2. Juli 2010, 08:11 Uhr

Wulff startet mit Rückenwind ins neue Amt

Integration, Europa, Kampf gegen Politikverdrossenheit - mit diesen Themen will Bundespräsident Christian Wulff punkten. Die Herzen der Deutschen hat er laut einer Umfrage schon gewonnen.

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Gefragter Mann: Nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten stand Christian Wulff den Medien Rede und Antwort©

Der neue Bundespräsident Christian Wulff startet mit positiven Umfragewerten ins Amt: 72 Prozent meinten im ARD-Deutschland-Trend, dass Wulff ein guter Präsident werde. 58 Prozent äußerten in der repräsentativen Befragung durch Infratest Dimap die Meinung, dass "am Ende mit Wulff der richtige Kandidat gewählt worden ist". Nur 35 Prozent fanden, dass "Joachim Gauck der bessere Präsident gewesen wäre".

Für die Kanzlerin gab es hingegen Schelte: 68 Prozent finden es eine "Blamage für Angela Merkel, dass Wulff so viele Stimmen aus dem eigenen Lager nicht bekommen hat".

Wulff, 51, der Kandidat von Union und FDP, hatte sich am Mittwoch erst im dritten Wahlgang gegen Joachim Gauck, 70, durchgesetzt, den SPD und Grüne unterstützt hatten.

Am heutigen Freitag legt Wulff seinen Amtseid auf das Grundgesetz ab. Dazu kommen am Mittag Bundestag und Bundesrat zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Danach wird Wulff seine erste Rede als Staatsoberhaupt halten. Davon werden Hinweise auf seine Arbeitsschwerpunkte in den kommenden fünf Jahren erwartet. Am Abend findet im Schloss Bellevue schließlich das traditionelle Sommerfest des Bundespräsidenten statt.

Wahlverlauf keine Belastung fürs neue Amt

Wulff sieht die drei notwendig gewordenen Wahlgänge nicht als Belastung für das Amt. "Am Ende eine absolute Mehrheit zu haben, mehr als alle anderen (Kandidaten) zusammen zu haben, das ist doch eine ausreichende Rückenstärkung", sagte der bisherige niedersächsische Ministerpräsident. Wulff weiter: "Ich musste mich häufig im Amt bewähren. Ich hatte nie so viele Vorschusslorbeeren." Außerdem sei er sich immer sicher gewesen, am Ende der Bundesversammlung zu gewinnen.

Zu den vielen Abweichlern bei seiner Wahl sagte Wulff: "Ich gebe zu, einige haben eine gewisse Form von Protest gezeigt." Weitere Spekulationen lehnte er ab, mahnte jedoch: "Die Koalition wird in den nächsten Monaten zeigen müssen, dass sie handlungsfähig ist. Das werden wir beobachten müssen."

Wulff kündigte an, im neuen Amt zu versuchen, der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken. Dabei müssten über die Parteien hinaus auch Bürgerinitiativen und einzelne Bürger besser eingebunden werden. "Parteien sind wichtig. Sie wirken an der politischen Willensbildung mit. Aber sie sind nicht die politische Willensbildung."

Europa und Integration Hauptanliegen

Der neue Präsident warb auch für mehr Integration. "Wir müssen lernen, niemanden links liegen zu lassen. Wir müssen alle mitnehmen." Die erste Auslandsreise will er zur Europäischen Union nach Brüssel unternehmen. "Ich will damit deutlich machen, wie wichtig für uns Europa ist." In Brüssel wolle er sich deshalb den Präsidenten des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission vorstellen. Im Gespräch seien auch kurzfristig angesetzte Reisen nach Paris und Warschau. Allerdings müsse er die Präsidentenwahl in Polen am Sonntag abwarten.

Anfang Oktober will das am Mittwoch gewählte neue deutsche Staatsoberhaupt zu einem viertägigen Staatsbesuch in der Türkei aufbrechen. "Wir müssen die bilateralen Beziehungen zu der Türkei vertiefen", sagte Wulff mit Hinweis auf die hohe Zahl türkischstämmiger Bürger in Deutschland. "Wir können zudem von der Türkei viel lernen über den Dialog der Religionen." Allerdings müsse Deutschland auch darauf dringen, dass die Christen in der Türkei ihre Religion frei ausüben dürften.

Wulff will nicht in Schloss Bellevue wohnen

Eine wichtige persönliche Entscheidung hat der neue Bundespräsident nach der Besichtigung seines neuen Amtssitzes getroffen: Er wird mit seiner Familie nicht im Schloss Bellevue einziehen: "Das war klar: Leben und wohnen kann man da unseres Erachtens nicht." Er wäre nicht das richtige Umfeld für die Kinder. "Wir werden uns nach einer anderen Bleibe umschauen."

kng/DPA/AFP/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 63)
 
sachsenwini (02.07.2010, 21:35 Uhr)
manfrednaumann (02.07.2010, 16:02 Uhr) Gabriel hat Gauck nur benutzt
um die Koalition der Regierung in Verlegenheit zu bringen.
-
Gleichzeitig wollte er sich einen Grund schaffen, gegen die Linken zu hetzen. Dass er dabei einen Mann wie Gauck, der nie diese Wahl gewinnen konnte, bewusst verheizte, setzt seiner Charakterlosigkeit die Krone auf.
Ich hoffe, dass sich die Wähler das merken werden.

sachsenwini (02.07.2010, 21:27 Uhr)
Bitte-sachlich (02.07.2010, 13:14 Uhr) darum würde ich auch bitten!

