. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
4. Dezember 2009, 12:43 Uhr

Bundestag nickt Steuerpaket ab

Das schwarz-gelbe Steuerpaket hat die erste Hürde genommen. Ungeachtet der Länder-Kritik billigte der Bundestag das Gesetz zur Wachstumsbeschleunigung. Die Opposition sprach von Klientelpolitik.

Steuern, Steuersenkung, Steuerstreit, Bundestag, Wachstumsbeschleunigung, Steuerentlastung

Kanzlerin Merkel auf dem Weg zur Stimmabgabe: Die Koalition will mit Steuerentlastungen die Wirtschaft ankurbeln© Rainer Jensen/DPA

Der Bundestag hat mit den Stimmen der schwarz-gelben Koalition ein Gesetzespaket verabschiedet, von dem sich die Regierung mehr Wirtschaftswachstum verspricht. Das sogenannte Wachstumsbeschleunigungsgesetz sieht Steuerentlastungen für Familien, Unternehmen, Erben und Hotels im Umfang von rund 8,5 Milliarden Euro vor. Für den Entwurf von Union und FDP stimmten am Freitag 322 Abgeordnete. Es gab 246 Nein-Stimmen und keine Enthaltung.

Das Gesetz muss noch am 18. Dezember durch den Bundesrat damit es am 1. Januar in Kraft treten kann. Hier ist eine Mehrheit aber unsicher. Einige CDU/FDP-geführte Länder - vor allem Schleswig-Holstein - lehnen die im Eilverfahren durchgesetzten Gesetzespläne unter Hinweis auf die leeren Länderkassen ab. Stimmt Schleswig-Holstein wie angedroht nicht zu, kippt das Gesetz.

Bund und Länder loten daher mögliche Ausgleichszahlungen für die Steuerausfälle aus. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnt es aber bisher ab, die Zustimmung aus Kiel zu "erkaufen". Regierungssprecher Ulrich Wilhelm zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass am Ende auch eine Mehrheit im Bundesrat erreicht werden könne. Es gehe aber nicht darum, einzelne Länder herauszukaufen.

Steuerprivileg für Hotels besonders umstritten

Von dem Steuerpaket profitieren am stärksten Familien, die bis zu 4,6 Milliarden Euro mehr in der Tasche haben. Der Kinderfreibetrag klettert von 6024 auf jährlich 7008 Euro. Nutznießer sind Besserverdiener. Zur Kompensation für untere und mittlere Einkommen soll das monatliche Kindergeld um 20 Euro steigen. Zudem sollen Unternehmen und Erben entlastet werden.

Besonders umstritten - auch in den Koalitionsreihen - ist das Steuerprivileg für Hotels. Vor allem auf Druck der CSU, aber auch der FDP soll der Mehrwertsteuersatz für Hotel-Übernachtungen von 19 auf 7 Prozent sinken. Das kostet den Staat eine Milliarde Euro im Jahr. Nahezu alle Experten lehnen dieses Steuerprivileg ab.

"Sie begünstigen ausschließlich Reiche"

Ökonomen bezweifeln, dass das mit neuen Milliarden-Schulden finanzierte Steuerpaket das Wirtschaftswachstum ankurbelt. Die Opposition wirft der Koalition "Klientelpolitik" sowie sozial unausgewogene Steuerentlastungen vor. Die SPD-Expertin Nicolette Kressl sprach in der Bundestagsdebatte vor der Abstimmung von "Flickwerk". Schwarz-Gelb habe die Chance verspielt, mit seinem ersten Gesetz etwas für Wachstum und Land zu tun.

Der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, sagte an die Adresse der Koalition: "Sie begünstigen ausschließlich Reiche." Fritz Kuhn nannte die Pläne ein "Schuldenbeschleunigungsgesetz" mit starken Elementen der Willkür, Bürokratie und sozialer Ungleichheit.

2,28 Milliarden Euro müssen die Länder schultern

Bund und Länder wollen Verzögerungen bei dem ersten wichtigen Gesetz der schwarz-gelben Koalition unbedingt vermeiden. Bei einem Vermittlungsverfahren zwischen Bundestag und Bundesrat bis ins neue Jahr hinein könnte das Gesetz nicht am 1. Januar in Kraft treten. Von den bis zu 8,5 Milliarden Euro Steuerausfällen entfallen laut Gesetzentwurf 4,63 Milliarden Euro auf den Bund. 2,28 Milliarden Euro müssen die Länder schultern, 1,57 Milliarden Euro die Gemeinden. Als Gegenleistung des Bundes für die Länder sind lockere Auflagen bei den Investitionsmitteln aus den bisherigen Konjunkturpaketen im Gespräch. Auch könnte sich der Bund stärker an den Kosten für Unterkunft und Heizung von Harz-IV- Empfängern beteiligen. Gefordert wird auch, dass Länder höhere Anteile aus den Umsatzsteuereinnahmen bekommen.

