Wie ein Fluch kam der Königssohn aus England über das mächtigste Reich des späten Mittelalters und zwang Frankreichs Ritterschaft und dessen König in die Knie.

Obwohl der Schwarze Prinz mit seiner prachtvollen Rüstung, die den ganzen Körper schützte, das Idealbild des mittelalterlichen Ritters verkörperte, läutete er mit seiner Art der Kriegsführung das Ende des Rittertums ein. Denn der Sohn des englischen Königs Edward III. stützte sich in seinen Schlachten auf leichte, bewegliche Fußtruppen. Seine stärkste Waffe waren Bogenschützen, die mit ihren Pfeilen aus der Distanz die geharnischten Krieger hoch zu Ross vernichteten. Besonders deutlich wurde das in der Schlacht von Poitiers, als er die große Übermacht der Franzosen ohne große eigene Verluste bezwang. Das Rittertum, das auf dem überkommenen Ideal vom Zweikampf Mann gegen Mann beharrte, erholte sich nie mehr von dieser Niederlage. Als kurz darauf auch noch die Pulverwaffen aufkamen, verschwand der stolze Held in der schimmernden Rüstung endgültig aus der Geschichte.
Es war ein böses Funkeln im Universum. Wer Augen hatte, die Zeichen zu sehen, sah es mit Schrecken: Der Himmel hatte sich verschworen. In der Nacht des 20. März 1345 standen Saturn, Jupiter und Mars im Winkel von 40 Grad zum Aquarius. Das konnte nur Unglück bedeuten.
Angst und Entsetzen befiel die Menschen. Büßer tanzten heulend durch die Straßen, geißelten sich aufs Blut. Der Papst exkommunizierte die Planeten. Aber der Himmel kannte kein Erbarmen, schickte nichts als Plagen. Ein Erdbeben erschütterte halb Europa. Mauern, Häuser und Türme stürzten ein. Der Himmel schickte eine große Kälte, die Ernten vernichtete und Gletscher wachsen ließ. Und er sandte den Schwarzen Prinzen.
Wie ein Fluch kam er über das mächtigste Reich des Mittelalters, zog eine breite Blutspur durch dessen Geschichte und zwang die Großmacht Frankreich, dessen Ritterschaft und König in die Knie. Als 15-Jähriger betritt Eduard Plantagenet 1346 französischen Boden. Zehn Jahre später ist er ein Held, ein Mythos, die »Blume der Ritterschaft«.
Schwarz glänzt die Rüstung, die ihm seinen Namen gab, silberne Straußenfedern zieren seinen Helm. Der Prinz ist muskulös, erfahren in allen Kampfsportarten seiner Zeit, stark und tapfer. Mit 16 Jahren schlägt er in Crécy seine erste große Schlacht, und sein Vater, der König von England, sieht ihm gelassen dabei zu. Auf den Schultern des Schwarzen Prinzen ruht die Hoffnung Englands.
Geschichte wird von Siegern geschrieben, der Schwarze Prinz ist ein solcher Sieger. Sein Handwerk ist der Krieg. Sein Lebenswerk Terror. Er ist ein genialer Stratege, brutal und zupackend, ein Beutegreifer und skrupelloser Geiselnehmer.
Seine Zeit ist geprägt von einer gottgewollten Ordnung, die dem König, dem Adel und den Herrschenden alles erlaubt und den Untertanen nichts. Gewalt ist legitim, Brutalität Stärke, Verschwendung ein Zeichen der Herrlichkeit. Was heute nur in Gruselfilmen gezeigt wird, gehört im Spätmittelalter zum Alltag: das blutige Entertainment öffentlich-rechtlicher Grausamkeit - Handabhacken, Ohrabschneiden, Kopfabschlagen; Menschen werden lebendig gehäutet, verbrannt, in vier Teile gerissen; Kinder und Schwangere werden gefoltert, Leichenteile öffentlich zur Schau gestellt.
Die Kinderstube des Schwarzen Prinzen, der englische Hof, gilt als Hölle des Hasses. Heimliche Morde und öffentliche Justizverbrechen ebnen die Wege zur Macht. König Eduard III., der Vater des Prinzen, ist alles andere als ein friedlicher Herrscher. Mit 15 Jahren hat er den Thron bestiegen, ein hoch gewachsener Haudegen mit langen blonden Haaren, aufbrausend, leichtsinnig und rachsüchtig, ein Wüstling, der nichts dabei findet, die Frau eines Getreuen, den er in den Krieg geschickt hat, brutal zu vergewaltigen.
Dieser Mann hält sich, aufgrund alter Familienansprüche, für den legitimen König von Frankreich. Ein schmaler Streifen Aquitaniens bei Bordeaux gehört ohnehin zu England. Jetzt will er den Rest, die Krone. Sein Sohn Eduard, der Schwarze Prinz, soll ihm helfen, diesen Anspruch mit Gewalt durchzusetzen. Es ist, als hätten zwei Füchse beschlossen, einen Bären zu jagen, ein Akt des Größenwahns.