuchte Brühe aus Asse II ohne Hilfe selber trinken!
kalypso (20.10.2009, 11:14 Uhr)
Angela, Thomas und Kurt - drei für die 2. deutsche Wende
Man muß nur drei Texte lesen, um die ganze Epochenwechsel-Dimension der derzeitigen Lage richtig zu erfassen - und zugleich zu erkennen, was Angela Merkel mit ihrer CHARTA-für-nachhaltiges-Wirtschaften-Initiative vorhat. Es geht um die 2. deutsche Wende. Diese realisiert den Ordnungsübergang in die folgende Weltordnung des KREATIVEN Akzelerationswegs im Evolutionsprozess-System. Er allein garantiert nachhaltiges Wirtschaften und sichert gegen weitere Crashs ab, die in der Wachstumszwang-Ordnung angelegt sind.

Es sind die Texte
1. über Thomas de Maiziére v. 1.12.2005 in der ZEIT, von Gunter Hofmann geschrieben mit der Überschrift 'Der Entschleierer',
2. von Kurt Biedenkopf v. 25.11.2004 in der ZEIT, überschrieben mit 'Wachstum schafft noch keine Arbeit'
3. von Angela Merkel selbst v. 22.5. 2009 in BILD, über Ludwig Erhard, in dem sie einen global vollendeten ORDOliberalismus zum Exodusprojekt für die Weltgesellschaft ankündigt.

Fazit:: Angela Merkel ist eine KREATIVE Gorbatschowa und wird sich am Tag X outen. Gestürzt werden wird das herrschende Wachstumszwang-Regime der KAPITALSTOCKMAXIMIERER..
allesklar (20.10.2009, 00:51 Uhr)
Solche leute
braucht das land - und weniger Heuchler die meinen es zu koennen! ( Seehofer ist einer davon)
Sternchen2020 (19.10.2009, 16:06 Uhr)
Wesentliches fehlt leider.
Denn den Leser interessiert wohl vor allem, welche Ausbildungen er hat und was er er von Anbeginn (also seit Studienende) gemacht hat.. Wodurch kam er in die Staatskanzlei und wer braxchte ihn aus welchen Gründen ins Kanzerlamt?

Der Artikel hier ist mir dahingehend d viel zu schwammig. Und dass der eine den anderen in Ämter hievt aufgrund früherer Bekanntschaften, das wissen wir ja .



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