Schon die schwarz-rote Vorgängerregierung hatte Steuerentlastungen von bis zu 14 Milliarden Euro vom kommenden Januar an beschlossen. Union und FDP planen von 2011 an weitere Entlastungen.

mad/DPA/AFP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 42)
 
oppenwehe (06.12.2009, 02:04 Uhr)
Vereinfachung?
Die FDP will ein "einfaches, gerechtes und leichtes" Steuersystem. Gleichzeitig schafft sie eine Steuersubvention für ihre Spender, die Hoteliers. Danke, Wähler.
Kippi (05.12.2009, 13:37 Uhr)
Wachstumsbeschleunigungsgesetz
Wachstumsbeschleunigungsgesetz.....
was für ein schöner Name, den muss man sich einfach einmal auf der Zunge zergehen lassen.
Aber was hat der Normalbürger, was hat der HartzIV-Empfänger, was hat der 1-Euro-Jobber davon ? - g a r n i c h t s
Armes Deutschland - womit hast Du
Merkel verdient ????
audio001 (05.12.2009, 06:11 Uhr)
Danke für die Überschrift..
denn mehr als ein Abnicken der Abgeordneten der Regierungskoalition kann man tatsächlich nicht vermuten!- Und das "Trio Infernale" der deutschen Politik setzt unbeirrt seine Arbeit fort!
Corazito3333 (05.12.2009, 00:02 Uhr)
zum schuldenbeschleunigungsgesetz
das ist die wahrheit....aber wen interessierts
pitiplatsch (04.12.2009, 17:49 Uhr)
Ist doch schön wenn
man Wachstum per Gesetz verordnen kann. Für wie blöde hält uns dieser hohle Lobbyistenhaufen der sich Regierung nennt eigentlich ?? Dieser Lobbyistenabhägige hochintelligente Regierungshaufen beschließt ein Wachstumsgesetz und glaubt womöglich selber noch daran . Dieser unfähigste Haufen seit Adenauer ist das schlimmste was uns passieren konnte; die Merkel fährt Deutschland mit Vollgas an die Wand und bemerkts nicht mal, man warum haben wir sowas verdient. Neun lange Jahre Krieg Monat für Monat Millionen von Euro für absolut nichts ! das sind die Erfolge der Merkel Kinder abschiessen alleinerziehende Mütter im Stich lassen Rentner bewußt in die Altersarmut treiben sich selber die Taschen füllen und Bildung nur für die Reichen und sogenannten etablierten !
Aquarius2 (04.12.2009, 19:41 Uhr)
@raptor-xl: Verteilung von Vermögen
20% aller Deutschen hatten sich bis 2007 bereits 80% aller Vermögen auf die Seite gebracht.
D.h. 80% aller Deutschen besitzen heute maximal 20% aller Vermögen. Wahrswcheinlich weniger, denn die Umverteilung von unten nach oben ist seit 2007 weiter gelaufen.
Und nun dieses "Wachstumsbeschleunigungsgesetz".
Würden Sie wetten, wessen Vermögen nun wächst, und wessen nicht?
sportartmakler (04.12.2009, 17:53 Uhr)
@raptor
eine definierung von vermögend ist ja nun nicht allzu schwer.anhand des aktuellen geldwertes in relation zum jeweiligen barvermögen inkl. anderen dann zu definierender anlagen, oder eine formel die das durchschittseinkommen beinhaltet sollte nicht allzu schwer sein. die streitfrage wird dann natürlich die höhe sein. die darf für meinen geschmack, denn arbeit muß sich ja lohnen;), auch so hoch sein, dass die restl. lebenszeit auch in luxus verbracht werden kann. warum aber sollen dann diese leute, die es offensichtlich kraft ihrer selbst geschafft haben, weiterhin vom staat finanziell unterstützt / entlastet werden, gleich welcher stellschraube sich bedient wird?
pitiplatsch (04.12.2009, 17:49 Uhr)
Ist doch schön wenn
man Wachstum per Gesetz verordnen kann. Für wie blöde hält uns dieser hohle Lobbyistenhaufen der sich Regierung nennt eigentlich ?? Dieser Lobbyistenabhägige hochintelligente Regierungshaufen beschließt ein Wachstumsgesetz und glaubt womöglich selber noch daran . Dieser unfähigste Haufen seit Adenauer ist das schlimmste was uns passieren konnte; die Merkel fährt Deutschland mit Vollgas an die Wand und bemerkts nicht mal, man warum haben wir sowas verdient. Neun lange Jahre Krieg Monat für Monat Millionen von Euro für absolut nichts ! das sind die Erfolge der Merkel Kinder abschiessen alleinerziehende Mütter im Stich lassen Rentner bewußt in die Altersarmut treiben sich selber die Taschen füllen und Bildung nur für die Reichen und sogenannten etablierten !
sportartmakler (04.12.2009, 17:39 Uhr)
@raptor
"das würde ja heissen, ich gehe studieren, arbeite mich im management hoch und ab einer gewissen position kann ich machen was ich will, es wird nicht mehr geben. denn alles was ich auch anstelle, geld bekommen nur die armen..."