Im dritten Wahlgang hat die NPD geschlossen für Herrn Gauck gestimmt.
.
Aber das hat ihn nicht gerettet, und er hätte auch keine Mehrheit zustande gebracht, wenn alle, die sich der Stimme enthalten haben, in der dritten Runde für Gauck gestimmt hätten. Er hatte von Anfang an keine Chance, und das müsste er eigentlich auch gewusst haben.


manfrednaumann (02.07.2010, 16:02 Uhr)
Praesidenten Wahl
Als SPD Mitglied Bin ich beschaehmt mit welcher Hinterlist Herr Gabriel hier zu Gange war.Man sollte anderer Meinung auch wenn es schmertzt respeckt entgegen bringen,und nicht so Machtgeil sein
carlodifabio (02.07.2010, 15:43 Uhr)
wulff startet mit starkem gegenwind!
mitbewerber ums präsidentenamt und engagierter bürger(-rechtler) karl maria schulte hat beim bundesverfassungsgericht heute beantragt, wulff vom amt zu suspendieren, bis zur entscheidung in der hauptsache. hier einige seiner gründe:

>die den präsidenten wählenden abgeordneten des bundestages sind demokratisch nicht legitimiert. dies beweist das laufende wahlprüfungsverfahren von schulte beim bundestag WP 146/09. er hatte 2009 erstmals erfolg mit wahlprüfung beim bundesverfassungsgericht: BVerfGE 122 nr. 10.
> das auswahl- und zulassungsverfahren ist verfassungswidrig, da es nicht transparent ist, parteiendominanz sichert und die chancengleichheit für unabhängige wie schulte verletzt.
> es ist nicht vereinbar mit der wulff-kandidatur, daß er aus einem regierungsamt heraus dies tut. es beschädigt das amt des präsidenten. zudem nicht vereinbar mit artikel 55 grundgesetz. mindestens 2 jahre vor kandiatur
muß man amtsfrei sein, um institutionelle unbefangenheit vom 1. tag an zu garantieren. wulff war 30 jahre CDU-parteifunktionär und viele jahre MP.
> nach artikel 146 GG hätte das volk längst über eine gesamtdeutsche verfassung abstimmen müssen. dann hätte es eine
d i r e k t w a h l geben können.
zum bürgerkonvent: ZAS/FAZ 8.11.09 (27): aufruf/weckruf bürgerkonvent. darauf woll eingehend: richard david precht ("wer bin ich? und wenn ja, wie viele") in der ZEIT: ... und keiner wacht auf...

der tag wird kommen...

...

power to the people!

zu beginn der verfassung heißt es:

wir, das volk geben uns diese verfassung...
die deutschen hatten noch keine gelegenheit dazu
confused (02.07.2010, 14:13 Uhr)
@OneSizeFitsAll
Bill Gates hat garantiert heimlich Linux - denn auch er benutzt garantiert ein Sicheres und Stabiles BS. Daher ist dies wohl einfacher als wie das uns Presi meint.
HenningHerbst110 (02.07.2010, 13:26 Uhr)
Starten Sie Herr Bundespräsident.
Ich erwarte von Herrn Wulff, dass er als junger Bundespräsident sich für ein kinderfreundliches Deutschland einsetzt. Der Spuch: "Die Europäer lieben ihre Kinder, die Deutschen ihre Hunde." ist in unserer Gesellschaft noch viel zu häufig Realität. Wenn kleine Kinder auf der Straße weinen, glotzen die Leute bloß genervt. Wenn kleine Hunde kläffen, dann heisst es: "Oh, ist der aber süüüss!"

Henryk M. Broder ist mit seinem rassistischen Gemaule unerträglich.
Bitte-sachlich (02.07.2010, 13:14 Uhr)
Wulff lobt seine Absolute Mehrheit?
Die war nur möglich mit den 3 Stimmen der NPD!

Halten wir das mal fest für die Kommentare von Schwarz-Gelb, wenn Frau Kraft in NRW gewählt wird.
gokahe (02.07.2010, 13:02 Uhr)
@jeder und die Sarrazinförderer
Der zitierte Artikel ist eigentlich lahm. Die Achse des Guten ,Henryk M. Broder,
Dirk Maxeiner, Michael Miersch im Schatten z.Bsp. Wolfgang Röhl, Vera Lengsfeld alle, teilweise ungewollt, aber aktiv als neue Ikonen der neuen Rechten, können es eigentlich besser. Aber der Hinweis auf diese Seite erklärt doch viele Kommentare von @jeder hier.
mit freundlichen Grüßen
gokahe
endbenutzer (02.07.2010, 13:00 Uhr)
@ Sternchen2020:
"..."Mitnehmen" hört sich nur gefälliger an...."

In etwa so wie: "Der Aufschwung kommt bei den Menschen an." War auch so ein toller Satz.

Wer's glaubt wird selig...
LaoLu (02.07.2010, 12:58 Uhr)
Und zu den glatten schönen Gesichtern
darf ich nochmal den Namen Hannes Wader erwähnen.
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