unterm strich hat der manager doch trotzdem (zu recht) dann immer noch mehr als der dann "steuerbevorteilte" geringverdiener. wo ist denn dann das problem?
das problem besitzt dieser "leistungsträger" der anscheinend seine erfüllung ausschließlich in geld bemißt, ansatt in der guten und meist dennoch optimierbareren ( anreiz?) erfüllung seines berufes an sich, in der familie, in kreativen oder wissensvermittelnden hobbies etc

haben sie früher ne mark für ne eins bekommen? hab meine schublade schon auf ;)
laeppe (04.12.2009, 17:19 Uhr)
So nicht -
Deutschland ist unfähig die Probleme zu lösen. Egal wer regieren würde - ausser die Linken -
würde diese Politik weiterführen.
Mehr Schulden - mehr Ungleichheit.
Ich verweise auf den Norden - in Schweden z.B. läuft es anders und sehr gut denn es hat einmalig
zufriedene Bürger.
Wenn jemand 5 Millionen hat braucht er dann die nächste ?
sportartmakler (04.12.2009, 16:57 Uhr)
medes
ich bin schon informiert was den kinderfreibetrag anbelangt, bitte nicht so plump. besserverdiener ( damit meine ich nicht die da oben, millionäre etc ) erhalten über den kinderfreibetrag eine steuerentlastung die höher ist als das kindergeld. mit steigendem einkommen wird daurch natürlich auch die steuerersparnis immer gößer, wie geswchrieben bis zu 300? im monat. das ist keine soziale politik für familien im allgemeinen, sondern nur für die besserverdienenden. die sollen wegen mir auch gern "entlastet" werden, aber doch bitte nicht fast doppelt so stark wie familien mit geringem verdienst.

meine anmerkung "wegen 50? mehr gehe ich doch nicht arbeiten" haben sie wahrscheinlich mißverstanden. der abstand zw. einkommensbezieher ohne staatl unterstützung muß zu den aufstockern bzw. reinen h4-empfängern größer werden. weil der eine dann vielleicht doch motiviert wird für seinen unterhalt selbst zu sorgen und diejenigen die 8h am tag arbeiten und mit dem gleichen geld wie ein h4 empfänger nach hause gehen sich nicht sagen dann bleibe ich halt auch zuhause.

"arbeit muß sich wieder lohnen" - ein ekelhafter spruch zumindest aus richtung der fdp, ist hier aber zutreffend
MEHR ZUM ARTIKEL
CSU-Landesgruppenchef Friedrich "Im Bordell kein Steuervorteil"

Schwarz-Gelb will die Konjunktur stützen - und schenkt Hotelbesitzern eine Mehrwertsteuersenkung. Gilt die auch für Puffs? Und warum werden Babywindeln nicht billiger? Ein Gespräch mit CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich. mehr...

Streit um Steuersenkungen Schwarz-Gelb ködert die Bundesländer

Offiziell will die Bundesregierung die geplanten Steuersenkungen ohne Abstriche durchdrücken und den Ländern keine Zugeständnisse machen. Hinter den Kulissen laufen die Kompensations-Verhandlungen indes auf Hochtouren. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe